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Johannes B. Kerner: „Es war Unterhaltung mit Haltung“
Panorama 4 Min. 15.05.2021

Johannes B. Kerner: „Es war Unterhaltung mit Haltung“

Johannes B. Kerner war sechs Jahre alt, als „Dalli Dalli“ zum ersten Mal ausgestrahlt wurde.

Johannes B. Kerner: „Es war Unterhaltung mit Haltung“

Johannes B. Kerner war sechs Jahre alt, als „Dalli Dalli“ zum ersten Mal ausgestrahlt wurde.
Foto: ZDF/Sascha Baumann
Panorama 4 Min. 15.05.2021

Johannes B. Kerner: „Es war Unterhaltung mit Haltung“

„Dalli Dalli“ feiert 50. Geburtstag. Johannes B. Kerner, der Moderator der Jubiläumssendung, spricht im Interview über die legendäre TV-Show.

Interview: Cornelia Wystrichowski

Turbulente Spiele, eine Wabenwand als Kulisse und Hans Rosenthals lustiger Hüpfer zu den Worten: „Sie sind der Meinung: Das war spitze!“: Vor 50 Jahren startete „Dalli Dalli“, jetzt würdigt das ZDF den Fernsehkult der 1970er-Jahre mit der einmaligen Neuauflage „50 Jahre Dalli Dalli – die große Jubiläumsshow“ (15. Mai, 20.15 Uhr). Durch die Sendung führt Johannes B. Kerner, der als ZDF-Moderator zu den Erben Hans Rosenthals zählt.

Johannes B. Kerner, vor 50 Jahren startete „Dalli Dalli“. Welche Erinnerungen haben Sie daran? 

Ob ich bei der ersten Sendung vorm Fernseher saß, das kann ich nicht garantieren, ich war ja erst sechs Jahre alt. Aber natürlich ist „Dalli Dalli“ für mich eine frühe Fernseherinnerung an die 1970er-, 1980er-Jahre. Natürlich habe ich auch im Frotteeschlafanzug auf dem Sofa gesessen, dabei Flips, Chips oder vielleicht auch After Eight genascht, und ich durfte vor allem ein bisschen länger aufbleiben. Weil es so eine herrlich unterhaltsame, ungefährliche Sendung war, die man auch Kinder gucken lassen konnte.

Woran denken Sie besonders gerne – das Bilderrätsel „Dalli Klick“ vielleicht? Oder an Oskar, den Schnellzeichner? 

Witzigerweise habe ich Oskar später selber mal kennengelernt, er war ja ein toller Künstler und hat mir eine Radierung von sich geschenkt. Ich mochte die Dalli-Tonleiter sehr gerne, die ein Wissensspiel war, und natürlich Dalli-Klick. Aber auch die schnellen Gesprächsrunden am Pult, wo dann zum Beispiel Sätze vollendet werden mussten, das war immer sprachlich turbulent. Ich habe die Sendung einfach gerne gesehen. Am Schluss jeder Ausgabe wurde es ernst, weil ja bekanntgegeben wurde, an welche unverschuldet in Not geratene Familie das Geld ging. Es war Unterhaltung mit Haltung. 

Der Sprung darf nicht fehlen: Johannes B. Kerner zeigt Caro Daur (M.l.) und Frauke Ludowig (M.r.), wie viel Hans Rosenthal in ihm steckt.
Der Sprung darf nicht fehlen: Johannes B. Kerner zeigt Caro Daur (M.l.) und Frauke Ludowig (M.r.), wie viel Hans Rosenthal in ihm steckt.
Foto: ZDF/Sascha Baumann

Und dann ist da noch der legendäre Sprung von Hans Rosenthal, begleitet von den Worten: „Sie sind der Meinung: Das war spitze!“

Auch in der Jubiläumssendung wird es „Spitze“ geben, und ich werde in die Luft springen, wie sich das gehört. Natürlich braucht es dazu den Impuls, dass irgendjemand etwas spitze findet. Früher ging er vom Publikum aus, aber wegen Corona ist es im Studio leider nicht zugelassen, deshalb machen wir es so: Wenn die Mitspieler ihre Knöpfchen drücken und sagen: „Das war spitze!“, dann springe ich, na klar. Ich habe es auch einmal probiert und ich denke, ich kriege es hin. Aber ich werde mich nicht in einen generationsübergreifenden Hüpfstreit mit Hans Rosenthal begeben. Er ist und bleibt das Original.

Leidet die Produktion von TV-Shows sehr unter der Pandemie? 

Wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, dass es ohne Publikum stattfindet. Die Shows funktionieren trotzdem, und die Leute gucken ja auch intensiv fern. Natürlich sehne ich mich danach, wieder richtiges Publikum zu begrüßen, weil ich am liebsten den Kontakt mit echten Menschen habe. Aber die Zeiten sind halt so.


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Sie sind selbst einer von Deutschlands gefragtesten Showmastern. Kann ein Moderator wie Sie etwas von der alten Garde wie Rosenthal, Kulenkampff und Co. lernen? 

Ja, das glaube ich schon. Meine Vorgänger haben sich zum Beispiel alle akribisch vorbereitet. Rudi Carrell hat immer gesagt: Man kann nur ein Ass aus dem Ärmel schütteln, wenn man vorher eines reingesteckt hat – und es gehört auch zu meinem Arbeitsalltag, zu meiner Berufseinstellung, mich gewissenhaft vorzubereiten. Trotzdem möchte ich natürlich mit Spielfreude und Motivation in jede Situation reingehen, aber gute Vorbereitung macht einen auch gelassen, weil man weiß: Mir kann nicht viel passieren, ich bin ja vorbereitet.

Worin besteht die Vorbereitung in Ihrem Job? 

Zum Beispiel ist es wichtig, dass man die Biografie der Kandidaten und Anknüpfungspunkte kennt, weiß, wer schon einmal miteinander gedreht hat. Oder dass man sich bei einer Quizsendung vorher alle Fragen durchliest, damit man die Namen nicht falsch ausspricht, die darin vorkommen. Und wenn man sich die Lebensgeschichte von Hans Rosenthal vergegenwärtigt, dann kann man von ihm auf jeden Fall lernen, dass man es trotz dramatischer Kindheits- und Jugenderlebnisse schaffen kann, ein glückliches Erwachsenenleben zu führen.

Die Jury: Christian Neureuther - hier neben seiner Frau Rosi Mittermaier - war von 1980 bis 1984 bereits Jurymitglied der Kultshow.
Die Jury: Christian Neureuther - hier neben seiner Frau Rosi Mittermaier - war von 1980 bis 1984 bereits Jurymitglied der Kultshow.
Foto: ZDF/Sascha Baumann

Hans Rosenthal kam aus einer jüdischen Familie, er überlebte jahrelang in einem Versteck in einer Berliner Kleingartenanlage. 

Wenn man sich vorstellt, was er als junger Mann mitmachen musste – dass er dann später einer derjenigen war, die die Deutschen zum Lachen gebracht haben, das ist wirklich unglaublich. Es ist vorbildlich, wie er sein Leben gemeistert hat. Er war auch enorm akribisch. Ich habe mal seinen Sohn kennengelernt, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten und auch in der jüdischen Gemeinde aktiv ist, der hat mir erzählt: „Der Papa war total akribisch in der Vorbereitung.“ Er hat zum Beispiel alle Spiele erst daheim am Küchentisch mit seinen Kindern gespielt, um zu testen, ob sie überhaupt funktionieren.  


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Was erwartet die Zuschauer der Jubiläumsshow? 

Wir haben tolle Gäste eingeladen, unter anderem Jürgen von der Lippe und Michael Mittermeier. Es wird unter anderem auch ein Wiedersehen mit Christian Neureuther geben, der damals Teil der Jury war – bestimmt wird auch der legendäre Satz fallen: „Der Begriff soundso war doppelt, den müssen wir abziehen.“ Es wird eine ganze Reihe von Rubriken wie „Dalli-Klick“ und „Dalli-Tonleiter“ geben. Die Sendung soll diejenigen, die „Dalli Dalli“ von damals kennen, aufs angenehmste an früher erinnern, aber auch die jüngeren Zuschauer, die keine Kindheitserinnerungen an die Show haben, amüsieren. 

Wird es eine einmalige Neuauflage bleiben – oder ist das jetzt das dauerhafte Comeback von „Dalli Dalli“? 

Man wird nur einmal 50, das sollte man auch im Fernsehen nur einmal feiern. Es ist als diese eine Show gedacht, und genauso bereite ich mich vor und freue mich.

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