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„Ich bin kein Markenfetischist“
Anna Magdalene – genannt: Aenne – Burda (Katharina Wackernagel) veröffentlichte 1949 die Zeitschrift „Favorit“, die von 1950 an als „Burda Moden“ erschien. Seit 1952 wurden dem Magazin Schnittbögen beigelegt, die es der Leserin erlaubten, die Kleidungsstücke selbst nachzuschneidern.

„Ich bin kein Markenfetischist“

Foto: SWR/Hardy Brackmann
Anna Magdalene – genannt: Aenne – Burda (Katharina Wackernagel) veröffentlichte 1949 die Zeitschrift „Favorit“, die von 1950 an als „Burda Moden“ erschien. Seit 1952 wurden dem Magazin Schnittbögen beigelegt, die es der Leserin erlaubten, die Kleidungsstücke selbst nachzuschneidern.
Panorama 1 5 Min. 05.12.2018

„Ich bin kein Markenfetischist“

Schauspielerin Katharina Wackernagel spricht im Interview über Mode und ihre Rolle als Verlegerin Aenne Burda.

Interview: Cornelia Wystrichowski

Sie wurde schon als Teenager mit der Jugendserie „Tanja“ zum Fernsehstar, inzwischen hat sich Katharina Wackernagel längst zur Charakterdarstellerin gemausert. In dem zweiteiligen ARD-Drama „Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“ (5. und 12. Dezember jeweils 20.15 Uhr) verkörpert sie die berühmte Verlegerin Aenne Burda (1909 – 2005), die nach dem Zweiten Weltkrieg einen der größten deutschen Zeitschriftenverlage aufbaute, bei dem heute Zeitschriften wie „Bunte“, „Elle“ und „Fokus“ erscheinen.

Katharina Wackernagel, Aenne Burdas erste Zeitschrift erschien 1949 – mit Tipps zum Selberschneidern von Mode. Können Sie nähen?

Nein, ich habe keinerlei handwerkliche Begabung mit in meine Rolle gebracht. (lacht) Ich kann gerade mal einen Knopf annähen oder so, aber wie aus einem Schnittmusterbogen ein fertiges Kleid wird, ist mir ehrlich gesagt auch nach den Dreharbeiten immer noch ein Rätsel.

Machen Sie sich viel aus Mode?

Ich weiß ja schon allein von meiner Arbeit her, dass Kleidung unheimlich viel ausmacht. Es ist toll, wenn man in ein Kostüm schlüpfen kann, das einem eine Führung für die Figur verleiht. Privat liebe ich schöne und weich fallende Stoffe, die sich gut anfühlen. Ich ziehe sehr gerne hübsche Kleider an, gerade zum Ausgehen oder für Abendveranstaltungen. Aber es müssen gerade, klare Schnitte sein, ohne viel Chichi – keine Rüschen, Bommeln und Schnüre.

Welche Kostüme tragen Sie als Aenne Burda?

Meine Filmgarderobe basiert auf Schnitten aus dieser Zeit, die mir sofort einen Teil von ihr mitgegeben haben. Aenne Burda war modebegeistert und hatte einen vollen Kleiderschrank, deshalb hatte ich viele tolle Kostüme zur Verfügung. Einiges war mir aber völlig fremd, zum Beispiel der Pelzmantel. Ich habe noch nie im Leben einen Pelzmantel besessen und möchte das auch nicht, aber es war interessant zu spüren, wie es ist, wenn man so einen Sechs-Kilo-Bären auf den Schultern liegen hat. Das macht schon was mit einem.

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Die Handlung des Films beginnt in der Nachkriegszeit, als die meisten Frauen von Mode nur träumen konnten …

Ende der 1940er-Jahre war Deutschland noch grau und zerstört vom Krieg. Aenne Burda wollte den Frauen Farbe, Schönheit und Sinnlichkeit zurückgeben, und dabei spielte bezahlbare Kleidung eine Rolle. Sie lieferte die Schnitte, um sich aus Stoffen selber etwas Tolles zu nähen. Sie hat damit viel verändert und den Frauen etwas gegeben, sonst wäre ihre Zeitschrift wohl kaum so berühmt geworden.

In Zeiten von Billigketten ist Mode inzwischen zum Wegwerfprodukt geworden. Kaufen Sie in solchen Läden ein?

Ich selber bin zwar kein Markenfetischist, weil ich schlichtweg zu geizig bin, Hunderte von Euro für eine Jacke oder eine Hose eines berühmten Designers auszugeben. Ich bin aber auch gar kein Fan der Billigmode-Ketten, weil ich die Massenproduktion ablehne. Natürlich ist es schön, dass alle Menschen möglichst gleichberechtigt einkaufen können. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass diese Massenware unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt wird, unter Ausbeutung von Mensch und Natur. Deshalb kaufe ich bei solchen Ketten höchstens mal Basics wie Socken oder so.

Aenne Burda hat ihre Karriere als Verlegerin in einer Zeit begonnen, als Frauen für viele Dinge noch die Erlaubnis ihres Mannes brauchten.

Sie war eine Vorreiterin der Emanzipation, aber sie selber hat sich meines Wissens nicht so gesehen. Sie sagte, dass sie nie aus politischen Gründen für Gleichberechtigung gekämpft hat, sondern weil es ihr ein persönliches Anliegen war. Dass andere Leute dann davon profitiert haben – umso besser.

Der Zweiteiler beleuchtet die Anfänge von Aenne Burdas Imperium: Ihr Mann, der Drucker und Verleger Franz Burda, hatte sie betrogen. Statt sich scheiden zu lassen, trotzte sie ihm als Entschädigung den Verlag ab …

Sie hat in einem Interview mal mit einem Augenzwinkern gesagt: „Ich bin reich geworden durch Rache.“ Ich glaube, dass es in der Biografie von vielen erfolgreichen Menschen eine persönliche Erschütterung gibt – eine harte Kindheit, eine Krankheit, einen Betrug. Manchmal braucht es im Leben so einen Anstoß. Ich glaube, dass der Schmerz, ausgelöst durch den Betrug ihres Mannes, sie wachgerüttelt und in die Lage versetzt hat, diesen Verlag aufzubauen. Was hätte sie auch sonst machen sollen: sich in die Ecke setzen und verzweifeln?

Was sagt der Verleger Hubert Burda, der jüngste Sohn von Franz und Aenne, zu dem Film?

Ich habe Hubert Burda getroffen, nachdem der Film fertig war. Er hat ihn gesehen und ist offenbar sehr einverstanden damit. Er hat mir eine sehr liebenswürdige Mail geschrieben, in der er sagt, dass er das Gefühl hat, seine Mutter werde in ihrem Temperament und Tatendrang gut dargestellt. Ich finde das bewundernswert von ihm, denn es ist ja eine sehr intime Geschichte, die da erzählt wird, und es war sicherlich nicht immer leicht für die Kinder aus dieser Ehe.

Worin sehen Sie die aktuelle Bedeutung des Stoffes?

Das Thema Frauen in Führungspositionen ist nach wie vor aktuell. Wo stehen wir denn heute? Wir müssen eine Quote einführen, damit Frauen in den Chefetagen gleichberechtigt sind – da hätte man sich Anfang der 1940er-Jahre einen anderen Verlauf vorstellen können. Wir schreiben das Jahr 2018, aber ich habe den Eindruck, dass das Thema Gleichberechtigung noch lange nicht zu Ende erzählt ist. Und ich finde es in unserer schnelllebigen Zeit extrem wichtig zu zeigen, dass gute Ideen einen langen Atem brauchen. Aenne Burda hat immer an ihre Vision geglaubt, sie musste so viele Rückschläge erleiden und hat doch nie aufgegeben. Das bewundere ich.

Gab es im Lauf Ihrer eigenen Karriere auch Hindernisse, mit denen Sie zu kämpfen hatten?

Selbstverständlich gab es auch Enttäuschungen: Rollen, für die ich vorgesprochen habe, die ich nicht bekommen habe, Filme, die nicht finanziert wurden und auch immer wieder Leerlauf. Es gibt Zeiten, in denen ich keine Angebote habe und sich nichts bewegt – das verunsichert mich immer wieder. Obwohl ich schon so lange in dem Beruf arbeite, habe ich noch keine Lösung gefunden, damit umzugehen. Das ist auch einer der Gründe, wieso ich inzwischen selber Filme mache.


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