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Horn aus Pferdehaar und Spinnensekret
Panorama 2 Min. 12.11.2019

Horn aus Pferdehaar und Spinnensekret

Wertvoller als Gold: Für ein Kilo Horn werden auf dem Schwarzmarkt derzeit rund 60 000 US-Dollar gezahlt.

Horn aus Pferdehaar und Spinnensekret

Wertvoller als Gold: Für ein Kilo Horn werden auf dem Schwarzmarkt derzeit rund 60 000 US-Dollar gezahlt.
Foto:Shutterstock
Panorama 2 Min. 12.11.2019

Horn aus Pferdehaar und Spinnensekret

Nashörner sind weltweit bedroht. Imitate ihrer Hörner soll sie nun vor Wilderern schützen.

von Johannes Dieterich

Den noch verbliebenen 28 000 Nashörnern dieser Welt scheint sich ein Silberstreif am Horizont zu öffnen: Wissenschaftler der Universität in Oxford haben Imitate ihrer Hörner hergestellt, die den Originalen täuschend ähnlich sein sollen. Auf diese Weise könnte der Schwarzmarkt zum Erliegen gebracht werden, schreiben die Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Scientific Reports“. Für ein Kilo Rhinozeros-Horn werden derzeit bis zu 60 000 US-Dollar (rund 54 300 Euro) bezahlt – mehr als für die gleiche Menge Gold oder Kokain.

Seidenspinnen als Helfer

„Wir wollen, dass sich potenzielle Käufer fragen müssen: Moment mal, ist das Horn tatsächlich diesen unglaublichen Preis wert, oder handelt es sich womöglich um eine Fälschung?“, erklärt der Leiter der Studie, der Oxforder Zoologie-Professor Fritz Vollrath. Der Wissenschaftler untersucht seit Jahren die außergewöhnlichen Eigenschaften der Fäden von Seidenspinnen, die auch bei der Herstellung des Nashorn-Imitats eine zentrale Rolle spielen. Anders als die aus Knochen bestehenden Hörner von Kühen und Antilopen wird das Horn eines Rhinozerosses von aus seiner Nase wachsenden Haaren gebildet, die vom Sekret einer Drüse zusammengeklebt werden. Zu einem ähnlichen Produkt kommen die Forscher aus Oxford, indem sie Pferdehaare mit dem Sekret der Seidenspinne verbinden, zu einem Horn formen und schließlich polieren. Das Nashorn-Imitat soll selbst unter einem Mikroskop nicht vom Original zu unterscheiden sein.

Mit noch verbliebenen rund 5 000 beziehungsweise 3 500 Exemplaren gehören das afrikanische Spitzmaul-Nashorn und das indische Panzer-Nashorn zu den akut bedrohten Tierarten dieser Welt. Derzeit werden alleine in Südafrika jährlich fast 1 000 Tiere wegen ihrer Hörner von Wilderern getötet. Die Käufer sind in der Regel Chinesen oder Vietnamesen, die dem Horn eine Steigerung des Sexualtriebs und heilende Kräfte zuschreiben. Außerdem gelten sie unter neureichen Südostasiaten als Statussymbol. Der internationale Handel wurde bereits vor 42 Jahren verboten. Wegen der wachsenden Kaufkraft der asiatischen Bevölkerung blühte der Schwarzmarkt in jüngster Zeit allerdings auf.


HANDOUT - 19.06.2015, Malaysia, Borneo: Das Sumatra-Nashorn Tam, das das letzte männliche Sumatra-Nashorn weltweit überhaupt war, steht in einem Reservat auf der Insel Borneo (undatierte Aufnahme). In der Vergangenheit war versucht worden, Tam mit zwei weiblichen Tieren zusammenzubringen, damit es Nachwuchs gibt. Das gelang aber nicht. Die beiden Rhino-Damen sind inzwischen schon länger tot und auch Tam ist jetzt gestorben. Das etwa 35 Jahre alte Tier starb am Montag (27.05.2019) nach längerem Siechtum. Foto: Borneo Rhino Alliance/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
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Arsenspritzen ins Horn

In Südafrika werden bereits seit längerem Strategien zur Eindämmung des Handels diskutiert. Die Regierung schlug wiederholt den Verkauf größerer Mengen gelagerter Hörner vor, um den Preis zu drücken. Der Besitzer eines privaten Tierreservats wollte gar Arsen in die Hörner spritzen, um so Wilderer abzuschrecken. Die Wirksamkeit derartiger Maßnahmen ist allerdings umstritten.

Auch der Vorschlag der Wissenschaftler trifft nicht auf allgemeine Zustimmung. Naturschutzorganisationen bezweifeln vor allem, dass man mit einer „Überschwemmung des Marktes“ die Nachfrage reduzieren könne. Auf diese Weise werde der Wunsch nach dem Horn eher normalisiert, fürchtet Richard Thomas von der Tierschutzgruppe „Traffic“. Außerdem werde die strafrechtliche Verfolgung von Schwarzmarkthändlern erschwert, weil sich diese dann mit der Ausrede schützen könnten, sie hätten das Horn in dem Glauben verkauft, es handele sich um ein harmloses Imitat. 


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