Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kopfball: Der Knall im Gehirn
Bei Kopfbällen wirken hohe Kräfte auf den Schädel.

Kopfball: Der Knall im Gehirn

Foto: Shutterstock
Bei Kopfbällen wirken hohe Kräfte auf den Schädel.
Panorama 2 Min. 14.06.2018

Kopfball: Der Knall im Gehirn

Wenn Fußballer den Ball ins Tor köpfen, ist der Jubel groß. Solche Aktionen können aber schlimme Folgen für das Gehirn haben.

(dpa) - Sportmediziner aus Deutschland, der Schweiz und den USA gehen in einer Studie der Frage nach, ob Kopfbälle das Gehirn schädigen können und untersuchen derzeit bei 50 Profi-Sportlern, wie oft und wie sie köpfen. „Insbesondere von Kopfbällen, die nicht zu Gehirnerschütterungen führen, wissen wir noch nicht sicher, ob sie auch langfristig das Gehirn schädigen“, erklärte der Paderborner Neurologe Claus Reinsberger.

Die Studie soll bis zum Jahr 2020 abgeschlossen sein. Vor allem Fußballer der U21 vom Hamburger SV sind beteiligt, Schweizer Spieler sollen hinzukommen. Die Wissenschaftler wollen die Fußballer mit dem Kernspintomografen untersuchen und dann alle Kopfbälle bei Trainingseinheiten und Spielen beobachten. Schließlich sollen die Spieler erneut klinisch untersucht werden. In einer Vorstudie werteten die Sportmediziner bereits Videos aus der Bayern-Liga mit 11 500 Kopfbällen aus.

Riskante Gehirnerschütterungen

Reinsberger und Kollegen unterscheiden zwischen Treffern, die eine leichte Gehirnerschütterung hervorrufen, und solchen, die diese Symptome nicht zur Folge haben. Dass Gehirnerschütterungen – verursacht meist durch Zusammenstöße von Köpfen bei Duellen oder unbeabsichtigte Kopftreffer – schwere Folgen haben können, ist für die Forscher offensichtlich. Wenn sie nicht therapiert werden, könne es zu Schäden für Gedächtnis, Augen, Reaktionsgeschwindigkeit und Balance kommen.

Im schlimmsten Fall sei bei einem erneuten Kopftreffer sogar eine Behinderung oder der Tod möglich, hieß es. Darum sei es wichtig, Fußballer nach einem solchen Vorfall aus dem Spiel zu nehmen. Ob häufige Kopfbälle, bei denen Fußballer anschließend keine Symptome zeigen, auch gefährlich sind, ist für Reinsberger dagegen eine offene Frage. Frühere Studien gäben Anhaltspunkte dafür, wonach die Kommunikation zwischen bestimmten Gehirnteilen gestört werde. „Klar ist schon, dass es Veränderungen und Anpassungserscheinungen des Gehirns dabei gibt“, sagte der Neurologe. Ob das positiv zu bewerten sei, wie etwa der schnellere Herzschlag bei einem Jogger, sei noch offen.

Anzählen wie im Boxring

Der US-Fußballverband hat bereits ein Kopfballverbot im Juniorenfußball verhängt. Reinsberger sieht allerdings noch keinen wissenschaftlich begründeten Handlungsbedarf. Bei der aktuellen WM in Russland hätte Reinsberger eigentlich nichts gegen ein gutes Kopfballspiel. „Mit einem Kopfball, der auch ins Tor geht, hätte ich auch als Neurologe kein Problem“, sagte er.

Der Sportmediziner hofft allerdings, dass sich ein Fall wie der von Alvaro Pereira bei der WM vor vier Jahren nicht wiederholt. Im Spiel gegen England bekam der Uruguayer damals ein Knie gegen den Kopf. Trotz einer Gehirnerschütterung spielte er auf eigenen Wunsch weiter. Daraufhin führte die Fifa die Drei-Minuten-Regel ein. Das heißt, das Spiel muss jetzt nach einem solchen Zwischenfall unterbrochen werden, um einem Sportarzt die Gelegenheit zu geben, eine Gehirnerschütterung auszuschließen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

WM-Hits damals und heute
„Fußball ist unser Leben“ schmetterte die deutsche Nationalelf vor 1974. Die Zeiten, in denen Spieler selbst zum Mikro griffen, sind vorbei. Doch auch dieses Jahr gibt es Anwärter auf den WM-Hit.
ARCHIV - 27.8.1973, Hessen, Walldorf: Bernd Franke (hintere Reihe l-r), Gerd Müller, Uli Hoeneß und Jupp Heynckes (vordere Reihe l-r), Jupp Kapellmann und Franz Beckenbauer, Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, nehmen in einem Tonstudio eine Schallplatte auf. Die Fußballer sangen insgesamt neun Lieder, darunter das Lied "Fußball ist unser Leben", das sie bei der  Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land begleitete. Der Ohrwurm wurde zum Hit und die Mannschaft Weltmeister. (zu dpa Der Soundtrack zur WM: Fußball-Hits damals und heute vom 06.06.2018) Foto: DB/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Tod und Spiele
In den Stadien sind Torschreie zu vernehmen, in den Gefängnissen und Folterkammern schreien Regimegegner vor Schmerzen. Bei der Fußball-WM 1978 in Argentinien stehen die Menschenrechte im Abseits.
Argentina won 3-1 aet, Mario Kempes scoring twice. Pictured: Osvaldo Ardiles aka Ossie Ardiles makes a pass as Mario Kempes looks on. (Photo by MSI/Mirrorpix/Mirrorpix via Getty Images)
WM 2026 kommt nach Amerika
Erstmals findet eine Fußball-WM in drei Ländern gleichzeitig statt. Die USA, Kanada und Mexiko erhalten den Zuschlag für das XXL-Turnier 2026. Im FIFA-Kongress setzte sich das Trio gegen den Konkurrenten Marokko durch.
FIFA president Gianni Infantino (R) poses with the United 2026 bid (Canada-Mexico-US) officials Carlos Cordeiro (3rd R), president of the United States Football Association, president of the Mexican Football Association Decio de Maria Serrano (2nd L), Steve Reed (2nd R), president of the Canadian Soccer Association, following the announcement of the 2026 World Cup host during the 68th FIFA Congress at the Expocentre in Moscow on June 13, 2018. / AFP PHOTO / Mladen ANTONOV