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„Kinder sind unsere Zukunft“
Panorama 6 Min. 26.07.2021
Miss Earth Kosovo

„Kinder sind unsere Zukunft“

Vonesa Alijaj ist „Miss Earth Kosovo 2021“. Diese Plattform will die ehemalige „Miss Luxembourg“ für ein ihr wichtiges Anliegen nutzen: Die Bildung von Kindern.
Miss Earth Kosovo

„Kinder sind unsere Zukunft“

Vonesa Alijaj ist „Miss Earth Kosovo 2021“. Diese Plattform will die ehemalige „Miss Luxembourg“ für ein ihr wichtiges Anliegen nutzen: Die Bildung von Kindern.
Foto: Miss Universe Albania
Panorama 6 Min. 26.07.2021
Miss Earth Kosovo

„Kinder sind unsere Zukunft“

Miss Earth Kosovo Vonesa Alijaj über Misswahlen, die Arbeit mit Kindern und innere Schönheit.

Vonesa Alijaj kam 1996 in Luxemburg zur Welt – ihre Eltern kamen 1993 aus dem Kosovo, um ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Nun ist die Erzieherin, die 2014 bereits Miss Luxembourg wurde, zur Miss Earth Kosovo gekürt worden. Die Plattform möchte sie nutzen, um ein persönliches Anliegen zu bewerben: Die Bildung von Kindern.

Interview: Clemens Sarholz

Vonesa Alijaj, Sie haben gerade den Titel Miss Earth Kosovo erhalten. Wenn Sie in den Spiegel schauen, gefällt Ihnen was Sie sehen?

Wenn ich in den Spiegel gucke, sehe ich nicht das Äußere. Ich sehe das Innere und wie ich strahle. Als ich noch klein war, war ich nicht die Person, die ich heute bin. Ich wurde gemobbt, wegen meines Aussehens, magersüchtig genannt oder platt, das war nicht schön. Aber es gab immer Personen, die hinter mir standen und mich wegen meines Charakters gemocht haben.

Solche Wettbewerbe verkörpern das Gegenteil innerer Schönheit ...

Als Miss reicht es nicht, schön zu sein. Mir wurde mit diesem Titel eine Plattform gegeben, die Möglichkeit, etwas für das Land meiner Eltern, den Kosovo, zu tun – das Land, das im Herzen auch mein Land ist. Wenn du eine solche Plattform hast, dann schaut dir jeder zu und du hast die Möglichkeit über Themen zu reden, die dir wichtig sind. Du bekommst die Möglichkeit mit Leuten zusammenzuarbeiten, die etwas zu sagen haben. Als Miss Earth Kosovo geht es darum, die Erde zu schützen. Daher das „Earth“ im Namen. Hier im Kosovo sehe ich beispielsweise überall Plastik. Ich möchte über die Umweltverschmutzung reden und ich habe gerade eine Organisation gegründet, die sich für die Bildung von Kindern einsetzt.

Ich wollte aus meiner Komfortzone raus und mich herausfordern.

Wann haben Sie zum ersten Mal an einem Schönheitswettbewerb teilgenommen?

Mit 18 habe ich mich bei Miss Luxemburg angemeldet. Ich wusste nicht wirklich, was eine Miss überhaupt ist. Was sie macht und wie dieses Business funktioniert. Ich habe nur die Mode und die Schönheit gesehen, habe mich aber eigentlich nicht getraut, mich zu bewerben. Meine Schwestern haben mich dahingehend gepusht. Und dann wurde ich Ende 2014 zur Miss Luxemburg 2015 gekürt.

Danach haben Sie erstmal nicht mehr an Misswahlen teilgenommen, wieso?

Ich hatte als Miss Luxemburg viele Shootinganfragen, Modelaufträge ... Aber die meisten Jobs habe ich nicht angenommen. Ich war zu jung. Der Druck war zu viel für mich. Zwei Wochen nach der Misswahl war ich in Malaysia, Kuala Lumpur, aber ich war überhaupt nicht vorbereitet. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt. Ich hatte kein Make Up dabei, keine Abendgarderobe, jeden Morgen um fünf gab es den Wake-up-call. Andere Kandidatinnen hatten extra Coachings wegen dieser Wettbewerbe, ich fiel ins kalte Wasser. Das war anstrengend. Danach war ich müde und hatte keine Motivation mehr. Ich wollte erstmal die Schule fertig kriegen.

Und dann haben Sie eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht.

Ja, in Mersch auf der Fachschule für Sozialpädagogik. Ich wollte immer schon mit Kindern arbeiten. Ich hatte ja auch nicht daran gedacht als Model zu arbeiten oder bei einer Misswahl mitzumachen. Dieses gemütliche, einfache Leben gefällt mir sehr gut. Aber viele haben mich gepusht. Und dann wollte ich aus meiner Komfortzone raus und mich herausfordern.

Hat Sie niemand vor dem Stress gewarnt, den dieses Leben mit sich bringt?

Doch, mein Vater war sehr skeptisch gegenüber den Misswahlen. Er und meine Mutter sind 1993 aus dem Kosovo nach Luxemburg gekommen, weil es dort wenig Arbeit gibt und wenn man welche findet, ist das Gehalt sehr niedrig. Sie wollten uns Kindern ein besseres Leben geben. Deshalb war es für ihn wichtig, dass ich mich erstmal um die Schule kümmere und etwas Richtiges lerne. Und so habe ich es ja auch gemacht. Ich habe meine Ausbildung abgeschlossen. Dann wollte ich es aber noch einmal probieren, bevor es zu spät ist und ich es irgendwann bereue.

Meine Reichweite kann ich jetzt nutzen, um gute Zwecke voranzubringen.

Haben Sie manchmal Angst um Ihren Charakter?

Nein. Alles was ich bisher gemacht habe, hat mich gestärkt. Ich bin 2014 als sehr naive Person in den Wettbewerb hineineingegangen und war sehr traurig, weil die Dinge eben nicht so liefen, wie ich sie mir vorgestellt hatte – aber daraus habe ich gelernt. In den vergangenen sieben Jahren habe ich mich sehr verändert. In eine gute Richtung. Ich habe viel Zuspruch bekommen und viele Komplimente. Ich bin erwachsener geworden, habe viel gearbeitet und mich selbst gefunden. All das hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin.


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Wieso haben Sie sich dazu entschieden, noch einmal bei einem Schönheitswettbewerb mitzumachen?

Ich war überhaupt nicht mehr daran interessiert, selber mitzumachen, aber ich habe die Misswahlen immer verfolgt. Ich wusste, wo welche Wahlen stattfinden und habe mir die Finale angeschaut. Dann kam doch noch einmal der Wunsch mitzumachen, bevor ich zu alt bin und es zu spät ist. Diesmal wollte ich aber das Land meiner Wurzeln repräsentieren. Ich bin meinen Eltern sehr, sehr dankbar. Sie haben uns ein wunderschönes Leben in Luxemburg geschenkt. Sie haben sehr viel gut gemacht und ich liebe Luxemburg, aber sie haben uns immer daran erinnert, woher wir kommen. Und ich wollte diese Plattform nutzen, um mich für die Bildung von Kindern einzusetzen.

Was sind die schönen Seiten an dem Job?

Seitdem ich den Titel gewonnen habe, schreiben mir sehr viele junge Mädchen. Ich bin ein Idol für sie und meine Reichweite kann ich jetzt nutzen, um gute Zwecke voranzubringen. Ich habe eine Non-Profit-Organisation gegründet: Vlorentis Education. Ich will nicht sagen, dass es im Kosovo keine Bildung gibt, aber hier heiraten viele sehr jung und die meisten von ihnen hören dann auf, die Schule zu besuchen. Viele hier wissen nicht, wie wichtig Bildung ist. Deswegen möchte ich, dass sie so lange wie es geht die Schule besuchen. Vor allem Kinder dürfen nicht von Bildung ausgeschlossen werden. Es ist das einzige, was dir niemand wegnehmen kann.

Warum liegt Ihnen das Wohl von Kindern so besonders am Herzen?

Ich war schon immer sehr sozial und empathisch. Ich habe sehr viel Geduld und diese Charakterzüge braucht man, um mit Kindern zu arbeiten. Ich wollte schon immer mit ihnen arbeiten. Sie sind unsere Zukunft. Ich möchte ihnen wichtige Werte für die Zukunft mitgeben und ihnen ein Vorbild sein. Mit Vlorentis Education erarbeite ich beispielsweise gerade Workshops für Schulen, um Kindern ein umweltfreundliches Verhalten beizubringen.

Wie geht es jetzt weiter mit der Miss Earth Kosovo?

Ich bin derzeit im Kosovo. Hier mache ich erstmal Urlaub mit meiner Familie, aber nebenbei arbeite ich für Vlorentis Education. Mit dem Bürgermeister von Peje, einer Stadt im Kosovo, habe ich mich getroffen, um eine Müllsammelaktion in den Bergen vorzubereiten. Jetzt kommen noch ein paar Interviews auf mich zu. Und ab September bin ich wieder in Luxemburg, dann werde ich wieder als Erzieherin arbeiten und mich auf die nächste Misswahl vorbereiten. Wo und wann die stattfindet, weiß ich aber noch nicht.

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