Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Katrin Bauerfeind: „Wie ein veganes Mettbrötchen“
Panorama 1 3 Min. 06.02.2019

Katrin Bauerfeind: „Wie ein veganes Mettbrötchen“

Ihren ersten Fernsehauftritt hatte Katrin Bauerfeind im Jahr 2007: Sie moderierte für den Sender 3sat das tägliche Berlinale-Journal. Zuvor moderierte sie zwei Jahre lang die Onlineshow „Ehrensenf“, bei der 
Internetfundstücke vorgestellt wurden.

Katrin Bauerfeind: „Wie ein veganes Mettbrötchen“

Ihren ersten Fernsehauftritt hatte Katrin Bauerfeind im Jahr 2007: Sie moderierte für den Sender 3sat das tägliche Berlinale-Journal. Zuvor moderierte sie zwei Jahre lang die Onlineshow „Ehrensenf“, bei der 
Internetfundstücke vorgestellt wurden.
Foto WDR/Dirk Borm
Panorama 1 3 Min. 06.02.2019

Katrin Bauerfeind: „Wie ein veganes Mettbrötchen“

Die deutsche Moderatorin spricht im Interview über ihre neue Talkshow „Bauerfeind – Die Show zur Frau“, lustige Geschlechtsgenossinnen und die Liebe im alltäglichen Umgang miteinander.

Interview: Cornelia Wystrichowski

Sie gehört zu Deutschlands coolsten und witzigsten Fernsehfrauen: Katrin Bauerfeind. Nun präsentiert die schlagfertige Entertainerin eine neue wöchentliche Sendung, in der sie mit prominenten Gästen über gesellschaftlich relevante Themen spricht. „Bauerfeind – Die Show zur Frau“ läuft von heute an immer mittwochs beim ARD-Spartensender One und startet mit einer Ausgabe über Verschwörungstheorien. Zu Gast sind in der Premierenshow Oliver Pocher und Micky Beisenherz.

Katrin Bauerfeind, Sie gehörten früher zum Late-Night-Team von Harald Schmidt. Haben Sie noch Kontakt?

Nein, ich habe keinen Kontakt. Aber ich war ja ein paar Jahre Teil der Harald-Schmidt-Show, und das ist sozusagen wie Grundschule Showbusiness, insofern kann nichts schiefgehen bei meiner neuen Sendung.

Was passiert in „Bauerfeind – Die Show zur Frau“?

Ich bin wie eine Mischung aus Maybrit Illner und Heidi Klum, also zwischen sehr seriös und total albern. Ich habe prominente Gäste im Studio, mit denen ich über Themen rede, die die Gesellschaft bewegen und die Gemüter erhitzen. Zum Beispiel: Ist Essen unser neuer Gott, denn es sind immer weniger Menschen katholisch, aber immer mehr vegetarisch. Oder: Worüber kann und darf man in politisch korrekten Zeiten noch lachen?

Ist Humor in Zeiten politischer Korrektheit ein vermintes Gebiet?

Die Empfindlichkeiten sind auf jeden Fall andere als noch vor ein paar Jahren. Aber ich finde, dass jeder das Recht hat, verarscht zu werden – auch Minderheiten. Wenn Leute sich benachteiligt fühlen, muss man zwar fragen, warum das so ist und sich damit auseinandersetzen. Ganz ohne Humor wird es aber auch schwierig.

Wo ist für Sie Schluss mit lustig? Ein früherer Viva-Moderator hat vor einer Weile einen spöttischen Tweet über das tragische Verschwinden von Daniel Küblböck abgesetzt und dafür einen Shitstorm geerntet …

Sobald es geschmacklos wird, geht es ja auch nicht mehr unbedingt um Humor. Das ist dann wieder eine andere Kategorie.

In Ihrer neuen Sendung wollen Sie auch Haltung zeigen, haben Sie angekündigt. Was genau heißt das?

Ich kann in dieser Sendung endlich alle meine Geschichten, Gags und mein gesammeltes Halbwissen anbringen. Haltung heißt, der Zuschauer weiß, was meine Meinung zum Thema ist und wo ich stehe. Das unterscheidet uns von anderen Talkshows.

Katrin Bauerfeind mit den Gästen der ersten Sendung (v.l.n.r.): Micky Beisenherz, Oliver Pocher und Sebastian Bartoschek.
Katrin Bauerfeind mit den Gästen der ersten Sendung (v.l.n.r.): Micky Beisenherz, Oliver Pocher und Sebastian Bartoschek.
Foto: WDR/Dirk Borm

Spielt es heutzutage eigentlich noch eine Rolle für den Erfolg, ob man ein Entertainer oder eine Entertainerin ist?

Für viele sind lustige Frauen immer noch wie ein veganes Mettbrötchen, also ein Ding der Unmöglichkeit. Ich habe es schon erlebt, dass Männer nach meinem Soloprogramm zu mir kamen und gesagt haben: „Sogar ich als Mann hab‘ gelacht.“ Als wäre es eine Sensation, wenn ein Mann über den Witz eine Frau lacht.

Ist das nicht schockierend?

Bis in die 1960er-Jahre stand in Benimmratgebern: „Die Dame halte sich mit der Darbietung von Scherzen bei Tische zurück.“ Humor war lange Zeit einfach nicht so ein Frauending, sondern Männersache. Deswegen suchen wahrscheinlich bis heute Frauen in Kontaktanzeigen immer humorvolle Männer, und andersrum sucht ein Mann nie eine lustige Frau. Aber wir haben mittlerweile Frauen wie Carolin Kebekus, Martina Hill oder Maren Kroymann im Humorgeschäft und sind damit definitiv auf dem richtigen Weg.

Sie haben ein Buch geschrieben, in dem Sie auf witzige Art zu einem liebevolleren Umgang miteinander auffordern. Ist der Ton in unserer Gesellschaft rauer geworden?

Das Buch heißt „Alles kann, Liebe muss“, und ich wollte das Thema Liebe aufgreifen, weil mir aufgefallen ist, dass relativ viel Hass da draußen in der Welt ist. Vieles ist neu, anders, da kommt man schon mal schneller ans Limit. Sie müssen sich nur in Ihr Auto setzen und können relativ schnell im Straßenverkehr die Erfahrung machen, dass Wut scheinbar so manchem eine angemessene Reaktion auf alles zu sein scheint. Hass gilt immer als ernst, die Liebe als kitschig. Kann doch nicht sein, hab ich gedacht und wollte dem was entgegensetzen.

Wie drückt sich das im Alltag aus?

Wenn einem einer dumm kommt, einfach nett kommen. Warum nicht? Wohin das andere führt, wissen wir ja. Außerdem werfe ich mit Komplimenten um mich. Dem Steward im Flugzeug mache ich zum Beispiel eines für seine tolle Stimme. Der freut sich, ich freue mich, alle freuen sich. Auch das gibt man weiter. Die schönen Dinge mindestens so zelebrieren wie die schlechten, auf die wir meistens eher den Fokus legen.

Wie viel Hass schlägt Ihnen in den sozialen Medien entgegen?

Ich lese keine Kommentare. Warum sollte ich mich von wildfremden Leuten beschimpfen lassen? Auf der Straße würde man sich das auch nicht anhören, wenn irgendwer vor einem stehen bleibt und fünf Minuten über das eigene Outfit abgöbelt. Im Internet finden das alle normal.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Zocker im hohen Alter
Die Seniorinnen Evelyn Gundlach und Ursula Cezanne testen Computerspiele für einen YouTube-Kanal.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.