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Influencer: "Darin liegt auch eine Chance"
Panorama 5 Min. 20.11.2019

Influencer: "Darin liegt auch eine Chance"

Ob Modetrends, Schminktipps oder die besten Sportübungen für eine straffe Figur: Influencer setzen sich in Szene und beeinflussen damit diejenigen, die auf Instagram und Co. unterwegs sind.

Influencer: "Darin liegt auch eine Chance"

Ob Modetrends, Schminktipps oder die besten Sportübungen für eine straffe Figur: Influencer setzen sich in Szene und beeinflussen damit diejenigen, die auf Instagram und Co. unterwegs sind.
Foto: Shutterstock
Panorama 5 Min. 20.11.2019

Influencer: "Darin liegt auch eine Chance"

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Medienwissenschaftlerin Anja Peltzer von der Universität Trier zu den Herausforderungen im Umgang mit Influencern

Influencerinnen und Influencer sind aus unserer Zeit nicht mehr wegzudenken. Anja Peltzer (42) vertritt derzeit an der Universität Trier die Professur für Mediensoziologie. Mit dem "Luxemburger Wort" hat die Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin über den Einfluss von Influencern auf Jugendliche gesprochen.

Anja Peltzer, was macht eine Person zum Influencer? 

Von einem Influencer sprechen wir dann, wenn eine Person ökonomische Interessen verbunden mit einem vermeintlich persönlichen Auftreten in den sozialen Medien an eine relativ große Followerschaft vermittelt. Je nachdem in welcher Sparte man sich bewegt, kann man auch schon davon sprechen, wenn er oder sie nur geringe Followerzahlen hat. Aber dann gibt es natürlich noch die Dagis und Bibis, die Millionen von Followern haben. Zum Vergleich, die Tagesschau auf Youtube hat circa 300.000 Abonnenten. Es gibt ein paar Top-Influencer, der Rest verteilt sich. 

Welchen Einfluss haben sie auf die Jugend? 

Da spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle, je nachdem, um was für einen Influencer es sich handelt und um was für ein Kind, das vor dem Computer sitzt. Die sind ja nicht immer gleich. Dementsprechend läuft der kommunikative Prozess zwischen beiden ganz unterschiedlich ab. Wir haben eine starke Medienwirkung bei Jugendlichen, die relativ wenig über mediale Figuren wissen. Je jünger sie sind, desto größer ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass das Medienwissen noch nicht so ausgeprägt ist. Das ist auch die vermeintliche Gefahr, besser gesagt die Herausforderung der "Digital Natives". Sie sind es gewohnt, mit den Medien groß zu werden, aber sie wissen eben deswegen noch lange nicht alles darüber. Deshalb ist bei Kindern die Gefahr größer, dass sie nicht gleich durchschauen, was das für eine Form von Authentizität ist, die ihnen da begegnet. 

Inwiefern hat das Bild vom vermeintlich perfekten Leben Auswirkungen?

Im Volksmund gibt es ja die Sorge, dass jetzt alle glauben, unser Leben sollte so aussehen wie das von Heidi Klum oder den Lochis. Mir begegnet es aber immer mehr, dass Jugendliche dafür sensibilisiert sind und den Schein der Inluencer reflektieren. Man kann die sozialen Medien verteufeln oder gutheißen, in welche Richtung sie ausschlagen hängt damit zusammen, wie ich mir mein Netzwerk zusammenstelle. Je nachdem, wem ich folge, kann ich in einem unglaublich reflektierten Medienumfeld groß werden. Man kann ja auch Greta Thunberg oder Mr. Wissen to Go folgen statt den Beauty-Kanälen. 

Woher kommt die Sorge um den Einfluss auf die Jugendlichen? 

Ich glaube, dass das Problem insbesondere aus der Elterngeneration kommt, weil diese häufig mit einer genauso geringen Medienkompetenz vor den Influencern sitzt wie ihre Kinder. Es ist aber auch ein Rollenlernen. Das heißt, wenn die Eltern ein medienkompetentes Verhalten vorleben, haben die Kinder auch ein besseres Verständnis. Wenn sie mit ihren Eltern darüber sprechen, dass es bei YouTube Dinge gibt, die sie sehen sollen oder eben nicht, dass es Jugendschutzeinstellungen gibt und dass die Beauty-Influencer nicht ihre besten Freundinnen sind, dann ist das etwas, wovon die Kinder profitieren. Wenn man das aber als Eltern nicht vorlebt oder Angst davor hat, weil man es selbst nicht versteht oder nutzt, verursacht das Irritationen oder vielleicht auch eine naive Rezeptionshaltung. 

Dr. Anja Peltzer
Dr. Anja Peltzer
Foto: Universität

Gab es ähnliche Phänomene auch früher schon? 

Aus medienpädagogischer Perspektive reproduziert sich hier ein Diskurs, den es auch schon gab, als das Kino erfunden wurde. Das galt als Teufelszeug. Jeder Mediatisierungsschub geht erst mal mit einer Sorge einher, dass er die Gesellschaft verrohen könnte. Dabei machen die Medien hier nur sichtbar, was den Mainstream einer Gesellschaft antreibt. Es ist in erster Linie eine Herausforderung für uns Erwachsene, unseren Kompetenzstand zu hinterfragen und zu schauen, was man vorlebt. 

Wie haben sich Influencer vor den sozialen Medien gezeigt?

Der Gestus war ein anderer. Massenmediale Phänomene wie New Kids on the Block, das waren auch Verführungen der Jugend hin zum Konsum. Da wurden T-Shirts gekauft, da wurde die "Bravo" gekauft und der Starschnitt an die Tür geklebt. Bei Influencern wie Bibi kommen sie halt in einem anderen Gewand daher. Wir haben lange gebraucht, um zu verstehen, in was für einem Gewand. Wenn man sich überlegt, wie lange die Rechtsprechung gebraucht hat, um festzulegen, dass das als Dauerwerbesendung gekennzeichnet werden muss, spricht das für sich. 

Kann der Einfluss auch positiv sein? 

Greta Thunberg ist in gewisser Weise eine politische Influencerin. Und wenn man sieht, wie viele Follower sie hat, sieht man auch die Stärke, die so ein Social-Media-Account ausüben kann. Es sind Rolemodels, die den Kindern und Jugendlichen in den Medien dort begegnen, wo die gerade sind – auf YouTube und Instagram. Oder Rezo. Natürlich muss man ihm nicht jedes Wort glauben, aber er und andere setzen auch mal politische Themen. Da liegt eine Chance. 

Wieso sind Influencer gleichzeitig beliebt und verhasst? 

Auch das ist typisch für popkulturellen Mainstream. "Germany's Next Topmodel" ist auch geliebt und verhasst. Es hat irre Einschaltquoten, aber wenn man fragt, wer es schaut, schaut es keiner. Influencer, wer abonniert die? Keiner. Und wenn nur "ironisch". Das gab es bei den Medien schon immer. Das kennzeichnet das Populäre auch, dass es beide Lesarten zulässt. 


Das Geschäft mit den Klicks
Geld in den sozialen Netzwerken verdienen? Längst schon möglich, wie das Beispiel der „Influencer“ zeigt. Diese Menschen, die für Firmen und Produkte im Internet werben, werden für ihre Aktivitäten auf Instagram, Snapchat und Co. bezahlt. Und zwar richtig gut.

Wie entwickelt sich dieses Phänomen Ihrer Meinung nach in Zukunft?

Ich glaube, dass sich da eine Art Werbefigur entwickelt hat, die jetzt erst mal funktionieren wird, weil es die Medien der Zeit sind. Das wird sich entsprechend wandeln mit dem technischen und digitalen Wandel. Ich glaube, diese Influencer-Phänomene sind nichts, wovor man Angst haben muss. Unsere Kinder wachsen in einer medialen Welt auf, wo es notwendig ist, dass sie mit den entsprechenden Kompetenzen ausgestattet werden. Und die Eltern gleich mit. Und das ist das Interessanteste für mich. Dass man die Angst und Irritation auf Seiten der Eltern hat, die das auf die Kinder übertragen und behaupten, die würden nicht verstehen, was da läuft. Da ist eine Wissenslücke, die gefüllt werden sollte, und dann ist das mit den Influencern auch kein Problem mehr. 

Sollte man "Influencer-Kompetenz" in der Schule vermitteln?

Ja, Medienkompetenz. Das betrifft nicht nur Influencer, sondern auch Fake News, Filterblasen ... Und das ist nicht erst in der Schule ein Thema. Kinder wachsen damit auf. Sie sind sehr früh damit beschäftigt, herauszufinden was wirklich ist und was nicht. Das gehört zum Großwerden. Aber spätestens in der Schule sollte es systematisiert werden. Je mehr Kinder an die Hand bekommen, reflektiert und kompetent damit groß zu werden, desto besser.

Celia
Celia
Foto: Unicef Luxemburg

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