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„Ich bin gut zu Vögeln“
Panorama 1 3 Min. 14.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Angry Birds

„Ich bin gut zu Vögeln“

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„Ich bin gut zu Vögeln“

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Panorama 1 3 Min. 14.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Angry Birds

„Ich bin gut zu Vögeln“

Cheryl CADAMURO
Cheryl CADAMURO
Christoph Maria Herbst („Stromberg“) steht regelmäßig in der Sprecherkabine, um Animationsfilme zu synchronisieren. In der Verfilmung von „Angry Birds“ leiht er dem zornigen Federvieh „Red“ seine Stimme. Wir sprachen mit Herbst über seinen Respekt vor Tieren und den Fall Böhmermann.

Interview: André Wesche

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Herr Herbst, sind Sie gut zu Vögeln?

Oioioi! Moment, ich komme am besten noch mal rein. Meine Damen und Herren, es sin(g/k)t für Sie: das Niveau! Bin ich gut zu Vögeln? Ehrlicherweise ja. Ich bin ja Veganer. Deshalb kommen Eier und Hähnchen bei mir nicht auf den Tisch. Ich glaube, da freut sich jeder Vogel. Das wird im Film ja tatsächlich auch thematisiert. Ich erinnere mich an eine wunderbare Situation, in der es heißt, dass die Schweine die Eier essen. Und dann sieht man im Hintergrund eine Vogelfrau, der es bei dem Gedanken hochkommt, dass man ihr ungeborenes Küken aufschlägt und in einer Pfanne brutzeln lässt. Und wenn man sich das mal als Mensch überlegt, ist es schon ziemlich eklig, ein nicht befruchtetes Küken als Ei Benedikt zu konsumieren.

Betrachtet man die Massentierhaltung, sind die Schweine in der Realität ebenso arm dran wie die Hühner. Eigentlich müssten die Menschen die Schurken der Geschichte sein.

Das ist genau mein Thema, und wir sind mittendrin. Jede Mastanlage, die brennt, jede Mastanlage, die es nicht mehr gibt, ist eine Gute. Es gibt diesen schönen Satz: „Wenn die Mauern der Schlachthöfe aus Glas wären, dann würde niemand mehr Fleisch essen.“

Warum ist ausgerechnet das Image der Schweine so schlecht, von George Orwells „Farm der Tiere“ über „Shaun das Schaf“ bis hin zu den „Angry Birds“?

Das stimmt. Es ist eine seit Jahrhunderten dahinschleichende Ungerechtigkeit diesen Tieren gegenüber. Schweine sind auch nicht schmutzig, es gibt kaum ein saubereres Tier. Und kein sozialeres. Wollten wir nicht eigentlich über einen lustigen Film sprechen? Wenn „Angry Birds“ solche Diskussionen in Gang setzt, dann kriege ich auf meine alten Tage noch einen missionarischen Eifer.

Haben Sie eine Affinität zu Videospielen?

Ja, total. Bjarne Mädel, der in „Stromberg“ den Ernie gespielt hat, saß oft in der Ecke und hat gedaddelt. Ich hörte immer nur Gegrunze und fieses Lachen. Ich wollte wissen, was das ist. Er sagte, dass er mit Vögeln auf Schweine flitscht. Als er mir das zeigte, habe ich mich tot gelacht, weil ich diese ganze Grundidee so abseitig fand. Ich habe es mir runtergeladen und bin heute der ungekrönte König dieses Spiels. Ich habe alle Level rauf und runter gespielt, immer drei Sterne.

Apropos „Stromberg“. Gibt es keine Chance auf eine Rückkehr?

Alle meine Therapeuten freuen sich, dass es nicht weitergeht. Ich weiß, es gibt viele Leute, die darüber traurig sind. Aber für meine innere Hygiene ist es ganz gut, dass Stromberg jetzt Geschichte ist.

Um ein aktuelles Thema aufzugreifen: Wo sehen Sie die Grenzen von Satire?

Ich weiß es nicht. Die Frage hat schon Tucholsky in den 1930ern gestellt. Satire darf eben nicht alles. Darüber haben in Deutschland schon höchste Gerichte befunden. Bis zu einem gewissen Punkt finde ich das auch richtig. Damit sage ich zwar nicht, dass ich es in Ordnung finde, was der Erdogan da gerade veranstaltet. Aber ich fand das Gedicht von Böhmermann unter aller Sau. Es war weder lustig noch künstlerisch, noch hat er damit eine Wahrheit kundgetan, die auch nur im Entferntesten politisch gewesen wäre. Das ist nicht meine Satire-Welt.

Welche Projekte stehen bei Ihnen demnächst ins Haus?

Gar keine.. Ich war die letzten Jahre sehr fleißig. Nun freuen sich nicht nur meine Kardiologen, dass ich nach einem drohenden „Burn out“ nun vielleicht auch mal ein „Bore out“ kennenlerne. Meine Oma hat gesagt: „Willst Du gelten, mach dich selten.“ Ich habe immer ein bisschen Angst davor zu inflationieren. Ich neige zur fröhlichen Deflation.


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