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International und multidisziplinär
Panorama 4 Min. 08.11.2018

International und multidisziplinär

Bislang haben sich nur Frauen für den neuen Studiengang eingeschrieben.

International und multidisziplinär

Bislang haben sich nur Frauen für den neuen Studiengang eingeschrieben.
Foto: Guy Jallay
Panorama 4 Min. 08.11.2018

International und multidisziplinär

Systembiologie, molekulare Pharmakologie und Neurobiologie kombiniert mit Immunologie in Luxemburg, Frankreich, Deutschland: Das bietet der neue internationale Studiengang Biomedizin. Eine Disziplin, die vor allem Frauen anzuziehen scheint.

von Birgit Pfaus-Ravida

In der biomedizinischen Forschung werden die kleinsten Details des menschlichen Körpers unter die Lupe genommen: Wie verständigen sich unsere Zellen? Warum haben einige Menschen Heuschnupfen, andere nicht? Sind Defekte in bestimmten Genen für bestimmte Krankheiten verantwortlich, und wenn ja, kann man die Fehler berichtigen? Welches Medikament eignet sich am besten zur Behandlung welcher Krankheit? Biomedizin ist ein durch und durch zukunftsfähiger Studiengang, der in vielen Berufen von Nutzen ist. Ob in der Krebsforschung, der Pharma-Forschung, in Verwaltungen, im Lehramt oder sogar in Museen – Biomediziner werden heute vielfältig eingesetzt.

Was vor 20 Jahren mit wenigen Wissenschaftlern begann, soll sich nun auf der internationalen Biotech-Landkarte etablieren: Eine starke Forschung in der Biomedizin soll nicht nur den in Luxemburg ansässigen Patienten dienen, sondern zukünftig auch eines der Standbeine der Luxemburger Wirtschaft werden.


50e anniversaire de la Miami University Dolibois European Center (MUDEC) mit Grand-Duc héritier / Foto: Steve EASTWOOD
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Akademische Wanderklasse

Angesichts der wachsenden Bedeutung akademischer und industrieller Biomedizin-Laboratorien in der Region und im Einklang mit der luxemburgischen Strategie zur Unterstützung von Ausbildung und Forschung in der Medizin bietet der neue „Master of Science in Biomedicine“ eine intensive multidisziplinäre Ausbildung in den Bereichen Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie Neurowissenschaften und Immunologie an. Die Universität Luxemburg hat das internationale Studienprogramm im Fachbereich Biomedizin gemeinsam mit der Université de Strasbourg und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erarbeitet, nachdem es bereits seit zehn Jahren den Master-Studiengang Systembiologie in Luxemburg gibt.

Der Masterstudiengang Biomedizin in Luxemburg, Straßburg und Mainz gliedert sich in vier Hauptteile: drei Semester Studium und eine daran anschließende Masterarbeit. Unter anderem beinhaltet es Zell-Biologie, Mikroskopie, Bioinformatik, Systembiologie und Molekularmedizin. Das erste Semester an der Universität Luxemburg mit Unterricht in thematischen Blöcken gibt einen Überblick über Systembiologie; das zweite Semester an der Université de Strasbourg konzentriert sich auf molekulare Pharmakologie, während sich die Studierenden im dritten Semester an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz insbesondere den Fachbereichen Neurobiologie und Immunologie widmen.

Im vierten Semester absolvieren die Studenten ein Praktikum im Bereich der biomedizinischen Forschung, entweder in einem naturwissenschaftlichen Labor an einer Universität oder bei einem externen Partner.

Sechs der ersten sieben Studentinnen des neuen Master-Studiengangs untersuchen Proben im Labor auf dem Campus Belval.
Sechs der ersten sieben Studentinnen des neuen Master-Studiengangs untersuchen Proben im Labor auf dem Campus Belval.
Foto: Guy Jallay

Frauen auf dem Vormarsch

Der trinationale Masterstudiengang ist an der Uni Luxemburg im September mit sieben Studierenden gestartet – allesamt weiblich. Eine von ihnen ist die 20-jährige Emerentienne Michelin. „Ich habe vorher meinen Bachelor in Biologie und Philosophie in Lyon gemacht. Ich finde es toll, dass dieser Masterstudiengang so generell angelegt ist – man kann danach in verschiedene Richtungen gehen“, erklärt sie. Die Französin findet es interessant, dass im ersten Semester in Luxemburg nicht nur mit der Pipette im Labor gearbeitet wird, sondern die Daten von den Studenten selbst am Computer ausgewertet werden.

Ihre Kommilitonin Rawan Alahmadi, 25 Jahre alt, kommt aus Saudi-Arabien und freut sich über das internationale Flair – genau wie die 26-jährige Perla Saond aus dem Libanon. Sie hat bereits Pharmazie in den USA studiert und schon zwei Jahre gearbeitet. „Dabei habe ich festgestellt, dass ich in der Forschung arbeiten möchte. Ich möchte einfach noch mehr ins Detail gehen. Der Studiengang hier ermöglicht mir das – und auch das Kennenlernen verschiedener Kulturen.“

Sich nicht auf Luxemburg fixieren

Die Studierenden kämen aus verschiedenen Fachrichtungen nach Luxemburg. Mit ihrem trinationalen Diplom würden zukünftige Absolventen dann hervorragende Kenntnisse, Fähigkeiten und Kontakte für ihre spätere Tätigkeit als Führungskräfte, Dozenten oder Forscher in der Pharmaindustrie, in Gesundheitsbehörden oder an Universitäten und Krankenhäusern auf internationaler Ebene erhalten. „Allerdings sagen wir den Studierenden, dass sie sich momentan noch nicht darauf verlassen können, in Luxemburg selbst einen Job zu bekommen. Sie müssen die Flexibilität mitbringen, auch in anderen Ländern zu arbeiten. Im Moment werden noch mehr Biomediziner ausgebildet als Arbeitsstellen im Land vorhanden sind. Der Bereich befindet sich erst im Aufbau – ich bin aber guter Dinge, dass sich alles sehr gut entwickelt.“

Studiendirektor Thomas Sauter (46) ist seit zehn Jahren an der Universität Luxemburg tätig.
Studiendirektor Thomas Sauter (46) ist seit zehn Jahren an der Universität Luxemburg tätig.
Foto: Guy Jallay

Der Start in Luxemburg schaffe für die Absolventen gute Voraussetzungen. Die Datenverarbeitung und -interpretation werde immer wichtiger. Und damit beginnt ja das internationale Studienprogramm im Großherzogtum. „Die Datenverarbeitung und der Umgang mit dem Computer kann auch in anderen Gebieten angewandt werden, etwa im Finanzsektor. Die Studierenden lernen unter anderem Programmiersprachen – das geht darüber hinaus, was früher in den jeweiligen Studiengängen behandelt wurde“, so Sauter. In den ersten Tests hätten die neuen Studierenden sehr gut abgeschnitten.

Sauter selbst ist von seinem Werdegang her auch nicht nur auf eine Disziplin festgelegt: Der 46-jährige Deutsche aus Ulm hat in Stuttgart technische Biologie studiert und als Biotechnologe seine Laufbahn begonnen. Die Datenverarbeitung hat ihn dann aber so fasziniert, dass er auch noch Ingenieur wurde. Vor zehn Jahren implementierte Sauter an der Uni Luxemburg dann die Arbeitsgruppe Systembiologie.

„Im Idealfall können wir demnächst den Studiengang von der Kapazität her ausweiten“, hofft Thomas Sauter. Es würden sich sehr viele Interessierte bewerben, doch die beengten räumlichen Verhältnisse in Luxemburg würden einer Ausweitung derzeit im Wege stehen. Doch ein Ausbau auf dem Campus in Belval steht an: Zu den Gebäuden Biotec 1 und 2 soll ein weiteres hinzukommen.


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19.9. Esch/alzette / Belval / Rentre Academique Uni.lu / Uni / Studenten Foto:Guy Jallay
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