Hype um "Pokémon Go"

Monsterjagd mit Suchtpotenzial

Das Smartphone-Spiel Pokémon Go hat Handynutzer weltweit total im Griff.
Das Smartphone-Spiel Pokémon Go hat Handynutzer weltweit total im Griff.
Foto: AFP

(dpa/kw) - „Pokémon Go“ sorgt für Wirbel in der digitalen Welt. Das Augmented-Reality-Spiel verbindet das echte Leben mit kleinen digitalen Monstern zu einer virtuellen Schnitzeljagd. Das macht ziemlich Spaß, birgt allerdings auch Risiken.

„Pokémon Go“ ist der jüngste Digital-Hype. Seit dem Start am 6. Juli verbreitet sich das von Nintendo und dem Google-Ableger Niantic Labs entwickelte Spiel explosionsartig. „Pokémon Go“ verbindet kleine niedliche Monster, Smartphones, GPS und Karten zu einer virtuellen Monsterjagd mit Duellen und Rollenspiel-Elementen. Seit Mittwoch wird das Spiel schrittweise in europäischen Ländern veröffentlicht.

Das Besondere an „Pokémon Go“:  Genau wie beim ähnlich funktionierenden „Ingress“ muss man sich tatsächlich physisch bewegen, um Orte im Spiel zu erreichen. Die Spielwelt ist eine bunte Ausgabe tatsächlicher Orte. Berliner jagen Pokémon in Berlin, Pariser in Paris, Luxemburger in Luxemburg. Über die reale wird eine virtuelle Welt gestülpt. Nur Spieler können sie sehen und mit ihr interagieren. Alle anderen sehen nur manisch auf das Smartphone starrende Passanten.

Also raus auf die Straße, Pokéstops abklappern und Belohnungen wie Pokébälle einsammeln. Pokéstops? Das sind zahlreiche Punkte in der Umgebung. In Luxemburg wären das etwa der hauptstädtische Bahnhof, die Holzfiguren in Lorentzweiler oder die Kirche in Gasperich. Um sie zu aktivieren, muss man sich möglichst nah an die Orte begeben, was in den USA schon für Zwischenfälle sorgte.

Manch ein Pokéstop befand sich etwa in einer Polizeiwache. Zum Glück funktioniert das Aktivieren der Stops auch aus einiger Entfernung, ebenso das Einfangen der kleinen Monster. Wenn sie dann plötzlich auftauchen, schaltet das Spiel die Kamera ein. In das Bild der realen Welt wird dann das Pokémon eingeblendet. Mit gezielten Würfen eines Pokéballs wird es eingefangen. Bei allem Jagdeifer muss aber niemand auf Privatgrundstücke vorstoßen oder sich in Gefahr begeben, um ein Pokémon zu fangen – die Realität zeigt jedoch, dass es trotzdem passieren wird. So musste in Luxemburg die Polizei Spieler davon abhalten, auf das Grundstück von Schloss Berg einzudringen, da dort ein Pokémon versteckt war.

Kämpfe in Arenen

Die gefangenen Monster mit Namen wie Schiggy, Taubsi oder Zubat trägt man nach dem Einfangen nicht einfach nur mit sich herum. Das digitale Getier kann auch in Arenakämpfen aufeinander gehetzt werden. Dazu setzt man sie in den Arenen ab. Andere Spieler können dann ihre Pokémon mit den eigenen messen. Das Kampfsystem ist allerdings wenig intuitiv und artet in wildem Bildschirmantippen aus. Die spannenden rundenbasierten Kämpfe der alten Gameboyspiele sind Geschichte.

Die kurzweilige Monsterjagd regt nicht nur zur Bewegung an. Sie hat auch ein paar handfeste Schattenseiten. Medienberichten zufolge sollen in den USA Räuber Spielern an Pokéstops aufgelauert haben. Tatsächlich wäre für einen Kriminellen die Chance höher, an solch einem Ort auf abgelenkte Menschen mit Smartphones zu stoßen. Und auch sonst sollten Spieler nicht starr auf ihr Smartphonedisplay starren. Vor allem während der Fahrt sollte man „Pokémon Go“ auf keinen Fall spielen. Sonst ereilt einen noch das gleiche Schicksal wie einen jungen Fahrer in Esch/Alzette am frühen Donnerstagmorgen: Da er von dem Spiel abgelenkt war, verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug, das sich daraufhin überschlug und auf dem Dach landete.

Nicht ohne Probleme

„Pokémon Go“ ist das erste Smartphonespiel mit den kleinen Taschenmonstern aus Japan. Außerdem ist es kostenlos. Doch gegen echtes Geld gibt es frische Pokébälle, Köder, Rucksäcke und andere Boni. Bis zu 99,99 echte Euro kann man mit einer Transaktion ausgeben. Es geht aber auch ohne digitale Einkäufe.

Das Spielprinzip mit Erkundung, Einfangen, etwas augmentierter Realität und Belohnungen durch das Erreichen von Orten macht richtig Spaß und hat Suchtpotenzial. Weniger Spaß machen häufige Spielabstürze. Wer einen Tag lang „Pokémon Go“ spielt, sollte außerdem einen starken Reserveakku dabei haben. Der ständige Zugriff auf die Ortungsfunktion zehrt kräftig am Akku. „Pokémon Go“ ist allerdings ein Ausblick auf die Zukunft mobiler Spiele, auf die Vermischung von realer und digitaler Welt. Und wer kann schon ruhig bleiben, wenn vielleicht schon hinter dem nächsten Gebüsch das lang ersehnte Pikachu wartet?