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„Ich bin kein Literaturkenner“
TV-Urgestein Thomas Gottschalk will Bücherwürmer mit vier „Gottschalk liest?“-Folgen pro Jahr 
beglücken.

„Ich bin kein Literaturkenner“

Foto: BR/Philipp Kimmelzwinger
TV-Urgestein Thomas Gottschalk will Bücherwürmer mit vier „Gottschalk liest?“-Folgen pro Jahr 
beglücken.
Panorama 2 Min. 19.03.2019

„Ich bin kein Literaturkenner“

In seiner Freizeit schmökert er am liebsten Stephen King, jetzt will Thomas Gottschalk die Literatur aus dem Elfenbeinturm herausholen. Der Entertainer moderiert ab Dienstag erstmals eine Büchershow: „Gottschalk liest?“.

von Cornelia Wystrichowski

Thomas Gottschalk mischt das Bildungsfernsehen auf und tritt mit seiner eigenen Büchersendung in die Fußstapfen von Marcel Reich-Ranicki. In „Gottschalk liest?“ plaudert der herbstblonde Sonnyboy am Dienstag um 22 Uhr im BR-Fernsehen erstmals mit Schriftstellern über deren neueste Romane. Wird der Gute-Laune-Onkel der Nation etwa zum bierernsten Kulturvermittler? „Die Leichtigkeit meines Tuns wird sich dadurch nicht ändern, dass ich mit Literatur zu tun habe“, beruhigt Gottschalk, die Show solle in erster Linie unterhaltsam sein.

In der 45-minütigen Auftaktfolge, die Anfang März in Augsburg aufgezeichnet wurde, sind Sarah Kuttner („Kurt“), Ferdinand von Schirach („Kaffee und Zigaretten“), Vea Kaiser („Rückwärtswalzer“) und Daniel Biskup („Wendejahre“) zu Gast. Die Idee zu der Leseshow stammt von Gottschalk selbst, und das Fragezeichen im Titel soll zeigen: Hier wagt jemand was. „Ich muss sagen, dass die Kultur für mich natürlich glattes Eis ist“, gibt der 68-Jährige freimütig zu, das Projekt sei ein Risiko – aber er habe in dieser Phase seiner Karriere ja nichts zu verlieren.


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Oper statt Puppenkiste

Die Nachricht, dass ausgerechnet der ewig gut gelaunte Fernsehstar im Land der Dichter und Denker eine eigene Literatursendung bekommt, schlug voriges Jahr hohe Wellen. Zuvor hatte man Gottschalk kaum in der Hochkulturecke verortet: Jahrelang hatte der Franke ein Millionenpublikum in „Wetten, dass...?“ heiter bespaßt, später saß er in der RTL-Show „Das Supertalent“ an der Seite von Dieter Bohlen in der Jury, in der aktuellen Staffel von Heidi Klums „Germany’s Next Topmodel“ tritt er als Gastjuror auf. „Es gibt ja Menschen, die sich wundern, wenn sie mich in der Oper sehen. Als würde man mich nur in der Augsburger Puppenkiste antreffen“, stellt er trocken fest. In letzter Zeit habe sich sein Bild in der Öffentlichkeit allerdings zunehmend geändert: „Durch die Gesamtverblödung meiner Umgebung bin ich plötzlich in die intellektuelle Ecke gedrängt worden.“

Zu dieser neuen Wahrnehmung hat der Entertainer, der ursprünglich Deutschlehrer werden wollte und Germanistik studierte, bevor er als Moderator durchstartete, selber fleißig beigetragen. Als unlängst seine Villa in Malibu abbrannte, beklagte er, dass eine wertvolle Handschrift von Rainer Maria Rilkes Gedicht „Der Panther“ den Flammen zum Opfer fiel. Die Autobiografie „Herbstblond“ erhielt viel Kritikerlob, und im „Literarischen Quartett“ sprach er 2017 eloquent über Peter Handke. Als neuen Literaturpapst wie einst Marcel Reich-Ranicki sieht sich der Entertainer aber nicht: „Ich bin und bleibe Literaturkaplan.“ Er wolle auch gar nicht mit dem Anspruch an die Bücher herangehen, sie zu bewerten. „Ich will auch mal fragen: Wie hast Du das gemeint? Oder: Das habe ich nicht verstanden.“ Überhaupt, so sagt der bekennende Schnellleser, sei er kein Experte: „Ich bin ein Literaturneugieriger, kein Literaturkenner.“

Sein Motto für die neue Show, die den Spagat zwischen Hochkultur und Massenunterhaltung schaffen soll: „Selbst wenn das Buch mich gelangweilt hat, nicht langweilig darüber zu reden.“


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