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John Glenn in Luxemburg: "Ettelbrück, ein wogendes Menschenmeer"
Léon Mischo (l.), der damalige Bürgermeister von Ettelbrück, heißt John Glenn (r.) willkommen.

John Glenn in Luxemburg: "Ettelbrück, ein wogendes Menschenmeer"

Foto: René Weydert/LW-Archiv
Léon Mischo (l.), der damalige Bürgermeister von Ettelbrück, heißt John Glenn (r.) willkommen.
Panorama 10.12.2016

John Glenn in Luxemburg: "Ettelbrück, ein wogendes Menschenmeer"

Am 30. Mai 1966 war US-Astronaut John Glenn Gast im Großherzogtum. Tausende Ettelbrücker feierten ihn frenetisch. Auch das "Luxemburger Wort" zeigte sich in seiner Berichterstattung voller Begeisterung.

(km) - "Tausende säumten die Straßen oder stauten sich auf dem Stadthausplatz, um den Gast der Patton-Stadt zu sehen, um ihm zuzujubeln", schrieb das "Luxemburger Wort" am 31. Mai 1966. Mittelpunkt des Berichts war der US-amerikanische Astronaut John Glenn. Im Rahmen des "Memorial Day" und auf Einladung der Stadt Ettelbrück stattete er dem Großherzogtum einen Besuch ab.

John Glenn war der erste US-Raumfahrer, der die Erde umrundete. Am 20. Februar 1962 konnten die Menschen vor ihren Farbfernseher mitverfolgen, wie Glenn innerhalb von knapp fünf Stunden den Planeten dreimal umrundete. Er sicherte sich damit einen Platz in den Geschichtsbüchern. Am Donnerstag ist John Glenn im Alter von 95 Jahren verstorben.

Glenn wurde in Luxemburg als Held empfangen

Politisch aktive Amerikaner - Glenn war Abgeordneter der Demokratischen Partei - hatten in den 1960er Jahren sicherlich ein leichteres Spiel als heute, wenn sie zu Besuch in Europa waren. Auch Glenn profitierte bei seinem Empfang in Luxemburg noch vom Status als "Befreier Europas". Man zollte ihm Respekt. Beim Lesen der 50 Jahre alten Artikel wird das förmlich spürbar. Glenn wurde als Held empfangen.

Armeeminister Marcel Fischbach (l.) und John Glenn (r.) auf dem Hammer Friedhof.
Armeeminister Marcel Fischbach (l.) und John Glenn (r.) auf dem Hammer Friedhof.
Foto: René Weydert/Lw-Archiv

"Der junge Mann mit dem Asketengesicht und der Athletengestalt straft seine standesamtlich festgehaltenen 45 Jahre Lügen. Er könnte Rugbyspieler oder Hollywood-Star sein, dasselbe herzgewinnende Lächeln, jedoch viel natürlicher, wirklich herzgewinnend", schrieb das "Luxemburger Wort" im Artikel von 1966.

Tatsächlich muss die Begeisterung auch auf den Straßen derart groß gewesen sein. "Noch nie hatte der Soldatenfriedhof eine so große Menschenmenge gesehen", schrieb das "Tageblatt" am 31. Mai 1966. Von Hamm aus ging es für Glenn nach Ettelbrück. "Bravorufe und anhaltendes Beifallklatschen" begleiteten seine Fahrt im offenen Auto durch die Stadt, wie das "Lëtzeburger Journal" am gleichen Tag berichtete.

Mondlandung und Space Mining

Mit der Umrundung der Erde rückte für die Öffentlichkeit der 1960er Jahren auch die erwartete Mondlandung ein Stück näher. Die Eroberung des Weltraums war ein heiß diskutiertes Thema. Auch Glenn musste hierzu Rede und Antwort stehen. Er war der Überzeugung, dass die Eroberung des Weltalls einen "entscheidenden Einfluss auf das zukünftige Leben der Menschheit haben wird" und sich "die enormen Ausgaben der Raketenforschung auf die Dauer hochbezahlt machen". Dies dürfte gerade heute, im Zeitalter des internationalen Spotts über Luxemburgs Weltall-Pläne, wie Balsam für die Seele mancher Politiker sein.

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