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Jean-Michel Jarre - der Soundmagier wird 70
Panorama 2 3 Min. 24.08.2018

Jean-Michel Jarre - der Soundmagier wird 70

Jean-Michel Jarres Konzerte sind gigantische visuelle Shows.

Jean-Michel Jarre - der Soundmagier wird 70

Jean-Michel Jarres Konzerte sind gigantische visuelle Shows.
Wael Hamzeh/EPA/dpa
Panorama 2 3 Min. 24.08.2018

Jean-Michel Jarre - der Soundmagier wird 70

Seine elektronischen Sounds revolutionierten die Musik und seine spektakulären Konzerte zogen Millionen Zuschauer an. Jetzt feiert Jean-Michel Jarre ein rundes Jubiläum.

von Rainer Holbe

Mit elektronisch generierten Sounds und spektakulären Lightshow-Konzerten wurde Jean-Michel Jarre zum König des bombastischen Synthie-Pomp. Am 24. August feiert der Musiker seinen 70. Geburtstag.

Alles beginnt mit einem Geburtstagsständchen. Als der legendäre Trompeter Chet Baker bei einem Jazz-Konzert dem kleinen Jean-Michel zum zehnten Geburtstag ein Ständchen spielt, ist es um den Jungen geschehen. Er lässt den Klavierunterricht sausen, den er schon seit seinem fünften Lebensjahr erhält und widmet sich fortan der Musik des schwarzen Amerika – als Gitarrist.

Die Musik steckt in seinen Genen. Als er am 24. August 1948 in Lyon auf die Welt kommt, ist sein Vater Maurice schon ein aufsteigender Musiker, der später als Komponist mit Soundtracks für Filme wie „Lawrence von Arabien“, „Dr. Schiwago“ oder „Ghost“ berühmt wird. Als sein Filius gerade mal fünf Jahre alt ist, lässt er sich von sein Frau – der ehemaligen Résistance-Kämpferin France Pejot – scheiden. Jean-Michel wächst fortan bei seiner Mutter auf, während sich sein Vater in Hollywood umschwärmen lässt.

Jean-Michel Jarre bei der Vorstellung seines Albums "Electronica 1.
Jean-Michel Jarre bei der Vorstellung seines Albums "Electronica 1.
Luca Piergiovanni/EFE/dpa

Nach seiner Begegnung mit Chet Baker ist der kleine Jean Michel für die Welt der Klassik verloren, doch das Klavierspiel wird zur Grundlage einer anderen Art von Musik, zu der sich der Junge hingezogen fühlt. Mit Freunden gründet er die Rock-Formation „The Dustbins“ – mit der er einen Kurzauftritt in dem Film „Des Garçons et des Filles“ hat – und später „Mystère IV“. Erst als er sich dank Pierre Schaeffer mit der sogenannten „Musique Concrète“ befasst, scheint er seine musikalische Erfüllung gefunden zu haben.

Elektronische Welthits

Jarre beginnt mit elektronischen Klängen zu experimentieren und komponiert mit „La Cage“ die erste Single. Erfolgreicher ist der Musiker mit der Ballettmusik „AOR“ für die Pariser Oper. Seine Musik zum Film „Les Granges Brûlées“ mit Alain Delon in der Hauptrolle wird aber selbst von Jarre-Fans zwiespältig aufgenommen. Jarre wird kommerzieller, produziert Jingles für Radio- und Fernsehwerbung und Hits für Schlagerstars wie Françoise Hardy. Doch seine Leidenschaft für elektronische Klänge ist geblieben. Mit dem Album „Oxygène“ gelingt schließlich 1976 der Durchbruch. Innerhalb kurzer Zeit verkauft sich die Scheibe acht Millionen Mal und macht Jean-Michel Jarre zum gefeierten Pop-Star. Mit „Oxygène (Part 1)“ bis „Oxygène (Part 6)“ erreicht er Kultstatus.

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Konzerte, die Rekorde brechen

Sein 1978 erschienenes Album „Equinoxe“ verkauft sich Millionen Mal in aller Welt. Am französischen Nationalfeiertag des Jahres 1979 gibt Jarre auf der Pariser Place de la Concorde das erste Open-Air-Konzert seiner Karriere und schafft damit gleich einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Millionen verfolgen das Spektakel live und im Fernsehen. Bei seinem Live-Konzert 1998 in Moskau zählt man gar 3,5 Millionen Zuschauer.

Jarre wird vom Erfolg getragen. Für die Produktion „Magnetic Fields“ mischt er Alltagsgeräusche in die Musik. Die chinesische Regierung lädt ihn als ersten westlichen Musiker der Post Mao-Ära ins Reich der Mitte ein. Als „The Concerts In China“ erscheinen diese Live-Aufnahmen später als Doppel-LP. Er spielt für die beim Challenger-Unglück verstorbenen Astronauten in Houston, tritt vor Johannes Paul II. in Lyon auf und veröffentlicht 2016 den Techno-Track „Exit“, für den Edward Snowden einen Monolog in Form eines Manifests einspricht.

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Ein Leben als Superstar

Wenig ist über Jarres Privatleben bekannt. Aus einer Beziehung mit Flore Guillard stammt Tochter Emilie (1976). Er war ebenfalls mit der Schauspielerin Charlotte Rampling verheiratet, ihr gemeinsamer Sohn David kommt 1977 zur Welt. Mit Schauspielerin Isabelle Adjani war er verlobt, mit ihrer Kollegin Anne Parillaud fünf Jahre verheiratet.

80 Millionen Tonträger soll der umtriebige Franzose inzwischen verkauft haben. Im April 2018 endet die vorerst letzte „Electronica World Tour“ im amerikanischen San Diego. „Ich war immer überzeugt davon, dass elektronische Musik das dominierende Genre des 21. Jahrhunderts werden wird, so wie früher die klassische Musik“, sagt Jarre im Interview. „Musik ist eine Sucht, das machst du nicht aus reiner Lust“. Ein Best-Off mit mehr als 40 remasterten Stücken aus dem musikalischen Schaffen des Pioniers des elektronischen Sounds soll am 14. September erscheinen. Damit feiert Jarre gleich zwei Events: seine 50-jährige Musikkarriere und seinen 70. Geburtstag.


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