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„Ich mache nur das, was mir Spaß macht“
Panorama 6 Min. 30.09.2018

„Ich mache nur das, was mir Spaß macht“

Birgit Schrowange stellte bei Adler Mode in Strassen ihre erste eigene Kollektion vor.

„Ich mache nur das, was mir Spaß macht“

Birgit Schrowange stellte bei Adler Mode in Strassen ihre erste eigene Kollektion vor.
Foto: Gerry Huberty
Panorama 6 Min. 30.09.2018

„Ich mache nur das, was mir Spaß macht“

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Birgit Schrowange stellte vergangene Woche in Luxemburg ihre erste eigene Kollektion für die Marke Adler vor. Im Interview spricht die Moderatorin über Mode, Social Media und ihr graues Haar.

Birgit Schrowange, die Höflichkeit verbietet es, mit Frauen über ihr Alter zu sprechen. Wir machen es trotzdem: Wie fühlt es sich an, 60 zu sein?

Ich fühle mich überhaupt nicht wie 60, eher wie 35. Wenn ich die Sechs davor sehe, dann denke ich immer, dass mein Personalausweis lügt. Meine Großmutter hat sich, als sie 60 war, schwarz angezogen und ist nur noch selten aus dem Haus gegangen. Heute ist das Alter nur noch eine Zahl. Meine Mutter ist zum Beispiel 84 und immer noch jung geblieben. Andere sind mit 40 schon alt und nicht mehr neugierig. Natürlich bleibt einem mit 60 nicht mehr so viel Zeit, das ist klar. Aber das Alter hat auch Vorteile: Die Pflicht ist getan, jetzt kommt nur noch die Kür. Der Lebenskampf ist vorbei, die Karriere läuft.

Sie wollten, ich zitiere Sie, immer eine „coole Alte“ werden. Sind Sie auf dem besten Weg dahin?

Eine coole Alte, das bedeutet für mich, zu sich zu stehen und nicht an sich rumschnippeln zu lassen. Der Anfang ist bei mir gemacht: Ich habe meine grauen Haare rauswachsen lassen. Aber das bedeutet nicht, dass ich uneitel bin. In meinem Badezimmer sieht es aus wie in einer Reparaturwerkstatt … überall steht „repair“ drauf. Ich gehe auch zur Kosmetikerin, schütze mein Gesicht vor Sonne und versuche, meine Figur zu halten. Aber ich akzeptiere, dass ich nicht mehr so aussehe wie mit 30.

Sie stehen schon seit 24 Jahren für „Extra – Das RTL-Magazin“ vor der Kamera. Wird Ihnen das Konzept nicht langsam mal langweilig?

Nein, bislang nicht. Ich denke aber schon darüber nach, wann der beste Zeitpunkt zum Aufhören ist. Ich möchte auf keinen Fall ein weiblicher Johannes Heesters werden. In den kommenden Jahren möchte ich etwas kürzer treten und das Leben mehr genießen.

Momentan läuft es bei Ihnen aber noch richtig rund: Es gibt eine Zeitschrift, die Ihren Namen trägt, und Sie sind das Werbegesicht der Marke Adler. Hat Ihnen Ihre neue – und eigentlich natürliche – Haarfarbe neuen Antrieb verschafft?

Ich glaube, dass die Leute einfach merken, dass ich authentisch bin und mich nicht heimlich botoxen lasse. Außerdem bin ich eine lebensfrohe, bodenständige Person … und vielleicht ist es tatsächlich so, dass das auch alles mit der Haarfarbe zusammenhängt. 

Birgit Schrowange und ihr Partner Frank Spothelfer.Die Moderatorin pendelt wegen ihrer neuen Liebe seit einem Jahr jedes Wochenende in die Schweiz.
Birgit Schrowange und ihr Partner Frank Spothelfer.Die Moderatorin pendelt wegen ihrer neuen Liebe seit einem Jahr jedes Wochenende in die Schweiz.
Foto: dpa

Ihre grauen Haare haben Sie erstmals vor rund einem Jahr präsentiert. Erschrecken Sie sich noch manchmal, wenn Sie in den Spiegel schauen?

Wie finden Sie mich denn? (lacht) Ich erschrecke mich nicht, es war ja schließlich immer mein Herzenswunsch. Ich hätte es auch schon gerne früher gemacht, aber es gelang mir erst spät, meine Vorgesetzten zu überreden. Und meinen Freund habe ich noch mit Perrücke kennengelernt. Und der hat immer gesagt: Frauen mit kurzen Haaren sind ein absolutes No-Go. Darauf habe ich ihm gesagt, dass das Leben kein Wunschkonzert ist und man nicht immer kriegt, was man will. Aber Spaß beiseite: Er findet das super.

Wie lange haben Sie ihm die grauen Haare vorenthalten?

Ich wusste zunächst nicht, wie ich ihm das beibringen soll. Schließlich hat er mich ja als Brünette kennengelernt. Daher habe ich zu ihm gesagt: Ich bin nicht die, für die du mich hältst. Dann habe ich in seiner Wohnung zum ersten Mal die Perücke abgenommen – natürlich mit richtig Muffensausen. Er war schließlich total erleichtert, denn er musste immer an Frauen denken, die nicht so gut mit grauen Haaren aussehen. Ich habe auch viel an Lebensqualität gewonnen. Ich muss nicht mehr im Zwei-Wochen-Rhythmus stundenlang beim Friseur sitzen. Wissen Sie: Das neue Fernsehen ist nicht gerade frauenfreundlich. Dank HD sieht man sofort jeden Ansatz und jeden Pickel. Gerade als Fernsehfrau muss man daher häufiger als andere nachfärben.

Das Medienecho auf diesen Schritt war positiv. Gab es auch Kritik?

Ich sage immer: Everybody's Darling ist Everybody's Depp. 70 bis 80 Prozent finden es gut. Dass andere nicht begeistert sind, sehe ich dann auf meinem Facebook-Account: „Die sieht aus wie 80, wie eine alte Oma.“ Aber darüber lache ich nur. Wenn ich heute in Köln über die Straße gehe, passiert es mir immer noch hin und wieder, dass mir jemand im Auto den Daumen nach oben zeigt. Auch jüngere Männer.

Verfolgen Sie im Netz, was über Sie geschrieben wird?

Nein, ich google mich nicht selbst. Bei Facebook lese ich viele Kommentare, weil ich dort auch öfters mal antworte. Aber die Negativen werden nicht gelöscht. Da stehe ich einfach drüber.

Häufig heißt es, dass mit einer neuen Frisur auch ein neuer Lebensabschnitt einhergeht. Trifft das auch auf Sie zu?

Ja, mein Leben ist komplett rund. Ich mache nur das, was mir Spaß macht. Etwa meine Zeitschrift. Ich führe selbst Interviews, schlage Themen vor und bin bei Redaktionskonferenzen dabei. Fernsehen macht nach wie vor noch Spaß, bei der Zeitschrift habe ich aber das Gefühl, dass es ein bisschen nachhaltiger ist. Man kann sie schließlich immer mal wieder in die Hand nehmen. Auch in die Zusammenarbeit mit Adler stecke ich viel Herzblut. Ich arbeite bereits mit Designerin Uta Raasch an der neuen Sommerkollektion. Wir haben die tollsten Ideen, werden immer mutiger und modischer. Das macht einfach Spaß. Alle anderen Anfragen sage ich meist ab. Ich halte mir die Wochenenden frei, denn ich führe mit meinem Freund eine Fernbeziehung – und wir sehen uns jedes Wochenende. Man muss auch mal „nein“ sagen können. Das habe ich mittlerweile gelernt.

Birgit Schrowange bei der Präsentation ihrer Adler-Mode-Kollektion in Strassen.
Birgit Schrowange bei der Präsentation ihrer Adler-Mode-Kollektion in Strassen.
Foto: Gerry Huberty

Mode scheint Ihnen großen Spaß zu machen. Wie gehen Sie beim Shopping vor?

Ich bin überhaupt kein Marken-Typ. Für mich muss Mode immer unkompliziert und vor allem alltagstauglich sein. Es darf auch nicht so viel kosten. Wenn etwas sehr viel kostet, habe ich immer das Gefühl, dass ich das ständig anziehen muss, damit sich die Ausgabe auch lohnt. Ich sortiere auch gerne mal aus, damit etwas Neues im Kleiderschrank Platz findet. Aber auch nicht zu viel – schließlich soll das Ganze auch nachhaltig sein. Ich achte daher immer auf Qualität.

Was passiert mit den Artikeln, die Sie aussortieren?

Ich habe ganz viele Abnehmer. (lacht) Meine Schwester, meine Mutter, Freundinnen, meine Sekretärin, meine Haushaltshilfe. Die freuen sich sehr, wenn ich zweimal im Jahr aussortiere und alles verschenke. Hochwertige Sachen verkaufe ich in Second-Hand-Läden. Diesen Betrag spende ich dann für eine Organisation in Köln, die sich um benachteiligte Kinder und Jugendliche kümmert.

Sie stehen seit fast 40 Jahren in der Öffentlichkeit. Wie hat sich Ihr Stil in dieser Zeit verändert?

Wenn ich Bilder von früher sehe, dann denke ich immer, dass ich aussah wie eine Joan Collins für Arme. (lacht) Hochtoupierte Haare, knallroter Lippenstift und fieses, fettes Make-up. Das war einfach damals Mode. Riesige Schulterpolster und gigantische Ohrringe. Mein Stil ist heute selbstbewusster, sportlicher, lässiger. Ich versuche zu mir zu stehen und mich nicht zu verkleiden.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den sozialen Medien?

Heute will ja jeder Influencer werden. Aber das ist mehr Schein als Sein. Ich würde heute ungerne jung sein. Man kann das alles gar nicht mehr überblicken. Vieles ist fake, unecht. Jeder stellt sich dar, ist heute hier und morgen dort, hat immer die coolsten Klamotten. Eine richtig narzisstische Gesellschaft, fürchterlich! Natürlich nutze ich auch Facebook und Insta-gram, aber ich versuche, das im Rahmen zu halten, nicht zu viel Privates zu zeigen. Ich will nicht zu viel Zeit darin investieren. Aber so kann ich mit den Leuten immerhin direkt in Kontakt treten, wenn ich etwas zu sagen habe, etwa über meine Kollektion.

Ihr Sohn Laurin ist mittlerweile 18. Wie vermitteln Sie ihm Ihre Wertvorstellungen?

Von meinem Sohn kann ich noch etwas lernen. Er ist sehr sortiert, würde nie zu Facebook oder Instagram gehen. Er möchte seine Privatsphäre wahren. Er will noch nicht mal ein iPhone. „Das bau ich dir für 50 Euro nach“, sagt er. Er will auch nicht in die Öffentlichkeit – und ich bin ganz froh, ihn da auch rausgehalten zu haben. Ich bin sehr stolz auf ihn und würde ihn ja gerne mal zeigen, aber er möchte das nicht.


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