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Jannis Niewöhner: "Man kann nicht oft genug daran erinnern“"
Panorama 5 Min. 08.04.2020

Jannis Niewöhner: "Man kann nicht oft genug daran erinnern“"

Proska (Jannis Niewöhner) stößt zur Truppe um Willi Stehauf (Rainer Bock).

Jannis Niewöhner: "Man kann nicht oft genug daran erinnern“"

Proska (Jannis Niewöhner) stößt zur Truppe um Willi Stehauf (Rainer Bock).
Foto: NDR/Dreamtool Entertainment
Panorama 5 Min. 08.04.2020

Jannis Niewöhner: "Man kann nicht oft genug daran erinnern“"

Cornelia WYSTRICHOWSKI
Cornelia WYSTRICHOWSKI
Im Interview spricht der Schauspieler über das Weltkriegsdrama "Der Überläufer", seine steile Karriere und sein Image als Mädchenschwarm.

Er ist einer der gefragtesten Jungstars des deutschen Films: Jannis Niewöhner. In der Literaturverfilmung "Der Überläufer" (am Mittwoch und am Freitag, 20.15 Uhr, ARD) verkörpert der 28-Jährige einen Soldaten der deutschen Wehrmacht, der im letzten Kriegssommer 1944 aus dem Heimaturlaub zurück an die Ostfront muss – dort erlebt er das ganze Grauen und die schreckliche Sinnlosigkeit des Kriegs. Mit dem zweiteiligen Fernsehfilm nach einem posthum veröffentlichten Roman von Siegfried Lenz erinnert die ARD ans Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren.

Jannis Niewöhner, Ihre Karriere geht gerade steil nach oben, spätestens seit "Jugend ohne Gott" zählen Sie zu den wichtigsten jungen Gesichtern im deutschen Film. Wie fühlt sich das an? 

Ein bisschen absurd, ehrlich gesagt. Es passiert zurzeit so viel Tolles, es gibt so viele Erfolge – ich muss jetzt lernen, ganz auf mein Bauchgefühl zu hören. Ich will nicht nur schauen, welches jetzt der beste Karriereweg sein könnte, sondern mich trauen, mich zu fragen: Was will ich wirklich? Das ist ein großer Schritt, aber ich bin dabei. 

Und wenn Hollywood bei Ihnen anklopft? 

Wenn es passiert, ist es schön, aber ich verfolge da keinen Plan. 

Ich muss jetzt lernen, ganz auf mein Bauchgefühl zu hören.

Jannis Niewöhner

Mit Kinofilmen wie der Fantasyromanze "Rubinrot" wurden Sie zum Teenieschwarm. Ein Image, das Sie jetzt abschütteln wollen? 

Über dieses Image denke ich gar nicht mehr nach. Ich lese das mit dem Mädchenschwarm zwar ab und zu noch, aber aus meiner Warte sind schon so viele Sachen passiert, dass ich mich damit nicht mehr befasse. Ich mache bestimmt irgendwann wieder einen Fantasy-Film oder eine Komödie. Aber gerade freue ich mich, dass ich mich mit neuen Sachen beschäftigen kann, die mich weiterbringen. 

In der Siegfried-Lenz-Verfilmung "Der Überläufer" spielen Sie einen deutschen Soldaten, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zur Sowjetarmee überläuft. Kannten Sie das Buch schon vorher? 

Ich kannte es vorher nicht, sondern bin erst durch das Drehbuch auf den Roman gekommen. Es ist immer großartig, bei der Verfilmung eines tollen Romans dabei zu sein, weil eine Buchvorlage uns Schauspielern eine Fülle an Informationen gibt. Da wird eine ganze Welt gezeichnet, viel stärker als ein Drehbuch das leisten kann, das ja meistens nur aus rund 100 Seiten besteht. 

Haben Sie sich besonders auf die Rolle des ausgezehrten Ostfront-Soldaten vorbereitet? 

Ich habe versucht, ein bisschen abzunehmen, habe mich mit dem Zweiten Weltkrieg befasst – und ich hatte Militärtraining. 

Was ist das? 

Da geht es um so Fragen wie: Wie haben die Soldaten damals das Gewehr gehalten? Wie hat man sich aufgeteilt, wenn man zu dritt im Wald unterwegs war und beschossen wurde? Wie ist man gekrochen? Wenn man liegt, müssen die Fersen zum Beispiel auf dem Boden sein und dürfen nicht in die Höhe ragen. 

Jannis Niewöhner als Walter Proska.
Jannis Niewöhner als Walter Proska.
Foto: NDR/Dreamtool Entertainment

Waren die körperlichen Strapazen die größte Herausforderung bei diesem Dreh?

Die größte Herausforderung lag in der extrem knappen Vorbereitungszeit, die wir hatten. Ich wurde zwar schon etwa ein Jahr vorher gecastet, aber dann ging es auf einmal sehr schnell los und es war wenig Zeit da. Die körperlichen Belastungen durchzustehen war allerdings auch nicht ohne. Dazu kam der Druck, dass ich 55 Drehtage hatte, eine Zeit, in der man als Team sehr gut zusammen funktionieren muss. 

Der Soldat Walter, den Sie spielen, erlebt die ganze Barbarei des Krieges und desertiert schließlich. Später macht er in der DDR Karriere, erkennt aber auch die Schwächen des sozialistischen Apparats. Welche aktuellen Bezüge sehen Sie in dem Stoff? 

Walter lebt als Soldat der NS-Zeit in einem System, von dem er absolut abhängig ist. Sein Pflichtgefühl befiehlt ihm, gewisse Dinge zu tun, falsche Dinge – zum Beispiel zurück an die Front zu gehen. Doch dann schärft sich sein Empfinden für das, was richtig und was falsch ist. Ich glaube, viele Menschen haben sich nach dem Krieg eingeredet, dass das, was sie getan haben, legitim war. Und das kann Walter nicht, er ist seinem ganz persönlichen Rechtsempfinden treu. Und das ist gerade in einer Zeit wie unserer, die politisch immer instabiler und ungewisser wird, sehr wichtig. 


WESTDEUTSCHER RUNDFUNK KÖLN
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Vor welchen moralischen Herausforderungen steht denn die junge Generation von heute? 

Auch meine Generation muss sich auf ihren moralischen Kompass verlassen. Es gibt im Alltag viele Fragen, bei denen das moralische Empfinden eine Rolle spielt. Beim Fleischkonsum meldet sich zum Beispiel immer öfter mein Gewissen, und darüber bin ich auch froh. Ich esse kaum noch Fleisch, weil in meinem Herzen und meinem Kopf angekommen ist, wie wichtig das ist. Außerdem leben wir in einer Zeit, in der jeder meint, er muss was ganz Besonderes sein. Ich glaube, die Jugend darf bei aller Individualität ihr Gemeinschaftsgefühl nicht verlieren und muss die richtigen Werte bewahren. 

Mit dem Film wird das Kriegsende vor 75 Jahren gewürdigt. Was verbinden Sie mit dieser Thematik? 

Man kann gar nicht oft genug an den Zweiten Weltkrieg erinnern. Was hat dieser Krieg bedeutet und welchen Einfluss hat er auf unsere Gegenwart? Am eindrücklichsten erfährt man das aus Berichten von Menschen, die diese Zeit miterlebt haben, aber das lässt natürlich nach. Filme und Romane können die Erinnerung wachhalten. 

Haben Sie in Ihrer Familie noch mit Zeitzeugen sprechen können? 

Ja, mein Opa war im Krieg, und meine Mutter hat die Zeit danach noch direkt mitbekommen. Beide haben mir von diesem Kapitel deutscher Geschichte erzählt. Aber schon meine eigenen Kinder werden nur noch meine Berichte aus zweiter Hand davon kennen.

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