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Hugo Egon Balder: „Früher war nicht alles besser“
Panorama 5 Min. 01.03.2019

Hugo Egon Balder: „Früher war nicht alles besser“

In den 1970er-Jahren versuchte sich Hugo Egon Balder als Schlagersänger – mit Titeln wie: „Maskenball im Hochgebirge“, „Doch wenn du lachst, dann wirst du verlegen“ und „Stanislaus, der Krieg ist aus“.

Hugo Egon Balder: „Früher war nicht alles besser“

In den 1970er-Jahren versuchte sich Hugo Egon Balder als Schlagersänger – mit Titeln wie: „Maskenball im Hochgebirge“, „Doch wenn du lachst, dann wirst du verlegen“ und „Stanislaus, der Krieg ist aus“.
Foto: Sat.1 / Guido Engels
Panorama 5 Min. 01.03.2019

Hugo Egon Balder: „Früher war nicht alles besser“

Der deutsche Kultmoderator lässt mit der Sat.1-Show „Was für ein Jahr!“ die Vergangenheit hochleben. Wir sprachen mit ihm über sein neues Nostalgieformat und seine Zeit bei Radio Luxemburg

Interview: Martin Weber

Früher war vielleicht nicht alles besser, aber auf jeden Fall ganz anders: In der neuen Show „Was für ein Jahr!“ nimmt Moderator Hugo Egon Balder seine prominenten Gäste und die Zuschauer mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. In jeder Ausgabe steht ein ganz bestimmtes Jahr im Mittelpunkt. Die heutige Auftaktfolge – um 20.15 Uhr auf Sat.1 – dreht sich um das Jahr 1982, als die Neue Deutsche Welle durch die Musikwelt schwappte und Helmut Kohl deutscher Bundeskanzler wurde.

Hugo Egon Balder, die erste Ausgabe Ihrer neuen Show „Was für ein Jahr!“ dreht sich um das Jahr 1982. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Da war ich gerade bei Radio Luxemburg und habe Sendungen moderiert, unter anderem mit den Herren Thomas Gottschalk, Max Schautzer und Hans Meiser. Dort war ich von 1979 bis 1990, eine ganz schön lange Zeit also.


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Außerdem sind Sie mit dem Titel „Schwarzfahren“ als Schlagersänger in Ilja Richters Sendung „Disco“ aufgetreten …

Stimmt, ich kannte Ilja Richter damals schon, das war in München. An viel mehr kann ich mich leider nicht mehr erinnern. (lacht) Ich war ja auch kein Schlagersänger im herkömmlichen Sinne, sondern habe halt ab und zu mal lustige Texte gemacht und ein bisschen gesungen. 1984 hatte ich ja sogar einen regelrechten Hit: „Erna kommt“. Das war eine Coverversion von einem Lied Wolfgang Lipperts, die mir der Produzent Jack White vorgeschlagen hat und die wir dann zusammen gemacht haben.

Was haben Sie denn sonst noch so in den Achtzigern gemacht?

Och, vieles, unter anderem war ich als Kabarettist beim Düsseldorfer „Kom(m)ödchen“ engagiert, da war zu der Zeit auch Harald Schmidt. Ich war ja von Kindesbeinen an ein großer Kabarett-Fan und als mich der „Kom(m)ödchen“-Gründer Kay Lorentz anrief, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Ich bin also da hin, war zwei Jahre da und bin dann wieder weg.

So groß war die Liebe zum Kabarett dann doch nicht?

Nö, ich hatte keinen Bock mehr. Als ich gemerkt habe, dass das wahre Kabarett beim „Kom(m)ödchen“ hinter den Kulissen stattfand, habe ich aufgehört. Ich habe mich dann wieder auf meine Arbeit bei Radio Luxemburg konzentriert, wo ich eine tolle Zeit hatte und mit Frank Elstner einen richtigen Traumchef, das kann ich gar nicht anders sagen. Wir hatten alle Freiheiten, es war das totale Chaos, aber es war klasse.

Als Gäste in der ersten Show begrüßt der Moderator Bülent Ceylan (l.) und Ruth Moschner (r.).
Als Gäste in der ersten Show begrüßt der Moderator Bülent Ceylan (l.) und Ruth Moschner (r.).
Foto: Sat.1 / Guido Engels

Mitte der Achtziger starteten Sie bei RTL auch Ihre Fernsehkarriere und waren dann mit der Show „Alles nichts oder?!“ sehr erfolgreich. Hat das Fernsehmachen damals mehr Freude gemacht?

Eindeutig ja, weil Entscheidungen viel schneller getroffen wurden. Es gab keine Gremien von 800 Leuten, die erst mal über neue Ideen entscheiden mussten. Es gab jeden Tag 400 neue Ideen, davon mussten am nächsten Tag dann 200 umgesetzt werden, und davon blieben fünf übrig und die wurden dann jahrelang gemacht. Aber Spaß beiseite: Es gab damals mehr Freiheiten für Kreative und die Bosse haben, anders als heute, sehr schnell entschieden.


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Wie zäh war denn der Entscheidungsprozess bei Ihrer neuen Show „Was für ein Jahr!“?

Das ging ziemlich schnell, weil es ja ganz klare Ansagen gab: Man nimmt sich in jeder Ausgabe ein bestimmtes Jahr vor und guckt, was da passiert ist. Man pickt sich die besten Sachen raus, lädt ein paar Gäste ein und macht ein paar Spielchen – das isses auch schon.

Sehnen Sie sich manchmal nach den Achtzigern?

Nö, ich bin eigentlich nicht so der große Nostalgiker, der sich in einem fort mit der Vergangenheit beschäftigt. Man darf ja auch nicht vergessen, dass man damals einfach jünger war als heute und viele Dinge total anders gesehen hat. Wobei: Ich kann auch nostalgisch werden, ich bin ja ein Kind der Sechzigerjahre und mit den Beatles und den Stones aufgewachsen, das prägt einen schon.

War früher alles besser?

Um Gottes Willen nein, es war nur vieles anders.

Die zweite Ausgabe der Show dreht sich um 1990, das Jahr, in dem Sie als Moderator der legendären Nackedei-Show „Tutti Frutti“ anfingen.

Richtig, wir haben die Show mit einem italienischen Team in Mailand gemacht. Das Studio stand uns aber immer nur für zwei Wochen zur Verfügung – und in der Zeit haben wir dann die Sendungen für das ganze Jahr aufgezeichnet. Das war Fließbandarbeit, vier bis fünf Ausgaben am Tag. Für mich war das ein Erlebnis, mal zu sehen, wie Fernsehen in Italien gemacht wird. Das Studio stand in einem Industriegebiet und wäre von einem deutschen Ordnungsamt sofort dichtgemacht worden – da lagen Starkstromkabel offen rum, solche Dinge eben. Aber was soll ich Ihnen sagen: Es hat alles funktioniert, es ist alles gut gegangen. Vor der Arbeit wurde immer schön gegessen, dann ging’s nachmittags los und bis in die Nacht hinein. Abends wurde auch was Leckeres gefuttert, Italien halt. (lacht)


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Seit dieser Zeit sind Sie nicht mehr aus dem deutschen Fernsehen wegzudenken. Wie haben Sie es geschafft, sich so lange in diesem Geschäft zu halten?

Das kann ich Ihnen nicht mit einem Satz beantworten, da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen Glück, das man immer haben muss. Dann hatte ich mit tollen Leuten zu tun wie RTL-Chef Helmut Thoma, der mir vieles ermöglicht hat. Der hat nicht lange gefackelt, sondern gesagt: „Mach mal!" Außerdem habe ich mich nie verbiegen lassen. Klar, ich musste manchmal auch Sachen machen, die nicht so doll waren. Aber im Großen und Ganzen konnte ich immer machen, was ich wollte.



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