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„Ich wollte Nonne werden“
Familien- und Karrieremensch in einer Person: Die dreifache Mutter 
Maite Kelly – selbst übrigens das zweitjüngste Kind unter zwölf 
Geschwistern – ist seit 2007 als Solokünstlerin aktiv.

„Ich wollte Nonne werden“

Foto: Edith Heldt
Familien- und Karrieremensch in einer Person: Die dreifache Mutter 
Maite Kelly – selbst übrigens das zweitjüngste Kind unter zwölf 
Geschwistern – ist seit 2007 als Solokünstlerin aktiv.
Panorama 2 6 Min. 17.10.2018

„Ich wollte Nonne werden“

Vom Elternschreck zum Schlagerstar: Maite Kelly hat den Wechsel mit Bravour geschafft. Im Interview spricht die Sängerin über böse Gerüchte, politische Statements und ihren Einsatz für die Kirche.

Interview: Olaf Neumann

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit haftete dem Schlager ein verstaubtes Image an. Heute kommt er frisch, modern und zukunftsorientiert daher – dank Sängerinnen wie Maite Kelly. Die 38-Jährige, die als Mitglied der Kelly-Family europaweit die Hitlisten stürmte, ist mittlerweile als Solokünstlerin zur Chartgarantin avanciert. In die Schlagzeilen gerät die Deutsch-Irin jedoch meist aus anderen Gründen, etwa wegen ihrer Trennung von Ehemann Florent. Nun präsentiert Maite Kelly ihre neue Platte „Die Liebe siegt sowieso“, mit der sie eine positive, lebensbejahende Botschaft in die Welt hinausschicken will.

Maite Kelly, wie schreibt man eigentlich authentische Liebeslieder mit hohem Gänsehautfaktor?

Indem man Erlebtes aufschreibt und vielleicht auch mal zulässt, den Schmerz zu spüren. „Heute Nacht für immer“ zum Beispiel ist nicht autobiografisch, aber ein sehr ehrlicher Song. Wenn man eine Beziehung eingeht, dann fängt es ja mit der ersten Nacht an. Das ist auch ein gewisses Risiko, man will ja den längsten One-Night-Stand der Welt. Ich habe bei der Platte nicht versucht, klug zu schreiben, jede Zeile kommt aus meinem Herzen und ich wollte Gänsehautworte. Ich wollte selber eine Gänsehaut, wenn ich sie singe.

Machen Sie Platten wie „Die Liebe siegt sowieso“, weil Sie sich nach einem Land mit mehr Liebe und Mitgefühl sehnen?

Ich habe in meinem Leben so viel Liebe erfahren, gerade auch in der Gemeinschaft. Ich gehe auf die 40 zu und bin am Ende der vielleicht ersten Hälfte meines Lebens. Wenn ich alle meine Höhen und Tiefen zusammenrechne, komme ich zu dem Schluss: Die Liebe siegt sowieso. Und zwar gegen alle Schwierigkeiten. Eigentlich wird ein Mensch wie ich kein Popstar, ich sehe ja nicht aus wie Cinderella. Das macht keinen Sinn. Ich bin aber der lebende Beweis, dass die Liebe siegt. Es gab immer dann doch einzelne verrückte Leute, die an mich geglaubt haben. Weil sie glaubten, dass ich gut schreiben kann und dass meine Worte gehört werden sollen. Ich empfinde dies als ein Geschenk.

Nervt es Sie, dass Details aus Ihrem Privatleben sofort an die Öffentlichkeit gelangen?

Es sind ja keine privaten Details, sondern pure erfundene Geschichten! Das ist unethisch und eine Schande für das Berufsethos eines jeden Journalisten. Mein Vater sagte immer, der Dorfklatsch sei kein Problem, solange es nicht zu deiner Realität gehört. Mir tut es weh, wenn überall steht, ich sei schwanger von irgendeinem Schauspieler, den ich noch nie in meinem Leben gesehen habe. Dann muss ich meiner Tochter erklären, dass diese Zeitungen mit der Lüge Geld machen. Ich lasse mich aber nicht davon abbringen, ihr ein Vorbild in allem zu sein. Ich versuche, so wahrhaftig wie möglich meine Menschlichkeit vorzuleben.

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Deutschlands erfolgreichste Schlagersängerin Helene Fischer wurde öffentlich dazu aufgefordert, sich politisch zu äußern. Wie denken Sie darüber?

Ich finde diese Hetze gegen meine geliebte Kollegin nicht angebracht. Sie hat genug Morddrohungen erhalten und genug Kram am Hals. Ich kann absolut nachvollziehen, dass jemand, der so erfolgreich ist wie Helene Fischer, mit politischen Statements vorsichtig ist. Man muss auch mal die andere Seite der Medaille sehen. Roland Kaiser hat öffentlich über Pegida gesprochen, aber niemand will wissen, wie viel Angst seine Frau monatelang hatte, weil es Morddrohungen gab. Man kann nicht erwarten, dass Künstler wie Politiker agieren. Außerdem weiß man nicht, was eine Helene Fischer privat politisch alles leistet. Ich befürworte eher, Politik zu leben. Deswegen bin ich auch in der katholischen Kirche sehr aktiv.

Wie sehr hat Sie als Mutter und Katholikin der Missbrauchsskandal in Ihrer Kirche getroffen?

Es ist klar, dass einiges geändert werden muss. Ich bin eine Mitschwester, und wenn da ein paar Brüder etwas verbockt haben, muss das auf den Tisch gelegt werden. Das geht gar nicht! Da ist die brüder- und schwesterliche Korrektur sehr wichtig, weil: Die Kirche bin ich. Christus sind wir. Und wer an Christus glaubt, gehört zur Kirche. Ich möchte mich genauso für die Wahrheit einsetzen wie zum Beispiel ein Bischof. Aber ein Bischof ist genauso menschlich wie ich. Nur, wo die Wahrheit ist, gibt es Barmherzigkeit. Wir Katholiken durchleben gerade eine schmerzliche Zeit, aber der Missbrauch muss aufgearbeitet werden, und Dinge müssen sich ändern.

Sollte der Zölibat abgeschafft werden?

Gottgeweihte Menschen sollten in einem Zölibat leben dürfen. Das gab es auch schon vor der katholischen Kirche. Ich wollte selber Nonne werden. Diese Option habe ich immer noch. Den Zölibat kann man vielleicht nicht mit dem Verstand begreifen, es gibt aber viele tolle Menschen, die alleine und eigentlich zölibatär leben. Sie können es sehr gut mit sich selbst aushalten. Man könnte ausgebildete Priester selbst entscheiden lassen, wie sie leben wollen. Ich glaube nicht, dass Pädophilie etwas mit dem Zölibat zu tun hat; Missbrauch gibt es leider überall, auch in der Familie. Wo Menschen sind, werden Fehler gemacht. Nichtsdestotrotz sollten Verbrechen, die im Raum stehen, benannt und für die Opfer Gerechtigkeit eingefordert werden.

Wie gehen Sie mit Versuchungen wie männlichen Groupies oder Drogen um?

(lacht) Um Gottes willen, ich bin eine Mutter von drei Kindern! Ich lebe auf einer Tournee noch disziplinierter als privat. Ich habe nie Drogen genommen. Das Einzige war Ibuprofen gegen Entzündungen in meinen Schultern. Ich mache nach den Konzerten keine Autogrammstunden, weil ich da zu viel rede und deshalb Verhärtungen an den Stimmbändern kriege. Ich singe auf der Bühne mit viereinhalb Oktaven, manchmal mit fünf. Die Höhen sind einfacher zu singen im Gegensatz zu den Tiefen. Dafür müssen meine Stimmbänder vollkommen entlastet sein und da gehören Disziplin und Verantwortung einfach dazu.

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Schreiben Sie gezielt Songs für eine Fünf-Oktaven-Stimme?

Man muss es nicht übertreiben. Ich könnte mit meiner Stimme viel mehr machen, aber das ist nicht das Ziel. Das Beste ist, wenn der Zuhörer nur mich fühlt und gar nicht mehr darüber nachdenkt, was ich da mache. Aber als Technikerin muss ich schon wissen, was ich tue. Ich spiele auf meiner Tournee 30 Konzerte, und ich will jeden Abend die gleiche Leistung garantieren. Das ist mein Job. Aber von der Decke fliegen muss ich nicht. Das kann Helene besser. Was ich auf der Bühne mache, sind Hochleistungen. Ich tanze viel und muss verantwortlich mit meinem Körper umgehen. Ich trinke keinen Alkohol und feiere sehr selten mit meiner Crew, weil ich am nächsten Morgen oft wieder die Kinder habe. Ich bin eigentlich ziemlich langweilig.

Bei einem Auftritt in einem Lokal in Bottrop machten Sie vor ein paar Monaten einen betrunkenen Eindruck und übergossen die Partygäste mit Bier.

Daran sieht man, wie man heutzutage im Internet völlig aus dem Kontext gerissen werden kann. Ich wurde in ein Tanzlokal in Nordrhein-Westfalen eingeladen, weil ich unbedingt mal sehen wollte, wie die Menschen zu meinen Liedern tanzen. Die Bühne lag tiefer als die Tanzfläche, weshalb ich auf die Biertheke geklettert bin. Dort habe ich einen Kollegen parodiert. Ich muss das gut gespielt haben. Der Auftritt wurde dann im Internet aus dem Kontext gerissen und als Absturz nach meiner Trennung dargestellt. Ich habe daraus gelernt und eine neue Regel: Ab jetzt mache ich Comedy nur noch auf meiner eigenen Bühne! Meine Liveshow hat nämlich diese drei Elemente: Drama, Comedy und Euphorie. Vor lauter Freiheit, die wir heutzutage im Internet haben, verliert man auch ein Stück von seiner persönlichen Freiheit. Das ist sehr schade, denn ich bin eigentlich eine Befürworterin der Freiheit.


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