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„Ich bin ein Workaholic“
Panorama 1 6 Min. 22.09.2021
Abigail Breslin im Interview

„Ich bin ein Workaholic“

Und singen kann sie auch noch: Abigail Breslin glänzt nicht nur auf der großen Leinwand. Auch am Mikrofon macht die 25-Jährige eine gute Figur.
Abigail Breslin im Interview

„Ich bin ein Workaholic“

Und singen kann sie auch noch: Abigail Breslin glänzt nicht nur auf der großen Leinwand. Auch am Mikrofon macht die 25-Jährige eine gute Figur.
Foto: Shutterstock
Panorama 1 6 Min. 22.09.2021
Abigail Breslin im Interview

„Ich bin ein Workaholic“

Schauspielerin Abigail Breslin über die Arbeit mit Matt Damon, Zukunftsträume und den Verlust ihres Vaters.

Mit drei Jahren stand Abigail Breslin das erste Mal für den Werbespot eines Spielzeugkonzerns vor der Kamera. Zwei Jahre später brillierte die gebürtige New Yorkerin bereits neben Mel Gibson und Joaquin Phoenix in einem Hollywood-Blockbuster. Für ihre Hauptrolle in „Little Miss Sunshine“ wurde die damals Zehnjährige sogar für einen Oscar nominiert. Als Matt Damons Tochter, die für einen Mord in einem Gefängnis in Marseille sitzt, sehen wir sie jetzt, mit 25 Jahren, im Drama „Stillwater“ auf der Kinoleinwand.

Interview: Mariam Schaghaghi

Abigail Breslin, Sie lieben intensive und herausfordernde Rollen. Aber woher nehmen Sie die Kraft, die Wucht dafür? 

Wenn ich die Emotionen einer Figur lebendig werden lassen möchte, geht es weniger um die konkreten Umstände als um ihr emotionales Trauma. Hier liegt der Schlüssel: Es mag unterschiedliche Auslöser für Traumata geben, aber die Wucht der Emotionen ist universell. Das ist es, was ich nachvollziehen können muss. Wir alle kennen das Gefühl von Angst, Trauer oder Verlust. Wir alle erleben Wut oder Enttäuschung. Ich baue immer eine Verbindung zu der menschlichen Emotion auf, wenn ich spiele. Dafür muss ich nicht in der Situation stecken, die meine Figur durchmacht, sondern muss die Gefühle spüren, die in uns allen stecken. 

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Wie war die Zusammenarbeit mit Matt Damon, der Ihren Vater spielt? 

Die war fantastisch, er ist ja offensichtlich ein großartiger Schauspieler. Aber er ist eben auch ein unfassbar netter Mensch, mit dem ich sehr gerne Zeit verbracht habe. Natürlich ist es im ersten Moment etwas einschüchternd, wenn man mit jemandem zusammenarbeitet, der so berühmt ist. Aber er war so süß und liebevoll. Er ist selbst ja auch Vater von vier Töchtern, daher spürt man bei ihm so ein richtiges Papa-Gefühl. Er nimmt sich selbst nicht zu ernst, ist fürsorglich und am Boden geblieben. 

Hat er sich besonders um Sie gekümmert?

Ja, in den ganz besonders emotionalen Momenten kam er zu mir und fragte, ob ich es mir gut geht, ob ich mich mit der Situation noch wohlfühle oder ob wir eine Pause machen sollen. Er war echt unglaublich lieb. Er hat nicht nur mich beschützt, sondern auch alle anderen am Set. Ein Superstar könnte ja auch andere Dinge im Kopf haben. Aber dass er sich so gut um uns gekümmert hat, führte dazu, dass auch wir anderen noch viel besser miteinander umgegangen sind und alles gegeben haben. Matt war ein richtig toller Anführer für unser Team. 

Mein Bruder macht immer den Witz, dass es nur zwei Versionen von mir gibt: Glitzer und Gremlin.

Wie viel Zeit verbrachten Sie für den Dreh in Marseille? 

Ich hatte Glück, denn der Regisseur hat mich schon einige Wochen vor Beginn der Proben nach Marseille eingeladen. Da habe ich mich natürlich nicht zweimal bitten lassen! (lacht) Ich habe insgesamt zwei Monate in Marseille gelebt, bin viel in der Stadt spazieren gegangen und habe die Kultur aufgesogen. Für mich war das fast schon ein Kulturschock, denn ich komme aus Los Angeles und kannte bis dahin nur Paris. Marseille ist aber eine ganz andere Welt. 

Wie haben Sie die Stadt erkundet, gab es kulinarische Exkursionen? 

Oh ja, absolut! Ich habe mich in die vielen kleinen Cafés verliebt. Und ich liebe French Dressing ... 

... die Salatsoße? 

Exakt. Es hat in Marseille so viel besser geschmeckt, als ich es gewohnt war. Als ich zurück in L.A. war, habe ich genau diese kleinen, kulinarischen Köstlichkeiten vermisst. 

Wir haben Sie in der Öffentlichkeit aufwachsen sehen, schon als Neunjährige haben Sie uns in dem Film „Little Miss Sunshine“ begeistert. Seitdem hatten Sie eine konstant erfolgreiche Karriere. Wie fühlt es sich für Sie an, so sichtbar erwachsen zu werden? 

Nun, mit 13 Jahren habe ich eine anderthalbjährige Pause eingelegt. Meine Mutter dachte, das wäre eine gute Idee, sie wollte, dass ich weiß, wie es sich anfühlt, ein normaler Teenager zu sein und dass ich auch normale Freundschaften jenseits des Sets schließe, nicht immer nur mit Filmteams. Ich habe dann knapp zwei Jahre nicht gearbeitet. Das war gar nicht so leicht, denn ich bin ein Workaholic, schon als kleines Mädchen habe ich es geliebt, vor der Kamera zu stehen. Ich hatte also diese zwei Jahre „normales“ Leben mit Freunden an der Highschool in New York, ganz weit weg vom Hollywoodtrubel. Aber ehrlich gesagt konnte ich es kaum abwarten, wieder mit dem Drehen anzufangen. (lacht) 

Viele Menschen suchen lange nach Beruf und Berufung. Wie kommt es, dass Ihre Leidenschaft so früh so ausgeprägt war? 

Na ja, ich bin nicht mit dem Wunsch, Schauspielerin zu werden, auf die Welt gekommen. Aber ich habe immer schon gerne Geschichten erzählt. An Filmsets habe ich mich immer richtig wohlgefühlt und mich mit den Leuten sehr gut verstanden. Aber erst so mit zwölf Jahren habe ich wirklich angefangen den Beruf zu lieben, ab dann war Schauspiel eine echte Leidenschaft für mich, weil ich merkte, was ich damit bewegen kann. Inzwischen kann ich mir nicht mehr vorstellen, etwas anders zu machen. Mal abgesehen davon Faultier-Pflegerin zu werden. 

Bitte, was? 

Ja, ich liebe die Tiere! Wenn ich irgendwann mal in Rente gehe, mache ich ein Tierheim für Faultiere auf. Ich pflege sie den ganzen Tag und bade sie in Wasser mit Hibiskusblüten. Das ist doch mal ein toller Plan für die Zeit der Rente, oder? (lacht) 

Wenn ich irgendwann mal in Rente gehe, mache ich ein Tierheim für Faultiere auf.

In Cannes, wo sie den Film vorstellten, mussten Sie natürlich auch in großer Robe über die roten Stufen laufen. Spielt Mode eine große Rolle in Ihrem Leben?

Ich liebe und bewundere tolle Mode. Ich genieße es auch, mich zu stylen, wenn ich arbeite und im Rampenlicht stehe. Aber zu Hause in L.A. bin ich ehrlich gesagt eher ein Leggings-und-Tanktop-Mädchen. Gerade weil ich mich beruflich so oft aufgestylt präsentieren muss, gehe ich privat ins andere Extrem: Wenn ich einkaufen gehe, dann ohne Make-up und nur mit Jeans und T-Shirt. Mein Bruder macht immer den Witz, dass es nur zwei Versionen von mir gibt: Glitzer und Gremlin. (lacht) Ich brauche genau zwei Minuten, um von einem Outfit vom Roten Teppich in eine Jogginghose zu wechseln. Und zur Jogginghose gehört auch immer ein großer Teller Spaghetti Bolognese. 

Apropos Jogginghose: Wie haben Sie die letzten anderthalb Jahre erlebt, die Zeit der Pandemie? 

Für mich war das, wie für alle anderen Menschen auch, eine beängstigende Zeit. Ich habe meinen Vater an Covid verloren … 


Will aus ihren neun Gästen eines New Age-Wellness-Tempels neue Menschen machen: Masha (Nicole Kidman) in der Serie „Nine Perfect Strangers“.
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… das tut mir sehr leid. Mein herzlichstes Beileid. 

Danke. Wissen Sie, ich glaube für viele Menschen war es an der Zeit, nach innen zu schauen und sich selbst besser kennenzulernen. Wir mussten lernen, anders mit den alltäglichen Dingen umzugehen. Diese Zeit hat alles verändert. Ich sage so etwas Ähnliches auch in dem Film, es geht darum, dass sich in einer Gefängniszelle gar nichts verändert – und trotzdem ändert sich damit alles. Ich weiß nicht mehr die genauen Worte, aber ich merke jetzt einfach, wie wahr das ist. Ich hoffe, dass wir diese Zeit endlich langsam hinter uns lassen können. So viele Menschen haben so viel verloren. Es war ein verrücktes Jahr. 

Was hat Ihnen in dieser schwierigen Zeit der Trauer geholfen? 

Meine Familie. Wir haben wirklich zusammengehalten. Ich habe Menschen um mich herum, auf die ich mich verlassen kann. Wir sind ja nicht die Einzigen, die in dieser Pandemie Menschen verloren haben. Man muss trotzdem nach vorne blicken und jeden Tag, den man auf dieser Welt hat, nutzen und wertschätzen. Das klingt so kitschig, aber es stimmt: Wir wissen alle nicht, wie viel Zeit wir noch haben. 

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