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Jörg Pilawa: „Jauch und ich sind uns sehr ähnlich“
Panorama 5 Min. 24.08.2019

Jörg Pilawa: „Jauch und ich sind uns sehr ähnlich“

Am Samstag steht Moderator Jörg Pilawa gemeinsam mit Günther Jauch auf der Bühne.

Jörg Pilawa: „Jauch und ich sind uns sehr ähnlich“

Am Samstag steht Moderator Jörg Pilawa gemeinsam mit Günther Jauch auf der Bühne.
Foto: dpa
Panorama 5 Min. 24.08.2019

Jörg Pilawa: „Jauch und ich sind uns sehr ähnlich“

Jörg Pilawa über den Job als Quizonkel der Nation, die 100.000-Euro-Show und seine Vorliebe für „Wer wird Millionär?“

Interview: Cornelia Wystrichowski

Er ist der Quizonkel der Nation: Jörg Pilawa hat schon unzählige Ratesendungen moderiert – in seiner Samstagabendshow „Ich weiß alles!“ (nächste Ausgabe am Samstag, 24. August, 20.15 Uhr, ARD) steht er sogar gemeinsam mit Quiz-Titan Günther Jauch („Wer wird Millionär?“) auf der Bühne: Die Kandidaten der Show können 100.000 Euro gewinnen, wenn sie verschiedene Rategegner besiegen, darunter neben Günther Jauch diesmal die Gaststars Henry Maske, Dagmar Koller und Beatrice Egli.

Jörg Pilawa, Sie moderieren seit vielen Jahren Fernsehshows am laufenden Band. Welche Shows haben Sie früher geschaut?

In meiner Familie war die Sendung „Der große Preis“ mit Wim Thoelke ein Muss, als ich klein war. Meine Eltern waren total begeistert und machten Bier auf, wir saßen alle vor dem Fernseher. Und natürlich haben wir auch Hans-Joachim Kulenkampffs „Einer wird gewinnen“ nicht verpasst. Kulenkampff hatte ja 1953 mit „Wer gegen wen“ auch das erste Ratequiz im deutschen Fernsehen präsentiert, aber daran kann ich mich naturgemäß nicht erinnern.

Welcher der legendären Quizmaster von einst war Ihr Favorit?

Hans Rosenthal, weil er alles mit großer Hingabe machte. Wenn er bei seinem legendären Satz „Sie sind der Meinung: Das war Spitze!“ in die Luft sprang, ist man ja vor dem Fernseher mitgesprungen.


G�nther Jauch (l.) Barbara Sch�neberger und Thomas Gottschalk.
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Ich hatte das Glück, Hans Rosenthal noch kennenzulernen. Als Junge stand ich auf der Fähre zwischen Dagebüll und Föhr, wo er urlaubte, an der Reling neben ihm und habe mich mit ihm unterhalten.

Er war sehr freundlich und zeigte mir die Robben auf den Sandbänken. Ich war zwar noch keine zehn, und meine Eltern mussten mir hinterher erklären, wer das war, aber die Begegnung hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt.

Was macht Rateshows so beliebt beim Publikum?

Eine Quizshow hat einen Vorteil, den andere Sendungen nicht haben: Sie bietet Interaktion. Du sitzt vorm Fernseher und machst mit. Beim Quiz kann man mitraten und hat tendenziell immer das Gefühl, mehr zu wissen als die Kandidaten. Das macht es so erfolgreich.

Sie selber haben schon zahllose Quizausgaben präsentiert. Hat Ihr Allgemeinwissen davon profitiert?

Man merkt sich im Leben nur Dinge, an denen man wirklich Interesse hat. Ich habe schon viele Fragen zum Thema Kino gestellt, ich werde mir aber niemals eine Antwort dazu merken, weil mich Kino nicht interessiert. Bei Themen, die mich interessieren, merke ich mir vieles. Das sind Politik, Sport und Geschichte – und da vor allem die Kolonialgeschichte, speziell Afrikas, und generell deutsche Geschichte.

Und was ist in Ihren Augen das Besondere an der Rateshow „Ich weiß alles!“?

Es ist wirklich die schwerste Quizshow, die ich je moderiert habe. Jeder Kandidat tritt zuerst gegen einen Prominenten an, der für eine Sache brennt. In der nächsten Runde muss er gegen die Schwarmintelligenz von 1 000 Leuten antreten, und dann gegen die Quizmoderatoren Günther Jauch und seine Kollegen Susanne Kunz aus der Schweiz und Armin Assinger aus Österreich. Erst dann steht der Kandidat im Finale, in dem er 100 000 Euro gewinnen kann. So was gab es definitiv noch nicht.

In der Show treten Sie gemeinsam mit Günther Jauch auf, dessen „Wer wird Millionär?“ ein Dauerbrenner ist. Wer von Ihnen beiden würde in einem Ratespiel gewinnen?

Auf jeden Fall Herr Jauch. Aber im Grunde sind wir uns sehr ähnlich, wir haben beide ein starkes Inselwissen und vergleichbare Interessen. Ich glaube zum Beispiel, dass er ebenfalls kein Cineast ist: In seiner Sendung kommt er an denselben Stellen ins Schwimmen wie ich, wenn Fragen zu diesem Thema kommen.

Schauen Sie regelmäßig „Wer wird Millionär?“?

Auf jeden Fall. Wobei meine Familie sagt, dass es nicht angenehm ist, mit mir Unterhaltungsshows zu sehen, weil ich dabei nie entspannt vor dem Fernseher sitze. Ich achte immer auf Dinge wie Licht, Grafik, Kamera, Sound – und konfrontiere meine Mitgucker mit meinen Beobachtungen, die das natürlich langweilt.

Worauf achten Sie bei anderen Quizmastern?

Ich achte darauf, welcher Kollege das aus dem Stegreif macht, welcher mit Autoren, Telepromptern oder mit Moderationskarten arbeitet. Ich will das nicht bewerten, das macht einfach jeder anders.

Wie machen Sie selber es?

Ich arbeite nicht mit einem festen Buch oder mit Teleprompter oder großen Pappen, wo mein Text darauf steht, sondern versuche, alles im Kopf zu haben. Ich kenne auch die Fragen vorher nicht, damit ich spontan reagieren kann. Die schönsten Momente sind doch ohnehin die, wenn mal ein Fehler passiert, das findet der Zuschauer lustig und als Moderator kannst du zeigen, dass du ein bisschen was drauf hast.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie nicht als Quizonkel der Nation enden wollen. Trotzdem moderieren Sie nach wie vor eine Ratesendung nach der anderen …

Ich weiß, ich habe dieses Zitat selber geprägt, und heute wird es mir oft vorgehalten. Als ich vor mehr als 20 Jahren das erste Quiz moderierte, dachte ich, ich mache das ein oder zwei Jahre, und am Ende war es eine tolle Erfahrung. Mittlerweile habe ich mehr als 3 000 Quizshows gemacht, dadurch bin ich einfach ein Quizonkel.

Und das ist okay für Sie?

Früher hatte ich das Bedürfnis, zu beweisen, dass ich auch mal eine Dokumentation oder eine politische Talkshow machen kann, ich habe ja sogar mal mit Sport und Nachrichten angefangen. Aber irgendwann musste ich mich entscheiden, denn in Deutschland wird man in eine Schublade gesteckt: Entweder du machst Information, oder du machst Unterhaltung und bist der Clown – und ich habe mich entschieden.

Zur Person

Jörg Pilawa kam 1965 in Hamburg zur Welt, er studierte Medizin und Geschichte ohne Abschluss und war zunächst als Nachrichtensprecher und Fußballreporter fürs Radio tätig. Seine Fernsehkarriere begann Mitte der 1990er-Jahre, seitdem hat er zahllose Unterhaltungssendungen für Sat.1, ZDF und ARD moderiert – so viele, dass er sich 2009 sogar eine einjährige Auszeit gönnte, um sich vom TV-Stress zu erholen. Mittlerweile ist der 53-Jährige als Moderator fleißig wie eh und je, unter anderem moderiert er im Ersten das „Quizduell“ am Vorabend und führt gemeinsam mit Bettina Tietjen durch die „NDR Talk Show“. Jörg Pilawa ist verheiratet und hat vier Kinder, er lebt mit seiner Familie in Hamburg.


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