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Julia Jentsch: „Den Applaus vermisse ich nicht“
Panorama 4 Min. 15.02.2020

Julia Jentsch: „Den Applaus vermisse ich nicht“

Gedankenspiele: Ann Kathrin Klaasen (Julia Jentsch) fühlt sich in die Rolle der Opfer hinein, um dem Täter nachzuspüren.

Julia Jentsch: „Den Applaus vermisse ich nicht“

Gedankenspiele: Ann Kathrin Klaasen (Julia Jentsch) fühlt sich in die Rolle der Opfer hinein, um dem Täter nachzuspüren.
Foto: ZDF / Sandra Hoever
Panorama 4 Min. 15.02.2020

Julia Jentsch: „Den Applaus vermisse ich nicht“

Martin WEBER
Martin WEBER
Die deutsche Schauspielerin Julia Jentsch spricht im Interview über ihre Rolle als Kommissarin für das ZDF, brutale Filmszenen und das Theater.

Sie ist die Neue in den Ostfrieslandkrimis des ZDF: Im Thriller „Ostfriesengrab“ – zu sehen am 15. Februar im ZDF – gibt Filmschauspielerin Julia Jentsch ihr Debüt als Kommissarin Ann Kathrin Klaasen. Die 42-Jährige folgt damit Christiane Paul nach, die in den drei vorangegangenen Krimis der Reihe die Ermittlerin verkörperte. Bei ihrem ersten Einsatz bekommt es Julia Jentsch als Ann Kathrin Klaasen mit einem irren Serienkiller zu tun, der vor nichts zurückschreckt.

Julia Jentsch, Sie treten mit dieser Rolle in die Fußstapfen von Christiane Paul. Gehen Sie anders an die Rolle heran?

Mir hat sehr gut gefallen, wie sie das gemacht hat, und ich habe mir jetzt nicht vorgenommen, die Rolle völlig anders anzulegen. Ich habe mir einfach die Charaktereigenschaften der Kommissarin Ann Kathrin Klaasen, die ich spiele, genau angeschaut und versucht, sie mir anzueignen. Es ist ja auch so, dass jeder Regisseur oder jede Regisseurin auf etwas anderes bei einer Figur achtet, und das war auch bei meinem Debüt der Fall. So hat sich von ganz allein ergeben, dass bei mir das ein oder andere ganz anders ist als bei meiner Vorgängerin.

Welche Charaktereigenschaften hat diese Kommissarin denn?

Sie ist schon sehr speziell, zieht ihr Ding durch und lässt die Kollegen dabei manchmal etwas im Regen stehen. Ich finde es sehr spannend, dass sie ihren eigenen Kopf hat und es auch nicht immer für nötig hält, sich den anderen zu erklären. Sie versucht eine Nähe zu den Mordopfern herzustellen, indem sie etwa die Fundorte der Leichen aufsucht und die Atmosphäre auf sich wirken lässt – das finde ich reizvoll. Interessant fand ich auch, dass bei ihr Beruf und Privatleben miteinander verwoben sind, einer ihrer Ermittlerkollegen ist ja auch privat ihr Partner.

Die Kommissarin ist ziemlich wortkarg und verständigt sich viel mit Blicken. Kommt das Ihrem Spiel entgegen?

Nicht unbedingt, es kommt eben immer auf die Geschichte an. Es hat natürlich einen großen Reiz, wenn eine Figur mit wenig Text auskommt, aber wenn Dialoge gut geschrieben sind, dann kann es auch Spaß machen, wenn die Figuren überhaupt nicht mehr aufhören zu reden.

Das kann aber auch nerven.

Sagen wir mal so: Wenn das, was der Zuschauer eh schon sieht, auch noch gesagt wird, dann ist das nicht so spannend, das ist schon klar. In solchen Fällen ist es besser, den einen oder anderen Satz wegzulassen.

In der Fernsehserie „Der Pass“, deren zweite Staffel gerade gedreht wird, haben Sie ebenfalls eine Ermittlerin gespielt. Gewöhnen Sie sich so langsam an die Rolle?

Gewöhnen würde ich nicht sagen, ich bin eher überrascht, dass ich in jüngerer Zeit diese Angebote gehäuft bekomme und das Thema in meinem Berufsleben plötzlich aufgekommen ist. Das war von meiner Seite aus nicht beabsichtigt, es war also keineswegs so, dass ich unbedingt mal eine Ermittlerin spielen wollte. Aber ich habe Gefallen daran gefunden, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen, auch wenn ich keine große Krimileserin bin.

Werden sie den Mörder schnappen? Frank Weller (Christian Erdmann) und Ann Kathrin Klaasen (Julia Jentsch) forschen mit ihren ganz eigenen Methoden.
Werden sie den Mörder schnappen? Frank Weller (Christian Erdmann) und Ann Kathrin Klaasen (Julia Jentsch) forschen mit ihren ganz eigenen Methoden.
Foto: ZDF / Sandra Hoever

Der erste Fall, den Sie in Ostfriesland lösen, ist ziemlich brutal: Eine Frau wird gekreuzigt, eine andere kommt auf einen Scheiterhaufen. Stört Sie diese Brutalität?

Ich denke, dass diese Grausamkeit in diesem Fall zur Geschichte dazugehört und finde nicht, dass das unnötig ausgereizt oder ausgeschlachtet wird. Es geht um einen Serientäter und das ist deshalb Bestandteil der Geschichte, und ich hatte nicht den Eindruck, dass unser Regisseur die Brutalität unnötig überspitzt.

Berühmt wurden Sie mit den herausragenden Filmen „Die fetten Jahre sind vorbei“ und „Sophie Scholl“. Denken Sie gern an diese beiden Projekte zurück?

Ja, klar, das waren zwei sehr unterschiedliche Filme und die ersten großen Rollen für mich beim Film. Ich erinnere mich sehr gerne daran, auch an die Zusammenarbeit mit den tollen Kollegen, die ich bei diesen Filmen hatte.

Ihre Wurzeln haben Sie beim Theater, es ist allerdings schon ein paar Jahre her, dass Sie das letzte Mal auf der Bühne standen.

Stimmt, das letzte Mal ist schon ein paar Jährchen her, das war 2013 „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ in Zürich. Ich vermisse das Theater immer mal wieder, es hat sich in den letzten Jahren aber einfach so ergeben, dass die Filmarbeit bei mir dominiert. Ich hoffe aber schon, dass ich irgendwann auch mal wieder was am Theater mache.


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Was vermissen Sie besonders?

Die Möglichkeit, sich ganz intensiv mit einem Stoff und einer Rolle zu beschäftigen. Man spielt das Stück ja über einen längeren Zeitraum immer wieder und erlebt dabei, wie sich eine Rolle weiterentwickelt, wie sie sich verändert – das finde ich sehr spannend.

Vermissen Sie den Applaus?

Nein, den Applaus vermisse ich nicht. Beifall ist nicht das erste, woran ich denke, wenn ich ans Theater denke. Aber man ist natürlich schon erleichtert und froh, wenn es am Ende eines schönen Stückes auch einen schönen Applaus gibt.


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