Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Krebs und Sexualität: Liebe in schweren Zeiten
Panorama 2 Min. 29.11.2014

Krebs und Sexualität: Liebe in schweren Zeiten

Eine Krebserkrankung und ihre seelischen wie physischen Folgen sind eine schwere Belastung für das Sexualleben.

Krebs und Sexualität: Liebe in schweren Zeiten

Eine Krebserkrankung und ihre seelischen wie physischen Folgen sind eine schwere Belastung für das Sexualleben.
Foto: Shutterstock
Panorama 2 Min. 29.11.2014

Krebs und Sexualität: Liebe in schweren Zeiten

Viele Krebspatienten haben Probleme mit ihrem Liebesleben. Sie bringen das Thema aus falscher Scham oder aus Schuldgefühlen aber weder beim Partner noch bei ihrem Arzt zur Sprache.

VON JULIE HENKEL

Gibt man bei Google die beiden Begriffe Krebs und Sexualität ein, spuckt die Suchmaschine etwa eine halbe Million Treffer aus. Hinzu kommt, dass etwa drei Viertel der Krebspatienten, die Probleme mit ihrem Liebesleben haben, das Thema weder beim Partner noch bei ihrem Arzt zur Sprache bringen. Aus falscher Scham oder aus Schuldgefühlen.

Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, dass sich das kommende Atelier im CHL dem Thema „Krebs und Sexualität“ widmet. Die klinische Sexualtherapeutin Sarah Godfroid leitet gemeinsam mit der Dipl. Psychologin Vanessa Grandjean das Seminar, das den Patienten helfen soll, besser mit dem tabubehafteten Thema Sex umzugehen.

Die Diagnose einer Krebserkrankung stellt für die meisten betroffenen Patienten einen Einschnitt, einen Wendepunkt in ihrem Leben dar. Dies betrifft nahezu alle Aspekte des Lebens – und damit natürlich auch die Sexualität. Die Ursachen, die das Liebesleben beeinflussen können, sind sehr vielfältig: die unmittelbare physische Auswirkung der Erkrankung, die Folgen der Behandlungen wie chirurgische Eingriffe, Bestrahlung, Chemo- oder Hormontherapie sowie die Einnahme von Medikamenten.

Verändertes Selbstbild provoziert Angst und Frust

Aber auch die mit der Krankheit einhergehende psychische Belastung stellt einen erheblichen Faktor dar, manchmal sind die Therapien auch mit einschneidenden körperlichen Veränderungen wie beispielsweise Amputationen oder Haarverlust verbunden. Die Patienten haben deshalb häufig mit einem veränderten Selbstbild zu kämpfen und somit Probleme, sich selbst wertzuschätzen. Angst, Depression, Frust, Stress und eine Verschiebung der Prioritäten im täglichen Leben dämpfen das sexuelle Verlangen. Neben einer Abnahme der Libido können auch Erektions- und Ejakulationsschwierigkeiten beim Mann und Scheidentrockenheit bei der Frau die Sexualität negativ beeinflussen.

Vielen Menschen fällt es in dieser Situation schwer, über Intimität und körperliche Liebe zu sprechen oder die richtigen Worte dafür zu finden. Für viele Paare kann diese Sprachlosigkeit zur Belastung werden. Patienten, die bisher alleine gelebt haben, verlieren nicht selten die Zuversicht, eine neue Beziehung eingehen zu können.

Professionelle Hilfe suchen

All diese Argumente sprechen für eine psychologische Betreuung und Beratung, denn im Gespräch können viele Vorurteile und Ängste von Patienten und deren Partner ausgeräumt werden. „Oft hören wir folgende Fragen: Ist die Krebserkrankung ansteckend? Verschlimmert sie sich bei sexueller Aktivität? Hat die Chemotherapie auch eine Auswirkung auf meinen Partner, wenn ich mit ihm schlafe?“, berichtet Sarah Godfroid, „die Antwort in all diesen Fällen lautet: Nein.“

Doch im therapeutischen Gespräch können auch weitere Lösungsansätze wie eine medikamentöse Hilfe oder die Möglichkeit der ästhetischen Rekonstruktion zum Beispiel bei einer Brustamputation geklärt werden.

Die Paare selbst können natürlich auch eine Menge tun, damit ihr Liebesleben auch bei einer Krebserkrankung erhalten bleibt, ist sich die Therapeutin sicher: „Miteinander reden, versuchen weiterhin für den Partner attraktiv zu bleiben, eine romantische Atmosphäre kreieren und lernen zu akzeptieren, dass das Sexualleben auch mit Veränderungen schön bleiben kann.“

Die nächste Ausgabe des „Atelier Psycho-Oncologie“ mit Sarah Godfroid und Vanessa Grandjean behandelt das Thema „Krebs und Sexualität“ am 2. Dezember um 14 Uhr, CHL Saal R2, Luxemburg-Stadt.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Integratives Konzept im Kriibszentrum des CHL
Um eine koordinierte und personalisierte Betreuung der Krebspatienten anzubieten, hat das Centre hospitalier de Luxembourg das Kriibszentrum geschaffen. Darüber hinaus beteiligt sich das CHL sehr aktiv an der Krebsforschung.
Mehr als nur müde: Krebs und „Fatigue“
Schlaf Dich einfach mal so richtig aus! So lautet der Standardratschlag an Menschen, die aus dem Gähnen einfach nicht mehr herauskommen wollen. Doch was, wenn sogar ein tiefer Schlaf von zehn Stunden nicht mehr zu einem Erholungswert führt?
Eine Mehrzahl der Krebspatienten leidet an Schlafstörungen.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.