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Klimawandel: Die Zeit drängt in Alaska
Panorama 14 2 Min. 08.05.2019

Klimawandel: Die Zeit drängt in Alaska

Klimawandel: Die Zeit drängt in Alaska

AFP
Panorama 14 2 Min. 08.05.2019

Klimawandel: Die Zeit drängt in Alaska

In den letzten 100 Jahren ist das Eis auf dem Fluss Tanana noch nie so früh gebrochen wie dieses Jahr. Doch dies ist bloß eines von vielen alarmierenden Zeichen des schnellen Klimawandels in Alaska.

(LB) - Seit über 100 Jahren schließen die Einwohner des Dorfes Nenana im US-Bundesstaat Alaska jährlich Wetten darüber ab, wann in dem Jahr die Eisdecke des Flusses Tanana erstmals brechen wird. Dieses Jahr wurden sämtliche Rekorde gebrochen: Das Eis brach bereits am 14. April, sechs Tage früher als je zuvor. Der vorherige Rekord lag beim 20. April - im Jahr 1940 und 1998.

Für den ungewöhlichen Wettstreit errichten die Veranstalter jedes Jahr eine hölzerne Struktur auf dem Fluss, die über ein Seil mit einer Uhr verbunden wird. Sobald das Eis schmilzt und die Eisplatte abbricht, bleibt die Uhr stehen.

Eine Frau aus Alaskas größter Stadt Anchorage tippte dieses Jahr nicht nur Datum sondern auch Uhrzeit auf die Minute genau. Wie die Organisatoren mitteilten gewann sie in der Lotterie 311.000 Dollar.


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Für die Frau war der Zeitpunkt der diesjährigen Eisschmelze ein Glücksfall, für Alaska ist er jedoch ein bedrohliches Anzeichen der Erderwärmung, die dort auch jetzt schon besonders drastische Auswirkungen hat.

In Alaska steigt die Temperatur nämlich ungefähr doppelt so schnell wie die durchschnittliche Welttemperatur. Das stark verfrühte Schmelzen des Eises auf dem Fluss Tanana ist bloß eine der Konsequenzen der rapid ansteigenden Temperatur in Alaska: Überschwemmungen und Waldbrände häufen sich immer mehr, der Permafrost im Boden und die Gletscher in den Gebrigshöhen schmelzen. Auch die Jagdbeute wird immer karger, es droht vermehrt Nahrungsmittelknappheit

Besonders die kleinen, einheimischen Dörfer, die abgeschottet in der Wildnis liegen, fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. Die Ureinwohner leben seit jeher im Einklang mit ihrer Umwelt, die Zerstörung der Natur bedeutet gleichzeitig auch die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage.

Aus einem Bericht der "Government Accountability Office" geht hervor, dass ein Großteil der 200 einheimischen Dörfern von Erosion und Überschwemmungen betroffen sind. 31 der Dörfer sind akut gefährdet. Mindestens 12 der 31 Dörfer haben laut Bericht außerdem bereits beschlossen, in ein sichereres Gebiet umsiedeln zu wollen.

Für Alaskas Ureinwohner drängt die Zeit also. Doch das Problem ist zu vielschichtig für einfache und schnelle Lösungen. Besonders die Umsiedlung ganzer Dörfer ist ein komplizierter und langwieriger Prozess. Zwar gibt es Programme, die gefährdeten Dörfern helfen sollen, diese sind jedoch limitiert.  

Die '"Federal Emergency Management Agency" zum Beispiel bietet einige Programme zur Katastrophenvorbeugung und Katastrophenhilfe an, viele Dörfer sind aber nicht dafür qualifiziert. Entweder übersteigen die Kosten nach Ansicht der Behörde den Nutzen oder die Siedlungen wurden nicht offiziell als gefährdet eingestuft.

In Wirklichkeit hat die Gefahr die Dörfer jedoch schon längst erreicht: Die Erderwärmung, unter der Alaska besonders zu leiden hat, erschüttert Gemeinschaften und droht, ihr Leben für immer aus den Fugen zu reißen.

Die Zukunft ist ungewiss - wie früh das Eis auf dem Fluss Tanana in den kommenden Jahren brechen wird, kann jetzt noch keiner vorhersagen.


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