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Kleines Haus ganz groß
Panorama 4 Min. 28.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Kleines Haus ganz groß

Kleines Heim für große Ansprüche: Dort, wo Platzmangel herrscht oder die Preise für Grundstücke ins 
Unermessliche steigen, sind „Tiny Houses“ besonders gefragt.

Kleines Haus ganz groß

Kleines Heim für große Ansprüche: Dort, wo Platzmangel herrscht oder die Preise für Grundstücke ins 
Unermessliche steigen, sind „Tiny Houses“ besonders gefragt.
Foto: Shutterstock
Panorama 4 Min. 28.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Kleines Haus ganz groß

Mit einer überschaubaren Größe von rund 20 Quadratmetern stellen die „Tiny Houses“ eine attraktive Wohnalternative für all jene dar, die auf Pomp verzichten möchten. Für die Förderung von Miniatur-Wohnprojekten engagiert sich auch eine Organisation in Luxemburg.

von Christine Lauer

Der Trend zum Minimalismus umfasst alle Lebensbereiche. Egal, ob es sich um Ernährung, Beruf oder gar das soziale Umfeld handelt – Menschen, die ihren Alltag nach dem Prinzip der Genügsamkeit gestalten, konzentrieren sich nur auf das Nötigste. Zu dem minimalistischen Lebensstil gehört auch das sogenannte „Downsizing“, das platzsparende Wohnen. Hinter der Idee eines verkleinerten Eigenheims steht meist der Wunsch nach einem schlichten Leben ohne übermäßigen Konsum und ohne blinden Überfluss. Doch auch ein einfaches Leben ist nicht immer einfach. Um auf kleinster Fläche komfortabel leben zu können, braucht es nämlich vor allem eines: Kreativität.

Das Zuhause im Schlepptau

In den „Tiny Houses“ wird das Konzept des „Downsizing“ zur Perfektion gebracht. „Tiny Houses“ sind Minihäuser, die meist auf einem Anhänger stehen und somit mobil sind. Sie umfassen meist eine Fläche zwischen zehn und 40 Quadratmetern, wobei die meisten rund 20 Quadratmeter messen. Das Aussehen der Kleinstheime variiert stark: Neben den „Tiny Houses“ in traditionell anmutender Blockhütten-Optik gibt es auch solche, die aufgrund ihrer modernen Architektur an urbane Designer-Bauten erinnern. So unterschiedlich wie ihr Äußeres ist auch ihr Preis. Je nach Größe, Bauweise und Einrichtung kosten die Miniaturhäuser zwischen 30 000 und 80 000 Euro – bei entsprechender Ausstattung mehr.

Die als Alternative zum Einfamilienhaus gedachten Bauten sind vollumfänglich ausgestattet. So verfügen sie über eine Küche, ein Bad, einen Wohnbereich sowie über ein abgetrenntes Schlafzimmer. Dieses liegt, sofern die kleinformatigen Eigenheime im Stil einer Maisonette gebaut wurden, ein Stockwerk höher. Damit die „Tiny Houses“ jedoch vollends jene Behaglichkeit bieten, die auch ein herkömmliches Zuhause verspricht, ist gleichwohl Erfindungsreichtum gefragt. Clevere Planung und der Gebrauch von Mehrzweck-Möbeln bilden den Schlüssel zum Wohnglück in den eigenen vier (kleinen) Wänden. So wird der Platz unter der Treppe zu zusätzlichem Stauraum und die Couch, auf der man mittags gemeinsam Kaffee und Kuchen genießt, abends zu einem weiteren Bett.

Klein, aber oho

Die „Tiny Houses“ sind in vielerlei Hinsicht äußerst nachhaltig und umweltfreundlich. So wird alleine für ihre Konstruktion weniger Bausubstanz gebraucht. Angesichts des daraus folgenden geringeren Investitionsumfangs wird es möglich, für ihren Bau hochwertigere Rohstoffe zu verwenden, die zugleich erneuerbar sind. Darüber hinaus kann durch die drastische Reduzierung des Wohnraums der Energieverbrauch erheblich gedrosselt werden. Auch sinken etwaige Reparaturkosten, da weniger Verschleißmaterial vorhanden ist.

Die Idee zum kompakten Wohnen stammt ursprünglich aus den USA. Sie ist nicht neu, doch fand sie nach der Finanzkrise im Jahre 2007 wieder mehr Aufmerksamkeit – auch außerhalb der Vereinigten Staaten. In Deutschland, den Niederlanden und Frankreich gibt es mittlerweile eigenständige „Tiny House“-Siedlungen, von denen sich einige zu beliebten Urlaubszielen entwickelt haben.

Ein Traum, viele Hindernisse

In Luxemburg existieren derzeit noch keine Förderungsprojekte für das gemeinschaftliche Wohnen auf reduzierter Grundfläche. Dennoch gibt es auch im Großherzogtum Menschen, die sich den Traum vom Mini-Haus gerne erfüllen würden. Für ihre Interessen tritt die „Tiny House Community Luxembourg“ ein. Nickie Lippert ist seit über einem Jahr Mitglied der Gemeinschaft. Zurzeit wohnt sie noch in einer Eigentumswohnung, am liebsten würde sie aber in ein kleines Eigenheim auf Rädern umziehen. „Für mich ist es eine Frage der freien Lebensgestaltung“, sagt sie. „Die niedrigen Kosten für ein Mini-Haus würden es mir erlauben, auf einen Vollzeitjob zu verzichten. So könnte ich mich mehr um meine Familie kümmern.“ Der Erfüllung dieses Wunsches stehen jedoch eine Reihe administrativer Hürden im Weg. Grund dafür ist der fehlende juristische Rahmen, ohne den das „Tiny House“ nicht als offizieller Wohnraum gilt. Schon alleine die Beweglichkeit des Mini-Hauses bereitet Probleme, da der Besitzer eine feste Wohnadresse braucht, um in einer Gemeinde angemeldet zu sein. Somit bewegt sich jemand, der in Luxemburg in einem „Tiny House“ lebt, in einer formalrechtlichen Grauzone.

Dies versuchen die fünf aktiven Mitglieder der „Tiny House Community Luxembourg“ zu ändern. „Wir arbeiten an einer Projektmappe, die wir den Kommunen übergeben können“, erzählt Lippert. Auf Basis dieser Mappe könnte man dann in Zusammenarbeit mit den Gemeinden ein kooperatives Wohnprojekt mit „Tiny Houses“ planen und umsetzen. Doch bereits die Konzeptarbeit erweist sich als komplex und zeitaufwendig. „Wir sind keine Experten. Wir sind nur eine Handvoll Menschen, die etwas bewegen wollen“, sagt Lippert. Aus diesem Grund werfen sie nicht das Handtuch, auch wenn es mitunter schwer ist, die Anforderungen des Alltags mit der Arbeit für die „Tiny House Community Luxembourg“ in Einklang zu bringen.

Das nächste Treffen der „Tiny House Community Luxembourg“ findet am Samstag, dem 1. Dezember, in der Maison de la Transition Esch (MESA) in Esch/Alzette statt. Weitere Informationen unter facebook.com/tinyhouselux.


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