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Kunstwerke im Untergrund
Panorama 3 Min. 01.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Kunstwerke im Untergrund

Regenbogen statt Blau und Weiß: Design in der U-Bahn-Station Candidplatz in München.

Kunstwerke im Untergrund

Regenbogen statt Blau und Weiß: Design in der U-Bahn-Station Candidplatz in München.
Foto: srt/MVG
Panorama 3 Min. 01.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Kunstwerke im Untergrund

Nicht alle U-Bahnhöfe sind schmutzig, düster und nüchtern. Einige sind wahre Kunstgalerien - unter und über Tage.

(srt) - Die längsten U-Bahnnetze der Welt breiten sich in Chinas Mega-Metropolen aus. Peking hat mit 552 Gleiskilometern das längste unterirdische Netz der Welt, dicht gefolgt von Shanghai (1993 eröffnet) mit 538 Kilometern Streckenlänge. Auf Platz drei liegt die älteste „Tube“ der Welt, die am 10. Januar 1863 in London eröffnet wurde. Hier einige bemerkenswerte U-Bahnhöfe, die weit mehr bieten, als nur Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen:

Stockholm: Blau ist Trumpf

Die „Tunnelbanan“ in Stockholm gilt als die längste Kunstgalerie der Welt. Hunderte Künstler unterschiedlichster Stilrichtungen haben 90 der 100 U-Bahnhöfe mit Skulpturen, Lichtinstallationen, Gemälden, Mosaiken, Gravuren, Reliefs, Grotten, grünen Gärten, Seerosenteichen und Höhlen derart verschönert, dass man gar nicht mehr nach oben will. Viele Wände der in den Fels gesprengten Stationen wurden im Naturzustand belassen und bunt bemalt. Besonders zu empfehlen ist die blaue Linie.

Moskau: Zarenpaläste im Untergrund

Viele halten die 1935 eröffnete Metro in Moskau für die schönste der Welt. Einige der über 200 Stationen präsentieren sich den Fahrgästen als architektonische Kunstwerke, mit Marmor und Granit, Mosaiken und Skulpturen. Adelspaläste wurden unter Stalin von den Bolschewiken geplündert, um die „Moskowskij Metropoliten“ auszustatten. So kommt die unterirdische Station Komsomolskaya wie ein Barockschloss daher, mit Mosaiken und Lüstern an den Decken. Täglich werden in der russischen Hauptstadt neun Millionen Menschen unterirdisch transportiert.

Wien: Perlen des Jugendstils

Dass es im Untergrund von Wien recht ungewöhnlich zugeht, weiß man spätestens seit dem berühmten Film „Der dritte Mann“. Allerdings sind es eher die Eingänge als die Stationen selbst, die der U-Bahn in der Donaumetropole das Prädikat „Sehenswürdigkeit“ verleihen. Sie sind Überbleibsel der in den Jahren 1893 bis 1901 vom großen Jugendstil-Architekten Otto Wagner gebauten Stadtbahn, die in das heutige U- und S-Bahnnetz integriert ist. Zu den auffälligsten Stationen zählen Kettenbrückengasse, Karlsplatz, Schönbrunn, Gumpendorfer Straße, Währinger Straße und Ottakring.

Echte Designklassiker: Nicht nur im Inneren, sondern auch außen lassen die Wiener U-Bahn-Stationen den Jugendstil wieder aufleben. Hier zu sehen: das Gebäude am Karlsplatz.
Echte Designklassiker: Nicht nur im Inneren, sondern auch außen lassen die Wiener U-Bahn-Stationen den Jugendstil wieder aufleben. Hier zu sehen: das Gebäude am Karlsplatz.
Foto: Austria Info/srt

Neapel: Benvenuti bei Dante

Augen auf heißt es für die Passagiere der „Metropolitana di Napoli“. Einige Stationen sind als „Metro-Museen“ konzipiert worden. In den Tunneln unter der Stadt sind zeitgenössische Werke von 26 italienischen Künstlern ausgestellt. Besonders kunstvoll geraten sind die Bahnhöfe Dante, Museo, Materdei, Salvator Rosa, Quattrogiornate und Rione Alto der Linie 1. Sie bildet eine kilometerlange, frei zugängliche Galerie zeitgenössischer Kunst.

Lissabon: Bäume aus Stahl und Glas

Auch U-Bahnfahrer in Lissabon begeben sich auf eine Reise durch die moderne Kunst. Beinahe die gesamte Kunstelite des Landes, aber auch internationale Stars wie Friedensreich Hundertwasser, haben mit Skulpturen, Wandgemälden und – typisch für Portugal – Kunstwerken aus Kacheln den Untergrund der Metro Lisboa in eine Sehenswürdigkeit verwandelt. „Bäume“ aus Stahl und Glas zieren beispielsweise die Bahnhofsstation Oriente im Stadtviertel Parque das Nações. Den imposanten Bau entwarf Star-Architekt Santiago Calatrava.

Kaohsiung: Farbenrausch im Untergrund

Seit 2008 gibt es in der südtaiwanesischen Millionenstadt ein U-Bahn-System mit zwei Linien. Fünf der 37 Stationen wurden von internationalen Künstlern gestaltet und sind eine Attraktion für sich. Der spektakulärste U-Bahnhof ist die farbenfrohe Formosa Boulevard Station. Sie ist eine Umsteigestation, an der sich die orange und die rote Linie kreuzen.

Kachelgemälde in der Metro von 
Lissabon.
Kachelgemälde in der Metro von 
Lissabon.
Foto: Antonio Sacchetti/srt

München: Lichtdesigner in Bestform

Die U-Bahn von München reiht sich mit ihren Design-Stationen in die Riege der sehenswerten U-Bahnen ein, beispielsweise der Bahnhof Georg-Brauchle-Ring: Die farbenfrohe Wandgestaltung macht das Warten auf den Zug zum Erlebnis. Mit Spektrallicht wird dagegen am Halt Candidplatz raffiniert gespielt. Und im U-Bahnhof Hasenbergl wird ein weißes linsenförmiges Deckensegel von Lichtelementen in Szene gesetzt. Reduziertes Design, klare Farben und knallige Lichteffekte machen die U-Bahnstation Westfriedhof zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk. Futuristisch geht es in der Station Münchner Freiheit zu: Lichtdesigner Ingo Maurer jonglierte virtuos mit Spiegeln und der Farbe Blau.

Schanghai: Fahrt mit Spezialeffekten

Das Metrosystem von Schanghai ist eines der größten der Welt. Derzeit umfasst das Netz 14 U-Bahn-Linien, 347 Stationen und rund 540 Kilometer Schienen. Die Metro Schanghai gehört auch zu den technisch fortgeschrittensten ihrer Art. Mit ihren Special Effects macht sie jede U-Bahn-Fahrt zu einem Erlebnis. Wenn die Waggons durch Lichtröhren und -spiralen von Stopp zu Stopp sausen, fühlt sich mancher wie in einem Fahrgeschäft im Vergnügungspark.


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