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Jugendliche von Young Caritas schenken todkranken Menschen schöne Stunden: „Wir können voneinander lernen!“
Panorama 4 Min. 18.06.2015 Aus unserem online-Archiv

Jugendliche von Young Caritas schenken todkranken Menschen schöne Stunden: „Wir können voneinander lernen!“

Brunch at the hospital.

Jugendliche von Young Caritas schenken todkranken Menschen schöne Stunden: „Wir können voneinander lernen!“

Brunch at the hospital.
Young Caritas
Panorama 4 Min. 18.06.2015 Aus unserem online-Archiv

Jugendliche von Young Caritas schenken todkranken Menschen schöne Stunden: „Wir können voneinander lernen!“

Einmal im Monat begeben sich um die zehn Jugendliche von Young Caritas Luxemburg auf die Palliativstation des Krankenhauses in Luxemburg-Eich, wo sie einen Samstagsbrunch für die Patienten, deren Familien und das Personal vorbereiten.

VON DIANE LECORSAIS (LUXEMBURGER WORT)

Einmal im Monat begeben sich um die zehn Jugendliche von Young Caritas Luxemburg auf die Palliativstation des Krankenhauses in Luxemburg-Eich, wo sie einen Samstagsbrunch für die Patienten, deren Familien und das Personal vorbereiten. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Die jungen Freiwilligen kommen mit einem offenen Ohr, schenken Freude, Zeit und Aufmerksamkeit. Mit nach Hause nehmen sie eine tiefgreifende Erfahrung.

Sich mit Freunden treffen, Sport oder Musik machen, vielleicht auch einfach einmal ausschlafen: Es gibt viele Möglichkeiten für Jugendliche, sich am Wochenende die Zeit zu vertreiben. Für die Mitglieder von Young Caritas steht statt der gängigen Freizeitaktivitäten jedoch einmal im Monat eine ganz besondere Begegnung auf dem Programm: Sie suchen ihre Lieblings-Backrezepte aus und begeben sich auf die Palliativstation des Krankenhauses in Luxemburg-Eich, wo sie einen Samstagsbrunch für die Patienten, deren Angehörige und das Krankenhauspersonal organisieren.

„Die Jugendlichen kümmern sich um alles. Sie bringen die Stühle herbei, decken die Tische und backen in der Stationsküche Kuchen und Kekse“, erklärt Paul Galles, Initiator und Verantwortlicher für das Projekt bei Young Caritas. Die Idee dazu sei im Rahmen eines Ausflugs mit ein paar Jugendlichen zu einer Palliativstation entstanden. „Ich wollte ihnen zeigen, was das ist, und ihnen näherbringen, wie man mit den Menschen dort umgeht“, erinnert sich Galles. Den zuständigen Arzt habe der Besuch der Heranwachsenden dermaßen berührt, dass man beschlossen habe, diese Art von Begegnung, bei der man voneinander lerne, fortzusetzen – und zwar in Form eines Samstagsbrunchs.

Keine feste Struktur aufdrängen

Seit nunmehr zweieinhalb Jahren wird dieser einmal im Monat in der Eicher Klinik von den jungen Mitgliedern des „Service volontaire“ von Young Caritas organisiert. Diesen Freiwilligendienst, bei dem Jugendliche motiviert werden, sich ehrenamtlich für etwas einzusetzen, gibt es seit 2010. Wichtig ist: Die jungen Teilnehmer sollen die freie Wahl haben, auf welche Weise sie sich einbringen wollen. Es soll ihnen keine feste Struktur aufgedrängt werden – vielmehr sollen sie sich dann engagieren, wenn sie Lust dazu und Zeit dafür haben. Beim Samstagsbrunch sind jedes Mal um die zehn Jugendliche mit dabei, der Altersdurchschnitt liegt bei 17 bis 18 Jahren. „Die Initiative ist ein riesiger Erfolg. Zumeist melden sich sogar zu viele Freiwillige, die eine Hand mit anlegen möchten“, weiß Galles zu berichten.

Claire Deimel und Moreno Berardi, beide 17 Jahre alt, sind zwei von diesen ehrenamtlichen Helfern. Seit zwei Jahren sind sie regelmäßig mit dabei. Trotz der bedrückenden Situation denken sie mit einem positiven Gefühl an die Stunden im Spital. „Die Patienten und ihre Familien erzählen uns 
ihre Geschichte, und sie wollen unsere hören. Sie sind neugierig, wollen wissen, warum man mitmacht“, erzählt Moreno. „Wir versuchen, eine positive Stimmung aufzubauen“, sagt Claire.

Die Jugendlichen geben Zeit, Aufmerksamkeit, Freude. Aber sie nehmen auch etwas mit. „Es ist eine bereichernde Erfahrung, die Erlebnisse sind berührend. Man geht nach Hause mit dem Gedanken, etwas Gutes getan zu haben“, fasst Claire zusammen. Moreno fügt hinzu: „Es bringt einen dazu, über den Tod nachzudenken. Ich bin dadurch positiver geworden und sage mir, dass ich bereits jetzt das Leben genießen soll!“

Es sind reife Worte, mit denen Claire und Moreno von ihren Erfahrungen auf der Palliativstation berichten. Paul Galles erklärt: „Es gibt die Jugendlichen, die mit Souveränität und Jovialität an die Sache herangehen. Auf der anderen Seite gibt es die, die etwas verschlossener sind. Wir passen daher sehr gut auf, dass niemand von ihnen während des Frühstücks allein ist.“ Bevor es losgeht, werden die jungen Freiwilligen kurz gebrieft und vorbereitet auf das, was sie auf der Station erwartet. Dies jedoch auf eine lockere Art und Weise, ungezwungen und ohne zu dramatisieren, unterstreicht Galles. Die Jugendlichen sollen nicht das Gefühl bekommen, etwas falsch machen oder sagen zu können. Vielmehr sollen sie „spontan sein, lachen, leben“.

Zeigen, dass man da ist

Zu besonderen Anlässen, etwa an Weihnachten, bringen die jungen Freiwilligen Musikinstrumente mit, spielen und singen für die Familien. Lässt es der Gesundheitszustand eines Patienten nicht zu, zum Brunch zu kommen, so sagen die Jugendlichen kurz Hallo, zeigen, dass sie da sind. Wünscht ein Patient Ruhe, dann wird das natürlich ebenfalls akzeptiert. „Wir sagen den Jugendlichen, dass sie nicht enttäuscht sein dürfen, wenn nicht viele Patienten kommen“, erklärt Paul Galles.

Manchmal kommen ganze Familien, um mit ihrem kranken Verwandten ein paar schöne Stunden beim Samstagsbrunch zu verbringen. Einige Angehörige nehmen nach dem Tod ihres geliebten Familienmitglieds weiterhin an den Treffen teil. „Sie kommen dann zu uns und sagen, wie schön der Brunch für den Patienten war“, erzählt Moreno.

Für die Jugendlichen ist das der schönste Dank. Dank gebührt jedoch auch den Verantwortlichen in der Klinik, betont Paul Galles: „Für ihren Mut und ihre Offenheit, uns den Brunch organisieren zu lassen.“ 

www.youngcaritas.lu


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