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Kompromisslos unterwegs
Martin Hutchinson macht auf seiner Weltreise Station in Luxemburg. Unterschlupf findet er bei seinen Feuerwehrkollegen.

Kompromisslos unterwegs

Foto: Chris Karaba
Martin Hutchinson macht auf seiner Weltreise Station in Luxemburg. Unterschlupf findet er bei seinen Feuerwehrkollegen.
Panorama 4 Min. 22.09.2018

Kompromisslos unterwegs

Der Brite Martin Hutchinson ist mit seinem Hund Starsky als „Starsky and Hutch“ weltweit mit dem Fahrrad unterwegs. Sein Ziel: der Umweltschutz. Auch im Großherzogtum legt er einen Stopp ein.

von Birgit Pfaus-Ravida

Nein, ein weltoffener Sympathieträger ist Martin Hutchinson nicht. Zumindest nicht auf den ersten Blick. „Wie kann es sein, dass das alles so lang dauert? Bis eine Zeitung endlich etwas schreibt? Bis eine Schule sagt, dass man mir erlaubt, den Kindern etwas über Recycling und Umweltschutz zu erzählen? Ich hab nicht ewig Zeit! Ich bin auf der ganzen Welt unterwegs!“ Der 57-jährige Martin Hutchinson schimpft. Drahtig, braun gebrannt, mit kurzem, gepflegtem grauen Haar steht er neben seinem originellen Gefährt – ein Liegerad mit Regenschutz, viele Fahnen, Aufkleber, Schriftzüge rund um den Umweltschutz. „Re-Cycling to Freedom“ steht auf einer Fahne, „Starsky & Hutch – 21th Century Environment Explorers on a world Tour 2006 to 2030“ ist der Schriftzug auf einer gelben Warnweste, die am Anhänger des Liegerads hängt.

Da taucht plötzlich Starsky auf. „Der wahre Star von uns beiden!“, sagt Martin „Hutch“ Hutchinson und lächelt von einer Sekunde auf die andere. Der schwarze Mischlingshund hat brav neben dem Fahrrad gewartet, jetzt will er Streicheleinheiten. „Starsky öffnet die Herzen der Menschen. Wenn ich mal nicht diplomatisch bin – er ist es“, sagt Hutchinson lachend. Und auf einmal hat der gebürtige Waliser doch Zeit. Setzt sich auf die Mauer neben seinem Fahrrad und erzählt. Worum es eigentlich geht bei der Tour der beiden, die im Grunde wenig mit den Film-Cops Starsky und Hutch gemeinsam haben.


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Hutchinson ist seit Jahren in der Welt unterwegs. Der frühere Feuerwehrmann lebt von seinen Ersparnissen. Seine Mission: den Menschen zeigen, dass es geht. Dass es möglich ist, entbehrungsreich auf der Straße unterwegs zu sein, bescheiden zu leben, dabei etwas zu bewegen. 34 000 Kilometer hat Martin Hutchinson durch 21 Länder Lateinamerikas zu Fuß schon zurückgelegt, nun ist er, mit Hund und Fahrrad, unterwegs in anderen Teilen der Welt, will von England bis Australien fahren. 2030 will er in Down Under ankommen. Dann wird er um die 70 Jahre alt sein.

Hutchinson spricht schnell. „Ich wollte einfach weiter und schneller unterwegs sein in der Welt, obwohl ich auch zu Fuß bis zu 80 Kilometer am Tag geschafft hatte“, erklärt „Hutch“ den Umstieg von Schusters Rappen auf den Drahtesel. Den damals verlassenen Hund Starsky hatte er in Portugal kennengelernt und sich gleich in ihn verliebt. Seither sitzt Starsky im Anhänger oder läuft nebenher, wenn das Liegerad sich durch Städte, Dörfer, über Felder und durch Wälder bewegt. Manchmal schnappt sich Starsky eine leere Plastikflasche am Straßenrand oder anderen Müll und legt ihn vor einen Hauseingang oder neben einen Mülleimer. Sein Herrchen hat es ihm beigebracht – und ihn zum Helfer im Kampf gegen Müll und Umweltverschmutzung gemacht.

Morddrohungen in Argentinien

In über 660 Schulen waren die beiden schon, Hutchinson erzählt dort davon, wie wichtig Recycling ist. „Und ich sage den Kindern: Schaut hin! Schaut auf die schönen kleinen Dinge, wie zart zum Beispiel dieses Blatt ist.“ Die kleineren Kinder seien einfach „großartig“, offen, stellten viele interessierte Fragen und verstünden ihn trotz Sprachbarriere sehr gut. „Aber bei den Älteren wird es schwer. Sie wollen Bequemlichkeit, Handys, trinken Red Bull, wissen gar nicht, wie schlecht und gefährlich das alles für sie ist.“

Starsky, der Hund, und Hutch, der umweltbewusste Radler.
Starsky, der Hund, und Hutch, der umweltbewusste Radler.
Foto: Chris Karaba

Ja, er polarisiere gern, sagt Hutchinson. „Was glauben Sie, wie viele Morddrohungen ich auf meiner Tour schon bekommen habe“, sagt er. „Etwa in Argentinien. Ich drehe ja immer Videos auf meinen Touren – über 7 000 kann man bei YouTube inzwischen sehen. So auch in Argentinien. Ich habe die Massen an Plastikmüll am Strand gefilmt, habe natürlich auch gesagt, wie ich das finde. Als ich am nächsten Tag aufbrechen und Schulen besuchen wollte, sagte man mir: Bleib hier, lass dich draußen nicht blicken. Die wollen dich umbringen, weil du unser Land verunglimpfst.“ Also blieb er in der Feuerwache – Hutchinson kommt als ehemaliger Feuerwehrmann häufig in Feuerwachen unter, so auch in Luxemburg.

„Ich weiß, dass nicht alle gut finden, was ich tue. Aber es ist meine Mission“, bekräftigt er. Wurzeln? Habe er kaum. Seine Familie sei in der ganzen Welt verstreut, in den USA, Kanada, Australien. Er selbst hat keine Kinder, ist nicht verheiratet, hat eine Freundin, die ihn ab und zu unterwegs irgendwo in der Welt trifft. Und da wird er auch schon wieder radikal, kompromisslos. „Schauen Sie mal, hier, nebenan, das Fußballstadion. Da passen 8 000 Leute rein, hat man mir gesagt. So viele Leute kommen auf unserem Planet pro Minute zur Welt. Zu viele! Wir werden alle sterben, wenn wir uns nicht zurückhalten. Jede Familie nur ein Kind, das wäre vernünftig!


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Natürlich wisse er, dass die Menschen anders empfinden. Aber zum Nachdenken anregen, das sei nun mal seine Mission. „Seid langsamer unterwegs, haltet mal inne! Verbringt Zeit mit Familie und Freunden! Ihr habt die Freiheit! Ihr habt die Freiheit, zu tun, was für euch richtig ist – nehmt mich zum Vorbild, aber tut es auf eure Weise!“

Und sogleich schwingt er sich wieder aufs Rad. Von der propagierten Entschleunigung ist Hutchinson selbst weit entfernt. Getrieben von seiner Mission, radelt er weiter. „Aber es geht um den Planeten! Der ist mein bester Freund, und die Menschen zerstören ihn. Da hab ich nicht viel Zeit! Die Uhr tickt!“, ruft er und biegt um die Ecke. Die nächsten Stationen: der Süden und Osten Europas. Und dann immer weiter.


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