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Immer mehr Affenpocken-Fälle - bisher keiner in Luxemburg
Panorama 6 Min. 20.05.2022
Fragen & Antworten

Immer mehr Affenpocken-Fälle - bisher keiner in Luxemburg

Die Krankheit äußert sich durch grippeähnliche Symptome und Hautausschläge.
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Immer mehr Affenpocken-Fälle - bisher keiner in Luxemburg

Die Krankheit äußert sich durch grippeähnliche Symptome und Hautausschläge.
Foto: Getty Images/iStockphoto
Panorama 6 Min. 20.05.2022
Fragen & Antworten

Immer mehr Affenpocken-Fälle - bisher keiner in Luxemburg

Seit 1980 gilt die Welt als pockenfrei. Ein verwandter Erreger sorgt nun für eine Infektionshäufung. In Luxemburg gebe es noch keinen Fall.

(dpa/lm) - Zunächst war es ein wohl aus Nigeria eingeschleppter Fall in Großbritannien, inzwischen werden aus immer mehr Ländern Nachweise und Verdachtsfälle von Affenpocken gemeldet. 

Im Großherzogtum und seinen Nachbarländern sei jedoch noch kein Fall detektiert worden, sagte der Epidemiologe Joël Mossong gegenüber Radio 100,7. Er gehe allerdings davon aus, dass die ersten Fälle in den kommenden Tagen festgestellt würden. Verdachtsfälle mit Ausschlag, für den es sonst keinen Grund gebe, sollten sich beim CHL melden und sich – wie beim Coronavirus – einem PCR-Test unterziehen.

Das Ausmaß der Ansteckungen überrascht und lässt Experten aufmerken. Was ist das für ein Erreger und wie besorgniserregend ist der Ausbruch? Fragen und Antworten dazu:

  • Wie ist die aktuelle Situation in westlichen Ländern?

Offenbar hat sich der Erreger bereits längere Zeit unbemerkt in mehreren westlichen Ländern ausgebreitet, am Donnerstag waren dann bereits zahlreiche Nachweise aus Europa und Nordamerika bekannt, darunter aus Großbritannien, Spanien, Portugal, Belgien und Schweden. 

  • Was sind die Affenpocken?

Affenpocken sind eine auf ein Virus zurückgehende Erkrankung. Der Erreger wurde erstmals 1958 in einem dänischen Labor bei Affen nachgewiesen - daher der Name Affenpocken. Fachleute vermuten allerdings, dass der Erreger eigentlich in Hörnchen und Nagetieren zirkuliert, Affen gelten als sogenannte Fehlwirte. Das Affenpockenvirus ist auch auf den Menschen übertragbar.

Großen Schrecken verbreitete früher die Pockenkrankheit, verursacht von einem Virus aus der gleichen Gruppe. An der Infektion starb ein großer Teil der Betroffenen. Die Pockenkrankheit gilt nach Impfkampagnen seit 1980 als ausgerottet.   

  • Wie gefährlich sind die Affenpocken?

Die kursierende Variante des Affenpocken-Virus ruft nach Angaben der britischen Behörde UKHSA meist nur milde Symptome hervor, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen. 


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Dass Erkrankungen in westlichen Ländern tödlich verlaufen, hält der Epidemiologe Paul Hunter von der Universität of East Anglia für sehr unwahrscheinlich. Es sei aber nicht unmöglich, sagte er dem Sender BBC. Alle Altersgruppen und beide Geschlechter gelten dem RKI zufolge als gleichermaßen empfänglich. Von tödlichen Verläufen in Afrika sind demnach vor allem Kinder betroffen.

  • Wo kursieren Affenpocken üblicherweise?

Affenpocken-Infektionen beim Menschen waren bislang vor allem aus Regionen West- und Zentralafrikas bekannt. Der erste Fall einer Affenpocken-Infektion beim Menschen sei 1970 in der Demokratischen Republik Kongo registriert worden, schreibt ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „Plos Neglected Tropical Diseases“. Danach habe sich das Virus in andere Länder Afrikas ausgebreitet, 2003 sei es erstmals außerhalb des Kontinents nachgewiesen worden. 

Im westafrikanischen Nigeria wurden in diesem Jahr nach Angaben der dortigen Gesundheitsbehörde zwischen Januar und Ende April 15 Fälle von Affenpocken erfasst. In Nigeria, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo kam es laut WHO in den vergangenen fünf Jahren immer wieder zu Ausbrüchen. 

  • Ist der aktuelle Ausbruch bei Menschen außerhalb Afrikas ungewöhnlich?

„Die jetzt außerhalb Afrikas auftretenden Fälle sind schon ungewöhnlich und müssen genau untersucht und eine etwaige weitere Verbreitung genau beobachtet werden“, hieß es am Donnerstag vom FLI. „In der Vergangenheit waren die Affenpocken-Ausbrüche begrenzt in der Ausbreitung“, sagte der Virologe Stephan Becker von der Uni Marburg der Deutschen Presse-Agentur. Infektionsketten zwischen Menschen seien ungewöhnlich und müssten eng überwacht werden.

Diese vom Robert Koch-Institut (RKI) zur Verfügung gestellte elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Affenpockenvirus.
Diese vom Robert Koch-Institut (RKI) zur Verfügung gestellte elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Affenpockenvirus.
Foto: DPA

Die WHO rief zu einer rigorosen Verfolgung aller Kontakte von Betroffenen auf. Kliniken und Bevölkerung müssten dafür sensibilisiert werden, einen ungewöhnlichen Hautausschlag von Fachpersonal begutachten zu lassen. Erhärte sich der Verdacht auf Affenpocken, sollten Patienten isoliert werden.

  • Wie wird das Virus übertragen?

Bei den aktuell erfassten Fällen sind in der Mehrheit Männer betroffen, die Sexualkontakte zu anderen Männern hatten. Das Virus scheine sich derzeit vor allem zwischen homo- oder bisexuellen Männern auszubreiten, sagte Becker. Intimkontakt ist aber nur eine Möglichkeit der Übertragung - es ist womöglich Zufall, dass das Virus zunächst in diesen Personenkreis getragen wurde und dann vor allem dort weiter kursierte.


(FILES) In this file photo taken on November 09, 2021 a medical staff member pushes a trolley bed carrying the body of a deceased Covid-19 coronavirus patient in the intensive care unit of Lozenets Hospital in Sofia, Bulgaria. - Europe remains "in the firm grip" of Covid and the death toll on the continent could top 2.2 million this winter if current trends continue, the World Health Organization said on November 23, 2021. Some 700,000 could die in the coming months, the WHO said, as cases creep up across Europe, prompting some countries to reimpose tough restrictions. The WHO expects "high or extreme stress in intensive care units (ICUs) in 49 out of 53 countries between now and March 1, 2022". (Photo by Nikolay DOYCHINOV / AFP)
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Dem RKI zufolge geschieht eine Übertragung auf den Menschen allgemein häufig durch Kontakt mit infizierten Tieren oder tierischem Blut und Sekreten, über das Essen infizierten Affenfleischs sowie Tröpfcheninfektion

  • Wie wird eine Infektion nachgewiesen?

Der Nachweis erfolgt wie beim Coronavirus und anderen Erregern mit einer Probe des Betroffenen über einen sogenannten PCR-Test. Ist Affenpocken-Virus enthalten, wird gezielt dessen Erbgut in einem speziellen Gerät vermehrt und kann danach leicht nachgewiesen werden.

  • Wie ansteckend sind Affenpocken von Mensch zu Mensch?

Eigentlich gilt das Virus als wenig ansteckend. Bei der aktuellen Infektionshäufung sind die detaillierten Infektionsketten noch weitgehend unklar. Für den ersten bekanntgewordenen Fall in Großbritannien geht die Gesundheitsbehörde UKHSA davon aus, dass er auf eine Ansteckung in Nigeria zurückgeht. Inwieweit es weitere Einträge aus afrikanischen Regionen in westliche Länder gab, ist noch zu klären. Klar scheint aber, dass der Erreger anschließend ungewöhnlich oft an weitere Menschen weitergegeben wurde.

Aktuell scheine die Übertragung bei Affenpocken dabei aber zumindest nicht durch Aerosole zu erfolgen, schätzt der Marburger Virologe Becker. „Dann wäre das Ausbreitungsmuster anders.“

Das von der UK Health Security Agency (UKHSA) zur Verfügung gestellte Bild zeigt Hautläsionen bei Patienten, bei denen Affenpocken nachgewiesen wurden (Bestmögliche Bildqualität).
Das von der UK Health Security Agency (UKHSA) zur Verfügung gestellte Bild zeigt Hautläsionen bei Patienten, bei denen Affenpocken nachgewiesen wurden (Bestmögliche Bildqualität).
Foto: UKHSA/dpa
  • Gab es schon einmal Ausbrüche von Affenpocken?

Außerhalb von Afrika wurden Affenpocken-Infektionen beim Menschen bisher überhaupt erst wenige Male nachgewiesen. Die Häufigkeit scheint allerdings zuzunehmen. Im Jahr 2021 gab es der WHO-Statistik zufolge fünf erfasste Infektionen im Vereinigten Königreich und in den USA. Dreimal waren Menschen betroffen, die sich in Nigeria aufgehalten hatten, bei einem dieser Patienten steckten sich in Großbritannien zwei Familienmitglieder ab.

  • Was sind die Symptome von Affenpocken?

Zu den Symptomen zählen: plötzlich einsetzendes Fieber, starke Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Halsschmerzen, Husten, häufig auch Lymphknotenschwellungen. Typisch ist zudem ein vom Gesicht auf den Körper übergreifender, pockentypischer Ausschlag. Selten treten Erblindung und entstellende Narben als Dauerschäden auf.

  • Mit welchen anderen Infektionskrankheiten können die Affenpocken verwechselt werden?

Nach UKHSA-Angaben kann der Ausschlag in bestimmten Phasen der Erkrankung Windpocken oder Syphilis ähneln. Das RKI sensibilisierte Ärzte in Deutschland: Affenpocken sollten auch dann bei unklaren pockenähnlichen Hautveränderungen als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden, wenn die Betroffenen nicht in bestimmte Gebiete gereist seien. Männer, die Sex mit Männern haben, sollten laut RKI bei ungewöhnlichen Hautveränderungen „unverzüglich eine medizinische Versorgung aufsuchen“.

  • Gibt es eine schützende Impfung?

Eine zugelassene Impfung speziell gegen Affenpocken gibt es nicht. Historischen Daten zufolge schützt aber eine Pockenimpfung gut vor Affenpocken – und das wohl lebenslang. Eine Impfung mit diesem Impfstoff gilt daher als mögliche Maßnahme, um zumindest Kontaktpersonen von Affenpocken-Infizierten zu schützen. Paul Hunter von der Universität of East Anglia zufolge hilft das „ziemlich effektiv“. Entsprechende Vorräte sind demnach vorhanden und können bei Kontaktpersonen eingesetzt werden.

  • Wie wird die Infektion behandelt?

Behandelt werden die Symptome sowie mögliche bakterielle Sekundärinfektionen, eine speziell gegen Affenpocken gerichtete Therapie gibt es nicht.    

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