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Kuschelnde Koalas und kopfstehende Käfer
Panorama 6 Min. 20.06.2020

Kuschelnde Koalas und kopfstehende Käfer

Die Ohren der Fenneks helfen, die Temperatur zu regulieren.

Kuschelnde Koalas und kopfstehende Käfer

Die Ohren der Fenneks helfen, die Temperatur zu regulieren.
Foto: Shutterstock
Panorama 6 Min. 20.06.2020

Kuschelnde Koalas und kopfstehende Käfer

Christian SATORIUS
Christian SATORIUS
Um bei Hitze cool zu bleiben, haben einige Tiere erstaunliche Strategien entwickelt.

An diesem Samstag fängt offiziell der Sommer an. Ab Mitte der kommenden Woche soll sich die Jahreszeit auch auf dem Thermometer widerspiegeln. Während die meisten Menschen dann mit Klimaanlagen und Ventilatoren versuchen werden, der Hitze zu trotzen, haben sich einige Tiere mit erstaunlichen Tricks an extreme Temperaturen angepasst.

Viele von ihnen leben in Wüsten, in denen das Thermometer auf 80 Grad Celsius in Bodennähe klettern kann. Fische sind da fein raus, könnte man meinen. Schließlich planschen sie ja im kühlen Nass herum. Aber längst nicht allen Fischen fällt es leicht, einen klaren Kopf zu bewahren, wenn die Wassertemperatur konstant steigt. Die Lebensbedingungen der Wüstenfische sind knüppelhart. Verdunstet das nicht mehr ganz so kühle Nass, konzentriert sich der Salzgehalt immer stärker und der Sauerstoff nimmt immer weiter ab – und irgendwann ist ganz einfach gar kein Wasser mehr da.


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Frische Fische

Afrikanische Lungenfische haben selbst jetzt noch einen Trumpf im Ärmel, um nicht zu sagen: in der Lunge. Trocknet ihr Gewässer aus, dann graben sie sich zunächst im kühlen Schlamm ein. Ein spezieller Schleimkokon schützt sie vor Austrocknung, wenn selbst der letzte Tropfen Wasser verdunstet ist. Da die urtümlichen Tiere über Lungen verfügen, können sie den Luftsauerstoff atmen und ersticken nicht wie ihre kiemenatmenden Verwandten, wenn kein Wasser mehr zum Atmen vorhanden ist.

In ihrem Kokon fahren sie alle Körperfunktionen auf ein absolutes Minimum zurück und fallen in einen tranceartigen Sommerschlaf. Kommt dann nach einigen Monaten die Regenzeit und mit ihr das Wasser zurück, erwachen sie wieder zu neuem Leben.

Den Trick mit der Sommerruhe beherrschen übrigens auch viele andere Spezies – Schlangen und Skorpione etwa, die durchaus bis zu einem Jahr in der Dürrestarre ausharren können. Die Südamerikanischen Gopherschildkröten verbringen gar 95 Prozent ihres Lebens in ihren kühlen unterirdischen Gängen, die in bis zu drei Metern Tiefe rund zwölf Meter lang sein können. Nur in der Dämmerung kommen sie heraus und suchen sich etwas zu fressen.

Die pflanzliche Nahrung ist es dann auch, die die Tiere mit Wasser versorgt, denn in ihren Lebensräumen, der kalifornischen Mojave-Wüste oder der mexikanischen Chihuahua-Wüste, ist Wasser Mangelware.


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Schlaue Füchse

Aber nicht nur Pflanzenfresser, auch Fleischfresser können ihren Wasserbedarf durch ihre Nahrungsaufnahme decken. Wüstenfüchse etwa sind nicht wählerisch und fressen so ziemlich alles, was sie überwältigen können. Wüstenspringmäuse sind natürlich lecker, aber leider auch sehr schnell. Käfer lassen sich da schon leichter überwältigen. Und auch wenn sie vielleicht nicht ganz so gut schmecken, so versorgen sie die kleinen Wüstenfüchse doch mit der lebensnotwendigen Feuchtigkeit.

Die auch Fennek genannten Wildhunde haben aber noch mehr Tricks auf Lager, um in ihrer lebensfeindlichen Umwelt bestehen zu können. Auf Nahrungssuche gehen sie vornehmlich in der Dämmerung oder des Nachts. Dabei helfen ihnen nicht nur ihre guten Augen und die feine Nase, sondern auch die riesigen Ohren, mit denen sie vorzüglich hören können. Die gut durchbluteten Lauscher dienen ihnen darüber hinaus auch zur Wärmeregulierung. Das warme Blut kann auf dieser relativ großen Oberfläche unter der dünnen Haut sehr schnell abkühlen und die überschüssige Wärme an die Umgebungsluft abgeben.

Wenn das immer noch nicht genügt, kann der Fennek aber auch atemberaubend schnell hecheln, nämlich bei 38 Grad Celsius mit erstaunlichen 690 Atemzügen pro Minute. Zum Vergleich: Normalerweise reichen ihm 23 Atemzüge pro Minute. Die Verdunstungskühle, die dabei an der Zunge und im Mund- und Rachenraum entsteht, reicht aus, um dem Wüstenfuchs einen kühlen Kopf zu bewahren. Das muss sie auch, denn wie alle Hunde können auch Wüstenfüchse nicht schwitzen – von den vereinzelten Schweißdrüsen an den Pfoten und an der Nase einmal abgesehen.


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Auf zum Wasser

So schön es auch erfrischt: Der ganz große Nachteil des Schwitzens und auch des Hechelns ist, dass mit der feuchten Atemluft auch Flüssigkeit verloren geht und somit die Austrocknung droht. Auftanken ist also angesagt. Aber in den Wüsten ist das Wasser bekanntlich eher Mangelware. Was also tun, wenn gar kein Wasser vorhanden ist? Elefanten setzen auf ihr hervorragendes Gedächtnis und merken sich, an welchen Stellen es einmal Wasser gab, bevor es weggetrocknet ist. Mit ihren sprichwörtlichen Elefantenkräften buddeln sie an diesen Stellen und werden dabei auch durchaus fündig.

Aber was machen die, die nicht so stark sind? Schwarzkäfer graben sich zwar tagsüber ein, um nicht in der heißen Mittagsglut brutzeln zu müssen, aber bis zum Grundwasser gelangen sie so nicht. Die Insekten haben einen anderen Trick drauf, der sie nicht verdursten lässt. In der Nacht und in den frühen Morgenstunden machen sie eine Art Kopfstand und verharren so eine ganze Zeit lang still. Der Nebel, der zu dieser Zeit auch in den Wüsten in der Luft liegt, schlägt sich nun auf dem Chitinpanzer der Käfer ab. In speziellen Rillen sammeln sich die Tautropfen und laufen dem kopfstehenden Käfer sozusagen direkt in den Mund.

Es gibt aber auch durchaus eine ganze Reihe von größeren Tieren und Vögeln, die ihren Durst direkt an den verbliebenen Wasserstellen stillen können. Entgegen aller Gerüchte speichern Kamele zwar kein Wasser in ihren Höckern, sehr wohl aber können sie Unmengen davon auf einmal trinken, wenn sie erst einmal eine Wasserstelle gefunden haben, nämlich bis zu atemberaubenden 200 Litern. Um so viel Wasser überhaupt schadlos aufnehmen zu können, haben Kamele keine runden Roten Blutkörperchen, sondern spezielle ovale, die sich bis zu 270-fach ausdehnen können und so dem Organismus bei der Wasserspeicherung helfen.

Bei Hitze klettern Koalas ausnahmsweise von ihren Eukalyptusbäumen.
Bei Hitze klettern Koalas ausnahmsweise von ihren Eukalyptusbäumen.
Foto: AFP

Bäume umarmen

Aber längst nicht alle Tiere sind derart perfekt an die Hitze angepasst wie Kamele. Dem Afrikanischen Borstenhörnchen zum Beispiel muss sein großer buschiger Schwanz als Sonnenschirm reichen. 

Wenn es Koalabären zu heiß wird, klettern sie sogar von ihren geliebten Eukalyptusbäumen herunter, haben australische Forscher festgestellt. Natalie Briscoe und ihr Team von der Universität von Melbourne beobachteten, dass die Tiere ab 30 Grad Celsius ihre Eukalyptusbäume verließen und stattdessen auf Akazien kletterten, um deren Stämme regelrecht zu umklammern und sich an sie zu kuscheln. „Die Baumstämme der Akazien waren bis zu 8,99 Grad Celsius kühler als die Umgebungsluft“, resümiert Briscoe. „Die Temperatur der Eukalyptusstämme lag hingegen nur etwa 1,5 bis 1,9 Grad unter der Lufttemperatur.“


HANDOUT - 21.11.2019, Australien, ---: Bear (dt. Bär), ein Koala-Spürhund, läuft mit einer Funkantenne, die an seinem Körper befestigt ist. (zu dpa: "Ein Riecher für Koalas: Spürhunde helfen in Australiens Brandgebieten") Foto: --/IFAW/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Spürhunde in Australien: Ein Riecher für Koalas
Nach den schweren Buschbränden helfen Spürhunde in Australiens Brandgebieten.

Noch praktischer ist es natürlich, wenn man einen Ventilator besitzt. Honigbienen haben gleich eine ganze Reihe davon. Wenn es ihnen zu warm wird, versammeln sich einige Arbeiterinnen am Ausflugloch und sorgen mit Flügelschlägen für einen Luftaustausch im Stock.

Ausgeklügeltes Klimasystem

Rote Waldameisen hingegen lüften gerne einmal richtig durch. Wird es in ihrem Nest zu warm, öffnen sie einfach einige Gänge auf der Schattenseite des Nestes und lassen so frische Luft herein.


Ameisen lüften gerne mal den ganzen Bau.
Ameisen lüften gerne mal den ganzen Bau.
Foto:Shutterstock

 

Über die ausgeklügeltsten Klimaanlagen im Tierreich verfügen aber wohl die Termiten. Australische Kompasstermiten richten ihre meterhohen Bauten exakt in Nord-Süd-Richtung aus, so dass nur die schmale Seite von der Sonne beschienen wird. Im Inneren der Termitenhügel züchten sie einen feuchtigkeitsliebenden Pilz, von dem sie sich ernähren und der dementsprechend gut umsorgt werden will. 

Die Temperatur und Luftfeuchtigkeit regulieren die kleinen Insekten mit Hilfe eines ausgeklügelten Systems von Luftschächten und Isolationsschichten, die sich durch den gesamten Bau erstrecken. Sozusagen im Keller ihres architektonischen Meisterwerks graben die nur wenige Millimeter kleinen Tiere Stollen in bis zu 20 Meter Tiefe herab, um so an das erfrischende Grundwasser zu gelangen. So können die kleinen Insekten einen kühlen Kopf bewahren, egal wie heiß es draußen gerade mal wieder ist. 

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