„Impact Journalism Day“: Der Sack Reis
Claude Feyereisen, Chef d'édition des „Luxemburger Wort“
Den Medien wird gerne vorgeworfen, allzu oft den berühmten Sack Reis zu bemühen. Jenen Sack Reis, der, um beim Klischee zu bleiben, meist in China umgefallen ist, und über den dann in epischer Breite berichtet wird. Letztlich bilden die umgefallenen Reissäcke aber den Grundstock des Geschäfts der Tagespresse. Dies wiederum, weil die Leser wissen wollen, dass ein Sack Reis umgefallen, und, vor allem, warum! Sie wollen ihr primäres Informationsbedürfnis befriedigt wissen. Der Sack Reis ist zum Synonym geworden für jene Art von Ereignissen, die plötzlich zur Nachricht werden, weil sie einmalig und unvorhersehbar sind und in der Regel negative Konsequenzen für den Menschen haben.
Im Volksmund steht der Sack Reis daneben aber auch für jene Art von Nachricht, die angeblich niemanden interessiert. Anders ausgedrückt: Kaum jemand gibt zu, sich in der Presse über den umgefallenen Sack Reis zu informieren, fast alle wissen dann aber doch Bescheid. Ein Eindruck, der durch einschlägige Studien sowie Online-Statistiken belegt wird. Meldungen, Berichte und Reportagen über Kriege, Konflikte und Katastrophen machen – leider – immer noch den Großteil des Nachrichtenteils der Tageszeitungen aus. Zum einen, weil das Weltgeschehen dies nun einmal bedauerlicherweise hergibt, zum anderen, weil die Leser u. a. genau das von „ihrer“ Zeitung erwarten.
Grund genug, der geschätzten Leserschaft in regelmäßigen Abständen zu zeigen, dass gelegentlich auch positive Meldungen – solche, mit einem konstruktiven Impakt auf Mensch und Material – den Großteil einer Zeitung ausmachen können. Denn das Alltagsgeschäft eines Journalisten besteht keineswegs nur aus schlechten Nachrichten. Dieser Umstand ist der wesentliche Grund, der das „Luxemburger Wort“ dazu bewog, nach 2014 und 2015 ein drittes Mal bei der von „Sparknews“ in Paris ausgehenden, internationalen Initiative „Impact Journalism“ mitzuwirken. Ziel der Aktion ist es, an einem bestimmten Tag im Jahr Ideen und Projekte in den Vordergrund der Berichterstattung zu rücken, die dazu beitragen, irgendwo auf der Welt das Leben einer Gruppe von Menschen zumindest ein wenig zu verbessern. Dieser Tag – der „Impact Journalism Day“ – ist in diesem Jahr der 25. Juni. Am heutigen Samstag also widmen das „Luxemburger Wort“ und über 50 andere namhafte Tageszeitungen aus aller Welt eine Sonderbeilage eben jenen Themen, die einen gleichermaßen nachhaltigen und positiven Impakt auf die Nachwelt haben.
Im Fokus des Dossiers auf wort.lu stehen so u. a. Projekte, die obdachlosen Mitmenschen den Alltag erleichtern, Initiativen, die gesellschaftlich benachteiligten Frauen in bestimmten Regionen der Welt helfen, und Ideen, die der Umweltverschmutzung Einhalt gebieten.
