Krebsbehandlung: Krebs mit Viren behandeln
Einweihung einer neuen binationalen Forschungseinheit - Krebs mit Viren behandeln.

Krebsbehandlung: Krebs mit Viren behandeln

Foto: Chris Karaba
Einweihung einer neuen binationalen Forschungseinheit - Krebs mit Viren behandeln.
Panorama 2 Min.04.05.2017

Krebsbehandlung: Krebs mit Viren behandeln

Die Einheit „Laboratory of Oncolytic Virus Immuno-Therapeutics“ – kurz LOVIT – wird neue Strategien im Kampf gegen den Krebs im Bereich der onkolytischen Virotherapie entwickeln. Bei diesen Therapien soll die Behandlung mit Viren die Krebszellen gezielt zerstören.

Das Luxembourg Institute of Health (LIH) und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben am Mittwoch ihre neue binationale Forschungseinheit eingeweiht. Die Einheit „Laboratory of Oncolytic Virus Immuno-Therapeutics“ – kurz LOVIT – wird neue Strategien im Kampf gegen den Krebs im Bereich der onkolytischen Virotherapie entwickeln. Bei diesen Therapien soll die Behandlung mit Viren die Krebszellen gezielt zerstören. Die Forschungseinheit wird vom Virotherapie-Experten Dr. Antonio Marchini geleitet.

Onkolytische Virotherapie ist eine Krebsbehandlung, die auf Viren basiert, welche bevorzugt Krebszellen infizieren. Die Viren können sich in den Zellen vermehren und diese später durch Lyse töten, das heißt zum Platzen bringen. Onkolytische Viren sind vielversprechende Antikrebsmittel, weil sie selektiv Krebszellen zerstören und eine robuste Immunantwort auslösen, die dem Körper hilft den Krebs zu bekämpfen. Eine Reihe von onkolytischen Viren wird gerade in klinischen Studien zur Behandlung verschiedener Tumore getestet.

Das Parvovirus H1-PV, das normalerweise Ratten infiziert und keine Erkrankung beim Menschen auslöst, gehört dazu. Es ist eines der kleinsten Viren, die es gibt, und kann als ein „intelligentes Nanoteilchen“ mit einer natürlichen Ausrichtung auf menschliche Krebszellen gesehen werden. „Wie ein Parasit vermehrt sich dieses Virus in den Krebszellen und nutzt die Zellfunktionen aus. Hat es sich genügend vermehrt, löst es – gleich einer intelligenten tickenden Zeitbombe – die Zerstörung der Krebszelle aus. Zahlreiche Viruspartikel werden dann in die nahe Umgebung freigesetzt, befallen weitere Krebszellen, vermehren und verteilen sich schließlich im gesamten Tumor. Gesunde Zellen werden bei dem Prozess nicht geschädigt“, erklärt Marchini.

Am DKFZ schufen er und seine Mitarbeiter eine erste Generation von gentechnisch konstruierten Viren, die mit einer verbesserten Antikrebsaktivität ausgestattet sind. Dazu fügten sie die DNA, die genetische Information, des Parvovirus H1-PV in ein anderes Virus ein, das üblicherweise in Impfstoffen verwendet wird, das Adenovirus, um eine sogenannte Chimäre zu erzeugen. Es handelt sich um eine „Strategie des Trojanischen Pferdes“, bei der das Adenovirus (das Trojanische Pferd) als Shuttle benutzt wird, um die Parvovirus-DNA in Krebszellen zu bringen. Parvoviruspartikel (die Soldaten in diesem Vergleich) werden dann produziert und freigelassen, bereit, andere Krebszellen zu infizieren und zu zerstören.

Bei LOVIT werden die chimären Viren noch weiterentwickelt. Diese ermöglichen nämlich auch die Einschleusung zusätzlicher therapeutischer Gene, die dazu beitragen könnten, die Immunantwort des Körpers effizienter zu machen. Man hofft, dass erste klinische Studien mit Patienten in fünf Jahren starten können. „Virotherapie kann auch mit anderen Behandlungen kombiniert werden, um synergistische Antikrebs-Effekte zu erzeugen“, erklärt Marchini.

LOVIT ist in das „Department of Oncology“ am LIH integriert und wird eng mit anderen Forschungseinheiten zusammenarbeiten, insbesondere mit dem auf Hirntumore spezialisierten „NorLux Neuro-Oncology Laboratory“. „Am Anfang wird unsere Forschung auf Hirntumore und Bauchspeicheldrüsenkrebsausgerichtet sein, denn diese gehören zu den tödlichsten Krebsarten. Später wollen wir unsere Forschungsarbeit auf Lungenkrebs ausdehnen“, erklärt Marchini.  C./mk


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