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Jörg Hartmann: „Die meisten Großstädte sind hässlich“
Panorama 1 4 Min. 12.02.2019

Jörg Hartmann: „Die meisten Großstädte sind hässlich“

Jörg Hartmann als Bauhaus-Gründer Walter Gropius.

Jörg Hartmann: „Die meisten Großstädte sind hässlich“

Jörg Hartmann als Bauhaus-Gründer Walter Gropius.
Foto: MDR/UFA Fiction/Stanislav Honzik
Panorama 1 4 Min. 12.02.2019

Jörg Hartmann: „Die meisten Großstädte sind hässlich“

Schauspieler Jörg Hartmann spricht im Interview über seine Rolle als Bauhausgründer Walter Gropius in einem ARD-Fernsehfilm, seine Liebe zur Architektur und sträfliche Bausünden.

Interview: Martin Weber

Sie war wegweisend für Kunst, Architektur und Design der Moderne: die von Walter Gropius vor 100 Jahren gegründete Kunstschule Bauhaus in Weimar. Die ARD zeigt am Mittwoch (13. Februar) um 20.15 Uhr einen Fernsehfilm, der aus weiblicher Perspektive auf die weltberühmte Bildungseinrichtung blickt. In „Lotte am Bauhaus“ geht es um die junge Lotte Brendel (Alicia von Rittberg), die angeleitet von weltberühmten Künstlern in den 1920er-Jahren am Bauhaus ihr Studium aufnimmt und sich als Frau emanzipiert. Jörg Hartmann spielt den visionären Gründer und Leiter der Kunstschule, Walter Gropius.

Jörg Hartmann, wie wichtig ist es bei einer solchen Rolle, sich eingehend mit der historischen Figur auseinanderzusetzen?

Das ist immer eine Gratwanderung, denke ich. Gerade bei historischen Persönlichkeiten möchte ich schon viel über die Rolle wissen, weil ich ja nichts darstellen möchte, was objektiv falsch ist. Manchmal muss man dann aber auch das ein oder andere wieder vergessen, um wirklich frei zu sein bei der Gestaltung der Figur, das stimmt schon. Damit einen das viele Vorwissen nicht lähmt. Aber die Beschäftigung mit Gropius und dem Bauhaus hat mir ungeheuren Spaß gemacht, weil mich Architektur schon lange fasziniert.

Mögen Sie den Bauhausstil?

Teils, teils. Ich mag zum Beispiel das Gebäude in Dessau, wo das Bauhaus untergebracht war, sehr gerne. Ich mag die farbliche Gestaltung der Räume, man stellt sich das ja immer weiß vor, dabei geht es innen ganz schön bunt zu. Ich mag das Kornhaus an der Elbe, die Meisterhäuser in Dessau oder die beiden Häuser, die Mies van der Rohe in Krefeld gebaut hat. Ich finde die Komposition von klaren Formen und klaren Farben gut, die das Bauhaus auszeichnet. Städtebaulich allerdings finde ich all das, was sich aus dem Bauhaus heraus entwickelt hat, ziemlich problematisch.

Warum?

Die ewig gleichen Fassaden haben zur Monotonie und Gesichtslosigkeit vieler unserer Städte sehr beigetragen. Das, was im Modell vielleicht ganz gut aussieht, ist in der Wirklichkeit dann ganz oft kalt, abweisend und manchmal geradezu abstoßend. Vor allem die heute gerne umgesetzte billige und banale Variante des Bauhauses – Stichwort billige Schuhschachtel mit Styropor ummantelt – finde ich schlimm. Das ist für mich der Tod der Architektur, und den hat man leider in vielen Städten. Sind wir mal ehrlich: Die meisten unserer nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Großstädte sind doch hässlich.

Walter Gropius (Jörg Hartmann) spricht in der Mensa des Bauhaus zu seinen Studenten.
Walter Gropius (Jörg Hartmann) spricht in der Mensa des Bauhaus zu seinen Studenten.
Foto: MDR/UFA Fiction/Stanislav Honzik

Gibt’s auch Ausnahmen?

Leipzig und Erfurt zum Beispiel, weil dort noch so viel alte Substanz erhalten ist und man mit dieser Substanz auch verantwortungsvoll umgeht. Ich mag auch Städte wie Hamburg oder München, die immerhin in ihrer Grundstruktur noch erkennbar sind. Wobei es dort auch Viertel gibt, die völlig missraten sind. Berlin ist mindestens so ambivalent: In manchen Bereichen unglaublich hässlich, und überall dort, wo es erhalten ist, in der Regel schön und lebendig.

Wie wohnen Sie selbst?

In einer Wohnung in einem sehr schönen Haus, ziemlich zentral in Potsdam gelegen. Ein spätklassizistisches Bauwerk, das kurz vor der Gründerzeit, so um 1860 rum, entstanden ist. Das ist sehr charmant, ich bin architektonisch gesehen und auch sonst sehr zufrieden. (lacht)

Der von Ihnen gespielte Gropius war davon überzeugt, dass Architektur und Kunst eine gesellschaftliche Aufgabe haben. Würden Sie dem zustimmen?

Dass Kunst eine gesellschaftliche Aufgabe hat, würde ich als jemand, der vom Theater kommt, natürlich immer unterschreiben. Als Schauspieler erzählt man im besten Falle ja auch immer etwas über die Zeit, in der man lebt. Und was Gropius betrifft, also die Themen Architektur und Städtebau, kann ich nur sagen: Das wird gesellschaftspolitisch gerade heutzutage wieder wichtig, wo Wohnen für viele Menschen einfach zu teuer wird. Da könnte man sich die 1920er-Jahre wieder als Vorbild nehmen, wo große Siedlungen mit bezahlbaren Wohnungen entstanden sind, die gleichzeitig auch ästhetischen Ansprüchen genügten. Kein Vergleich mit dem sozialen Wohnungsbau von heute.

War Gropius eigentlich die erste historische Figur, die Sie im Fernsehen gespielt haben?

Lassen Sie mich überlegen: Ich glaube ja. Die 1920er-Jahre waren auch die früheste Zeit, in die ich je mit einer Rolle eingetaucht bin.

Macht es mehr Spaß, einen Finsterling wie den Stasimann aus „Weissensee“ oder eine Lichtgestalt wie Gropius zu spielen?

Mir macht es Spaß, beide spielen zu dürfen. Genau das macht doch den Reiz meines Berufs aus.

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