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„Ich war ein Spätzünder“
Panorama 1 5 Min. 13.11.2021 Aus unserem online-Archiv
Jeff Goldblum im Interview

„Ich war ein Spätzünder“

Auf Tuchfühlung mit dem lebenden Objekt: Folge 5 der neuen Staffel von „The World According to Jeff Goldblum“ dreht sich um das Thema Hunde. Jeff Goldblum sucht daher den Kontakt zu den kuscheligen Vierbeinern.
Jeff Goldblum im Interview

„Ich war ein Spätzünder“

Auf Tuchfühlung mit dem lebenden Objekt: Folge 5 der neuen Staffel von „The World According to Jeff Goldblum“ dreht sich um das Thema Hunde. Jeff Goldblum sucht daher den Kontakt zu den kuscheligen Vierbeinern.
Foto: Disney+
Panorama 1 5 Min. 13.11.2021 Aus unserem online-Archiv
Jeff Goldblum im Interview

„Ich war ein Spätzünder“

Schauspieler Jeff Goldblum spricht über seine Wissenschaftsserie, seine großen Erfolge und seine Liebe zur Musik.

Interview: Mariam Schaghagi  

Er spielte Hippies, Pianisten, Außerirdische und sogar mal Jesus. Das Schrille und Schrullige ist seine Spezialität, zumindest auf der Kinoleinwand. Nebenberuflich ist Jeff Goldblum als Welterklärer tätig. In der Doku-Serie „The World According to Jeff Goldblum“ geht der 69-Jährige Alltagsthemen auf den Grund. Auch die zweite Staffel – jetzt abrufbar bei Disney+ – ist eine Art „Sendung mit der Maus“ für Global Citizen, natürlich mit der gewohnten Lässigkeit und einem Augenzwinkern.

Jeff Goldblum, warum will ein erfolgreicher Schauspieler auch noch unbedingt die Welt erklären? Sind Sie gerne Lehrer? 

Meine Neugier ist mein Motor, ob bei neuen Rollen oder unbekannten Fakten und Hintergründen. Mir darf es nicht langweilig werden. Und dann ist es wohl so, dass Dinge, die mein Interesse wecken, so viele andere auch interessieren. 

Hat Ihre Neugier Sie auch schon mal zu wirklich verrückten Dingen geführt? 

Ja, ich traf mich mal mit einem Medium. Der Typ behauptete, mit Energien Operationen durchführen zu können. Mit der Kraft seiner Aura könne er sogar Tumore entfernen. Ich glaube, er hat bei seinen Séancen einfach nur eine Hühnerleber aus dem Ärmel gezaubert. Aber ich konnte trotzdem nicht widerstehen, ihn aufzusuchen und zu sehen, was er so treibt. 

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Unter welchem Vorwand haben Sie den vermeintlichen Wunderheiler aufgesucht?

Als er nach Beschwerden fragte, meinte ich wahrheitsgemäß: „Na ja, ich trage eine Brille. Ich kann entfernte Sachen nur sehr verschwommen sehen.“ Ich sollte mich auf einer Liege platzieren und er holte … eine Bibel raus! (lacht) Die hielt er sehr sorgfältig vor mich hin und ging einige Momente in sich. Nach einer Weile sagte er mit viel Pathos: „Sir, Sie haben eine Blockade hinter Ihren Augen. Ich werde sie für Sie lösen.“ (lacht) Dann fuchtelte er an mir rum, eine Assistentin kam noch zu Hilfe, offenbar reichte er für meine Blockade nicht aus. Plötzlich sagte er: „Ich hab’ sie erwischt, ich hab’ sie!“ Ich sagte: „Oh wirklich? Kann ich sie sehen?“ Er zeigte mir irgendeinen Fleischfetzen. Den packte er sorgfältig weg und erklärte, dass ich noch drei Mal kommen müsste. Natürlich ging ich nie mehr hin. So verdienen sie Geld: zeigen einen billigen Zaubertrick und kassieren über Wochen bei Leuten ab. Wie Sie sehen, trage ich meine Brille immer noch. 

Haben Sie sich je von Spiritualität leiten lassen? 

Ich hatte mal eine New-Age-Phase, bei der ich mich mit spirituellen Themen beschäftigte, die teilweise schon recht verrückt waren. Zu der Zeit versuchte ich als Schauspieler Fuß zu fassen und achtete stark auf meine Gefühle und Befindlichkeiten, die ich ja beruflich einsetzen wollte. Trotzdem waren mir Fakten immer wichtig. Ich habe mich auch viel mit Naturwissenschaft auseinandergesetzt, schon, weil ich in meiner Karriere immer wieder Wissenschaftler gespielt habe. 

Auch in Ihren größten Erfolgen, in „Jurassic Park“ und „Independence Day“, spielten Sie Forscher. Wären Sie gern Wissenschaftler? 

Oh ja. Aber erst „Jurassic Park“, wo ich den Mathematiker spiele, schenkte mir diesen Appetit auf Wissenschaft. Als Kind war ich gar nicht wissenschaftlich veranlagt. Ich liebte Sport, Malerei, Schauspielerei. Dabei war mein Vater Arzt und hätte sich gefreut, wenn ich mich damals für Naturwissenschaften interessiert hätte. Später unterhielten wir uns oft über wissenschaftliche Ansätze, ich habe mittlerweile größte Hochachtung vor Forschern. Vielleicht lag es auch an einem Buch, das ich mal las, das die Wissenschaft sehr cool, romantisch und sexy erscheinen ließ. 

Was macht eine Rolle für Sie besonders attraktiv? Dass sie extrem exzentrisch ist? 

Ich spiele gerne Menschen, die mit sich selbst zu kämpfen haben, auch, wenn man es ihnen im ersten Moment nicht ansieht. Wir versuchen doch alle, unsere Unsicherheiten zu überspielen, oder? (lacht) Menschen machen Fehler, niemand ist perfekt. 

Meine Neugier ist mein Motor, ob bei neuen Rollen oder unbekannten Fakten und Hintergründen.

Sie spielten aber auch Anwälte, Straßenräuber, einen Clown, einen Hund und natürlich: „Die Fliege“. Mit welchem Gefühl schauen Sie auf Ihre Karriere? 

Ich bin glücklich. Und dankbar. Ich hatte wirklich Schwein. Ich bin so ein Typ ewiger Student, ich hätte noch lange weiterlernen können. Meine Schauspiellehrerin sagte damals: „Du musst 20 Jahre spielen, um Dich überhaupt Schauspieler nennen zu können. Und ab dann gibt’s noch viel zu lernen!“ Das habe ich mir zu Herzen genommen. Ich werde immer nach Gelegenheiten suchen, um etwas Neues zu lernen. 

Zum Star wurden Sie 1986 mit David Cronenbergs „Die Fliege“. Empfinden Sie Ruhm als persönliche Leistung, auf die Sie stolz sind? 

Ich weiß, dass ich viel Glück in meinem Leben hatte. Allein, dass ich über mehrere Jahrzehnte mit den brillantesten Regisseuren drehen durfte, Spielberg, Anderson, Cronenberg, Altman, Taika Waititi – als junger Student hätte ich mir das nie erträumt. Ich war ein Spätzünder, aber dafür lief es dann phänomenal gut für mich. 

Sie sind mit einem weiteren großen Talent gesegnet: Sie spielen Klavier und singen. Hat es Sie nie gereizt, Jazz-Profi zu werden statt Schauspieler? 

Ich singe gerne, das ist mein Hobby. Ich spiele zuhause oft, ich liebe zum Beispiel brasilianischen Jazz, und bin auch mal mit Freunden in Clubs aufgetreten. Heute spiele ich als Pianist mit einem Jazz-Ensemble zusammen, dem Mildred Snitzer Orchestra, wir brachten sogar eine Platte raus. Ich hoffe, dass wir bald unsere geplante Tour nach Berlin, Paris und London antreten können. Dafür übe ich ganz diszipliniert mehrere Stunden am Tag. Meine Frau kann das bestätigen. Ich war noch nie so gut wie heute, und das ist ein großartiges Gefühl. Aber vieles kam eben erst spät in meinem Leben dazu. 

Haben Sie sich in den letzten 20 Jahren verändert? 

Hmh, mal sehen. Ich bin beruflich sicher entspannter geworden. Ein paar meiner unnötigen Macken habe ich eliminiert. Ich habe mehr Selbstvertrauen. Außerdem hat meine Frau Emily mich verändert, besonders die Tatsache, dass wir am Unabhängigkeitstag 2015 zum ersten Mal Eltern wurden. Mit kleinen Kindern bleibt man immer neugierig und verspielt.

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