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Influencer: „Reiseartikel funktionieren sehr gut“
Panorama 5 Min. 23.12.2017

Influencer: „Reiseartikel funktionieren sehr gut“

Sun Fonck (Blog: www.sunzibar.com) weiß ganz genau, wie man sich ins rechte Licht rücken lässt.

Influencer: „Reiseartikel funktionieren sehr gut“

Sun Fonck (Blog: www.sunzibar.com) weiß ganz genau, wie man sich ins rechte Licht rücken lässt.
Foto: Christian Wilmes
Panorama 5 Min. 23.12.2017

Influencer: „Reiseartikel funktionieren sehr gut“

Wie wird man eigentlich Influencer? Wie man dabei vorgehen sollte und auf was man genau achten muss, erklären die Luxemburger Bloggerin Sunzibar, die mit bürgerlichem Namen Sun Fonck heißt, und die in Luxemburg lebende französische Influencerin Emilie Higle.

Interview: Lisa Urbé

Für die einen ist es das Unwort des Jahres, für die anderen nicht nur ein Hobby, sondern ein Traumberuf. Die Rede ist vom „Influencer“ – einer Person, die über Instagram, YouTube, Facebook, Twitter oder einen Blog sich und seinen Lebensstil der Öffentlichkeit präsentiert. Damit beeinflussen sie – mal mehr, mal weniger – auch die Meinung und den Geschmack ihrer Follower.

Instagram, Facebook, Twitter oder YouTube: Welche Social-Media-Plattform sollte man nutzen, um als Influencer durchzustarten?

Sun: Am besten laufen immer noch Instagram, YouTube und Snapchat. Wobei es prinzipiell davon abhängt, ob man eher Fotos oder Videos macht und wie viel Text man schreiben will.

Emilie: Ich glaube nicht, dass Facebook oder Twitter die richtigen Plattformen sind, da diese immer weniger genutzt werden ... Instagram ist heute die Nummer eins unter den sozialen Medien. YouTube funktioniert auch sehr gut, da die Leute immer mehr nach Videos verlangen.

Welche Profilgestaltung verspricht den größten Erfolg?

Emilie: Es ist wichtig, persönlich zu sein und die meistmöglichen Informationen zu teilen, um eine Beziehung zur künftigen Zielgruppe aufzubauen.

Sun: Sehr schön ist es, wenn eine klare Linie zu erkennen ist. Wenn man sich also nur auf eine bestimmte Art von Bildern, einen bestimmten Stil der Fotografie oder eine bestimmte Art der grafischen Gestaltung konzentriert. Aber es ist schon schwer, aus der Masse herauszuragen und Sichtbarkeit zu erlangen.

Stündlich oder täglich – wie oft sollte man einen Beitrag erstellen und mit seinen Followern, also den Fans, teilen?

Sun: Mindestens einmal am Tag. Wenn ich manchmal eine Pause von zwei oder drei Tagen einlege, merke ich, dass die Follower und die Likes zurückgehen, da man vom Algorithmus von Instagram anders eingestuft wird. Man sollte also genug posten, damit die Leute dran bleiben. Bei Instagram verlieren die Leute nicht den Überblick, falls man etwas mehr postet. Dort ist es ja nicht wie auf Facebook, wo man mit jemandem befreundet sein muss, um die Inhalte zu sehen. Je nachdem zu welcher Uhrzeit man postet, ist auch ein anderes Publikum da. Deshalb gehen dort keine Inhalte verloren.

Emilie: Wenn man zu viel postet, haben die Leute aber keine Zeit, um alles zu verfolgen und können den Faden verlieren.

Welche Beiträge kommen gut an?

Emilie: Es hängt wirklich von der Zielgruppe und der Nische des Influencers ab. Aber ich muss sagen, dass Reiseartikel sehr gut funktionieren.

Sun: Ich konzentriere mich eher auf Mode und Beauty und als ich irgendwann etwas mit Essen gepostet habe, kam dies gar nicht gut an. Ich bekam nicht mal die Hälfte des üblichen Feedbacks. Auch als ich mal draußen etwas fotografiert habe, das nichts mit Beauty oder Mode zu tun hatte, waren die Leute eher zurückhaltend.

Emilie Higle (Instagram: @mylittlefashiondiary) ist seit drei Jahren hauptberufliche Influencerin.
Emilie Higle (Instagram: @mylittlefashiondiary) ist seit drei Jahren hauptberufliche Influencerin.
Foto: privat

Wie gewinnt ein Influencer neue Fans, sogenannte Follower?

Sun: Viele kaufen Follower, Likes und Kommentare. Diese stammen von Fake-Accounts, also Profilen, hinter denen keine echte Person steht. Ich selbst probiere, immer anderen Leuten zu folgen, damit sie auch mir folgen. Oder ich schreibe Kommentare bei den Sachen, die mir gefallen. Aber das ist sehr anstrengend. Je mehr Follower man hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass wieder neue dazu kommen.

Emilie: Man sollte so viel wie möglich mit seiner Community interagieren – über alle sozialen Netzwerke. Außerdem sollte man aktiv sein, viele Hashtags verwenden und die Qualität seiner Inhalte pflegen, um das Interesse der Leute zu wecken.

Spielt die Sprache, in der ihr die Beiträge verfasst, in einem Land wie Luxemburg eine Rolle?

Emilie: Ja, natürlich. Wenn man sich dazu entschließt, auf Luxemburgisch zu schreiben, wird man nur das inländische Publikum ansprechen. Wenn man sich entscheidet, auf Deutsch zu schreiben, erreicht man beispielsweise die luxemburgischen und die deutschen Fans. Aber in beiden Fällen ist das französische Publikum ausgeschlossen. Ich empfehle Englisch, damit kann man sich mit jeder Nationalität verbinden.

Sun: Viele Follower schätzen die luxemburgische Sprache. Deshalb verfasse ich meine Beiträge auf Luxemburgisch. Aber ich schreibe auch auf Englisch.

Genügt ein Smartphone, um Fotos für seinen Auftritt zu erstellen? Oder sollte man sich eine richtige Kamera zulegen?

Sun: Wenn man Qualität abliefern möchte, sollte man Fotos mit der Kamera machen und nicht nur mit dem Handy.

Emilie: Ein Smartphone kann aber ausreichen, wenn man über die richtigen Apps zur Bearbeitung der Fotos verfügt.

Wie wichtig ist es, auf Fragen und Kommentare der Fans einzugehen?

Emilie: Sehr wichtig. Schließlich ist es ihnen zu verdanken, dass wir die Chance haben, diesen Job zu machen.

Sun: Ich antworte eigentlich jedem, das gebietet die Höflichkeit. Man würde auch nicht als öffentliche Person existieren, wenn man seine Follower nicht hätte. Bei mir kommentieren und liken fast immer dieselben Personen, weil sie wissen, dass ich dies wertschätze, ihnen immer antworte und Danke sage.

Markiert Ihr Eure Aufnahmen mit einem Wasserzeichen, damit Sie nicht auf Fake-Profilen landen?

Sun: Nein, denn ein Wasserzeichen kann man einfach wegschneiden oder überdecken. Darüber sollte man sich keine Gedanken machen, denn sonst kann man gar nicht erst als Influencer anfangen. Inhalte können immer geklaut werden, aber das ist das Risiko bei der ganzen Sache.

Emilie: Ich bin gegen das Wasserzeichen, denn es würde die Schönheit des Fotos verderben. Wir sollten die Arbeit aller respektieren, deshalb habe ich keine Angst davor, dass eines meiner Bilder gestohlen wird.

Gibt es so etwas wie eine Influencer-Ausbildung?

Emilie: Ja. Ich habe zum Beispiel in Luxemburg und Belgien Blogging-Kurse gegeben. Jeden Monat einen anderen: Grafikdesign, mit Marken arbeiten, Social-Networking-Strategien ...

Sun: Es hängt auch viel davon ab, ob man Leute kennt, die einen unterstützen und pushen.

Wer macht eigentlich Eure Fotos? Ein Fotograf? Oder fragt Ihr auch mal Passanten?

Sun: Am besten ist es, wenn man immer die gleichen Personen dabei hat, damit man eine gewisse Stilrichtung entwickeln kann. Aber von der Umsetzung her ist das manchmal sehr schwer. Deshalb greife ich immer auf verschiedene Leute zurück. Aber ich würde niemals einen Fremden bitten, ein Foto zu machen.

Emilie: Auch für mich ist es wichtig, mit den gleichen Leuten zusammenzuarbeiten, um kohärente Inhalte zu schaffen und seinem Stil treu zu bleiben.

Was viele interessiert: Reichen die Einnahmen aus, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten?

Emilie: Ja, ich lebe seit drei Jahren sehr gut von meinem Job.

Sun: Es hängt davon ab ... Im Allgemeinen würde es schon gehen, aber wenn man sich nur auf Luxemburg konzentriert, reicht es natürlich nicht aus. Am besten aufgehoben ist man in einer Metropole wie Paris, da hat man die direkte Nähe zu den Marken und es gibt Agenturen, die einen unterstützen. Ich versuche mein Glück derzeit nur hier in Luxemburg, da ich noch nicht die nötigen Kontakte in Paris habe. Das ist auch gar nicht so einfach ...


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