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Katharina Böhm: „Ich war keine Vorkämpferin“
Panorama 4 Min. 22.10.2021
TV-Kommissarin im Interview

Katharina Böhm: „Ich war keine Vorkämpferin“

Auf dem Bildschirm ein gutes Team: TV-Kommissarin Vera Lanz (Katharina Böhm) und Maximilian Murnau (Christoph Schechinger).
TV-Kommissarin im Interview

Katharina Böhm: „Ich war keine Vorkämpferin“

Auf dem Bildschirm ein gutes Team: TV-Kommissarin Vera Lanz (Katharina Böhm) und Maximilian Murnau (Christoph Schechinger).
Foto: ZDF/Michael Marhoffer
Panorama 4 Min. 22.10.2021
TV-Kommissarin im Interview

Katharina Böhm: „Ich war keine Vorkämpferin“

Die österreichische Schauspielerin spricht im „Luxemburger Wort“-Interview über ihre Rolle in der Serie „Die Chefin“, Emanzipation und Sehhilfen.

Interview: Martin Weber

Sie lässt sich bei der Mörderjagd weder von Vorgesetzten noch von Dienstvorschriften stoppen: Vera Lanz ist Polizistin mit Leib und Seele. Gespielt wird die Münchner Kommissarin in der Krimiserie „Die Chefin“ von Katharina Böhm. Von diesem Freitag (22. Oktober) an sind im ZDF neue Folgen der Erfolgsserie zu sehen. 

Katharina Böhm, vor rund zehn Jahren haben Sie den Job der Chefin in der gleichnamigen ZDF-Serie angetreten. Treten noch keine Ermüdungserscheinungen ein? 

Es macht mir nach wie vor sehr viel Spaß. Zum Glück, denn sonst wäre es angesichts der vielen Zeit, die ich jedes Jahr in diese Serie investiere, zu harte Arbeit.

Wie haben sich die Arbeitsbedingungen im Lauf von zehn Jahren geändert? 

Zunächst mal ist weniger Geld da als früher, aber darunter haben ja alle Fernsehproduktionen zu leiden. Das heißt, man muss beim Drehen sehr viel stringenter sein als früher. Stringent vorgegangen bin ich zwar schon immer, aber jetzt muss man auf jeden Drehtag extrem gut vorbereitet sein. Es müssen zum Beispiel mehr Motive an einem Tag abgedreht werden. Wir drehen pro Tag zwischen sechs und neun Minuten Sendezeit, das ist schon eine ganze Menge. 

Wie viele Drehtage brauchen Sie für eine Folge? 

Zwölf, und das ist für einen 60-minütigen Krimi schon relativ sportlich. Es ist für uns Schauspieler und alle Beteiligten alles in allem einfach mehr Arbeit als früher. Das bedeutet wie gesagt vor allem mehr Vorbereitung: Wenn wir drehen, investiere ich an einem freien Wochenende durchschnittlich acht bis zehn Stunden ins Textlernen und so weiter. Ich will aber überhaupt nicht meckern: Das Ganze macht mir ja nach wie vor einen Heidenspaß, verschlingt aber auch eine Menge Zeit.

Sieht man Sie deshalb so selten in anderen Rollen? 

Das kann man so sagen, ja. Ich werde in nächster Zeit aber auch mal wieder etwas anderes drehen, einen Fernsehfilm. Der lässt sich ganz gut in meinen dichten Zeitplan reinpacken, weil ich da nur eine Nebenrolle spiele. 

Sie waren vor zehn Jahren die erste Frau, die in einem Freitagskrimi des ZDF als Chefermittlerin Ganoven gejagt hat. Haben Sie das damals auch als Akt der Emanzipation empfunden? 

Nein, gar nicht, es gab damals ja auch schon eine ganze Menge Kommissarinnen im Fernsehen. Davon abgesehen wollte ich ganz einfach meinen Job gut machen, die Rolle ausfüllen, und dabei habe ich mich überhaupt nicht als Vorkämpferin für Frauenrechte oder so verstanden.

Katharina Böhm ist die Tochter des 2014 verstorbenen österreichischen Schauspielers Karlheinz Böhm. Sie hat insgesamt sechs Halbgeschwister.
Katharina Böhm ist die Tochter des 2014 verstorbenen österreichischen Schauspielers Karlheinz Böhm. Sie hat insgesamt sechs Halbgeschwister.
Foto: ZDF/Michael Marhoffer

Welche von den anderen TV-Ermittlerinnen mögen Sie gerne? 

Da gibt es einige, ich mochte zum Beispiel Eva Mattes als „Tatort“-Kommissarin sehr gerne. Ich gucke ehrlich gesagt aber auch gar nicht so wahnsinnig viel Krimi im Fernsehen. Ich zappe ab und zu mal in was rein und bleibe dann hängen, schaue mir aber systematisch nicht so viel an.

Gucken Sie denn „Die Chefin“? 

Wenn es im Fernsehen kommt nicht, aber vor der Ausstrahlung schon. Ich bekomme die neuen Folgen vorab geschickt und schaue dann natürlich rein, ich muss in einem professionellen Sinne schließlich überprüfen, was ich da vor der Kamera gemacht habe. Ich bin aber kein Fan davon, mir selber zuzuschauen – das ist genau das Gleiche wie früher, als man sich als Kind das erste Mal auf einem Kassettenrekorder selber gehört hat. Dieser Effekt geht nicht vorbei. (lacht)

Wie hat sich Vera Lanz in den zehn Jahren denn verändert? 

Sie ist mit zunehmendem Alter ganz sicher gelassener geworden. Aber auch weitsichtiger, eigentlich bräuchte sie eine Altersweitsichtbrille. (lacht) Das konnte ich bislang aber leider noch nicht durchdrücken. Privat brauche ich die, und ich hätte manchmal auch ganz gerne eine für Vera Lanz. Aber Spaß beiseite: Ich bemühe mich die Rolle so anzulegen, dass sie auch mit den typischen Problemen und Wehwehchen von Frauen meines Alters zu kämpfen hat und diese Frauen so gesehen auch ein bisschen repräsentiert.


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Trinken Sie privat auch viel Cola? 

Nein, gar nicht. Sie zieht sich ja auch jede Menge Pizza und Junk Food rein, das ist alles auch nicht meins. Ich mag zwar Pizza und Cola ganz gerne, halte den Verzehr aber privat in Grenzen, weil das ja nicht gerade die gesündeste Ernährung ist. Außerdem muss ich ziemlich rülpsen, wenn ich zu viel Cola trinke – das ist beim Drehen manchmal etwas problematisch. (lacht)

Und wie lange wollen Sie noch als Chefin Cola trinken und Mörder dingfest machen? 

Da ist noch kein Ende absehbar, weil mir die Rolle bis jetzt immer noch großen Spaß macht. Wir arbeiten alle immer noch wahnsinnig intensiv an der Serie, da ist noch überhaupt keine langweilige Routine drin. Wir diskutieren viel im Team und kämpfen auch oft miteinander – miteinander, nicht gegeneinander. 

Werden Sie auf der Straße denn mehr auf Ihre Rolle oder auf Ihren berühmten Vater, den Schauspieler Karlheinz Böhm, angesprochen? 

Mehr auf die Rolle, auf den Papa werde ich kaum noch angesprochen. Die meisten Leute, die mich erkennen, sind auch sehr nett. Irritierend sind nur die Begegnungen, wenn mir jemand sagt, dass ich bei ihm im Wohnzimmer war, er mich aber nicht einordnen kann. (lacht)

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