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Kulturkampf in der Arena
Panorama 2 Min. 08.08.2019

Kulturkampf in der Arena

Die Zahl der Stierkampfevents hat sich in Spanien in den letzten zehn Jahren halbiert.

Kulturkampf in der Arena

Die Zahl der Stierkampfevents hat sich in Spanien in den letzten zehn Jahren halbiert.
Foto: Shutterstock
Panorama 2 Min. 08.08.2019

Kulturkampf in der Arena

Zum ersten Mal seit zwei Jahren soll auf Mallorca wieder ein Stierkampf stattfinden. Das gefällt nicht allen.

von Martin Dahms (Madrid) 

„Warten Sie nicht zu lange, bis es zu spät ist“, werben die Veranstalter des Stierkampfes, der Freitagnachmittag (9. August) in der Arena von Palma stattfinden soll. „Zu spät“ soll heißen: bis die „tauromaquia“, die Stierkampfkunst, in Spanien eines Tages doch verboten wird. Noch ist sie erlaubt, auch wenn einige Politiker den Aficionados das Leben gerne schwer machen würden. Vor zwei Jahren hatte die links gerichtete Balearenregierung ein Gesetz durchs Regionalparlament gebracht, das die Corridas prinzipiell erlaubte – aber nicht die Verletzung des Tiers, geschweige denn den finalen Todesstoß.

Für die Anhänger wäre ein solcher Stierkampf so absurd wie Fußball ohne Ballberührung. Das spanische Verfassungsgericht erklärte die Einschränkungen Ende letzten Jahres für nichtig, weil sie in Kompetenzen des nationalen Gesetzgebers eingreife. Also sollen am späten Freitagabend auf der Plaza de Toros in Palma wieder Stiere herausgefordert, malträtiert und erstochen werden: insgesamt acht, während bei einer gewöhnlichen Corrida sechs Stiere auflaufen. Aber diese ist eben keine gewöhnliche Corrida.

„Poesie in Bewegung“

„Corrida“ bedeutet Lauf, und das ist ein passenderes Wort als „Stierkampf“. Der Torero kämpft nicht mit dem Stier, er vollzieht dessen rituelle Tötung. Zehn Minuten dauert dieses Ritual, das der mexikanische Schriftsteller Octavio Paz „Poesie in Bewegung“ nannte. Spanische Tierschützer nennen es „Folter“ – eine Sichtweise, dich sich langsam durchsetzt. Nach einer Umfrage der Netzzeitung „El Español“ sind 56,4 Prozent der Spanier Gegner der „tauromaquia“ und nur 24,7 Prozent ausgesprochene Befürworter.


Spanish matador Miguel Angel Perera makes a muleta pass on a Domingo Hernandez's fighting bull on June 01, 2009 in the French southern town of Nimes, during the Nimes Feria Bullfighting Festival<br /> AFP PHOTO / PASCAL GUYOT
Balearen wollen Corrida verbieten: Ein Herz für Stiere
Kaum ein Thema spaltet in Spanien derart die Gemüter wie der Stierkampf. Für die einen ist die blutige Tradition Kunst, für die anderen Barbarei. Jetzt wollen die Balearen die Tradition verbieten. Die Stierkampf-Lobby ist empört.

Der Stierkampf ist in seinem Heimatland offenbar auf dem Rückzug. Laut „Jahrbuch der Kulturstatistiken“, herausgegeben vom spanischen Kulturministerium, ist die Zahl der Stierkampfspektakel, die mit dem Tod des Tieres enden, von 2007 bis 2017 um mehr als die Hälfte auf 1 553 gesunken. 387 davon waren „Corridas de Toros“ mit ausgewachsenen Stieren, so wie jene in Palma.

Bemerkenswert ist allerdings eine andere Zahl aus der „Befragung über kulturelle Gewohnheiten“, die das Kulturministerium alle vier Jahre unter 16 000 Spaniern durchführen lässt: In der letzten Umfrage 2014-2015 sagten 9,5 Prozent der Befragten, dass sie im Vorjahr mindestens einem Stierspektakel beigewohnt hätten. Zwölf Jahre zuvor waren es etwas weniger, nämlich 8,6 Prozent.

Es scheint also einen harten – in allen Altersgruppen etwa gleich großen, mehr männlichen als weiblichen – Kern von Anhängern zu geben, der sich von den Tierschützern nicht abschrecken lässt. Da die Zahl der angebotenen Corridas aber sinkt, gehen die Anhänger offenbar seltener in die Arena als früher – aber sie gehen noch.

Menschliches Bedürfnis

Die Stierkampfanhänger sind nicht gerade beliebt. Der Mallorquiner Anwalt Manuel Molina setzt in einem Artikel über die Menschen, die sich am Stierkampf erfreuen, ein Fragezeichen hinter das Wort „humanos“. Solchen Frontalangriffen stellt sich seit einigen Jahren die „Stiftung Kampfstier“ mit Sitz in Madrid entgegen. „Der Stier leidet“, sagt deren Sprecher Chapu Apaolaza ohne Umschweife. Aber dafür erlebe der Zuschauer in der Arena die Inszenierung „des Bedürfnisses des Menschen, sich dem Tod zu nähern, um sich lebendig zu fühlen“.

Das wäre die „Poesie“, von der Octavio Paz spricht. Und dafür lässt man Tiere leiden? Ja, sagt Apaolaza. „Haben die Tiere die selben Rechte wie Menschen?“, fragt er rhetorisch. Um die Antwort auf diese Frage werde gerade ein Kampf geführt. „Wenn ihr Hühnchen esst, wisst ihr schon, auf welcher Seite ihr in diesem Kampf steht.“ 


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