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Hohe Schadstoff-Belastung der luxemburgischen Bevölkerung
Panorama 3 Min. 28.04.2021

Hohe Schadstoff-Belastung der luxemburgischen Bevölkerung

Hohe Schadstoff-Belastung der luxemburgischen Bevölkerung

Symbolfoto: Shutterstock
Panorama 3 Min. 28.04.2021

Hohe Schadstoff-Belastung der luxemburgischen Bevölkerung

In einer Studie des LIH wurden durchschnittlich 19 verschiedene Schadstoffe in den Haaren von Studienteilnehmern nachgewiesen.

(LW) - In einer aktuellen Studie führten Wissenschaftler der Human Biomonitoring Research Unit (HBRU) des Luxembourg Institute of Health (LIH) bei 497 für die Bevölkerung des Großherzogtums repräsentativen Erwachsenen Haaranalysen durch, um zu untersuchen, wie stark sie mit 67 verschiedenen organischen Pestiziden belastet sind. Im Durchschnitt wiesen die Forscher 19 Schadstoffe pro Person nach, wobei einige Chemikalien in der gesamten Studienkohorte vorhanden waren. 

Aufgrund der jüngsten Geschichte des Landes als Standort für Industrie und verarbeitendes Gewerbe und da Pestizide sowohl in der Landwirtschaft als auch in nicht landwirtschaftlichen Bereichen eingesetzt werden, ist die Bevölkerung Luxemburgs nach wie vor einer Vielzahl von organischen Chemikalien ausgesetzt, heißt es in der im April in der Fachzeitschrift ‚Environment International’ veröffentlichten Studie. 

Die Daten stammen aus der Analyse von 497 Haarproben.
Die Daten stammen aus der Analyse von 497 Haarproben.
Foto: LIH

Untersuchung auf 67 Pestizide

In einer landesweiten Schadstoff-Biomonitoring-Untersuchung – der ersten dieser Art – hat das Forscherteam des LIH unter der Leitung von Dr. Brice Appenzeller nun die Konzentrationen von 34 persistenten (schwer abbaubaren) und 33 nichtpersistenten Pestiziden in Haarproben gemessen, die im Rahmen der nationalen Studie ORISCAV-LUX in den Jahren 2007 und 2008 gesammelt wurden. 

Einer der innovativen Aspekte unserer Studie war die Verwendung von Haaren als Substrat für die Analysen anstelle von herkömmlichen Matrizes wie Blut und Urin. Denn Haare können uns Informationen über eine chronische mehrmonatige Chemikalienexposition liefern, während Flüssigkeiten lediglich einen Hinweis auf eine Belastung in den wenigen Stunden vor ihrer Entnahme geben“, so Dr. Appenzeller.

Insgesamt wiesen die Wissenschaftler 24 persistente und 29 nichtpersistente organische Schadstoffe in den Haaren nach, wobei 17 von diesen in mehr als der Hälfte der Proben und vier in jeder Probe zu finden waren: Lindan (ein Insektizid), Hexachlorbenzol (ein Fungizid), p-Nitrophenyl (u.a. ein Zwischenprodukt bei der Herstellung von Fungiziden und Schädlingsbekämpfungsmitteln) und Trifluralin (Pflanzenschutzmittel). Zudem fand man heraus, dass Variablen wie Geschlecht, Alter und Body-Mass-Index (BMI) signifikant mit den meisten dieser häufig nachgewiesenen Schadstoffe assoziiert sind. 


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Bis zu 36 nachgewiesene Chemikalien

Jeder Teilnehmer wies nachweisbare Werte von mindestens zehn der analysierten Chemikalien auf, einige Personen sogar nachweisbare Werte von bis zu 36 dieser Chemikalien. Daraus ergibt sich ein Durchschnitt von 19 Pestiziden pro Person. Dies deutet darauf hin, dass die Bevölkerung zahlreichen allgegenwärtigen Schadstoffen gleichzeitig ausgesetzt ist – eine überaus wertvolle Information für die Untersuchung möglicher ‚Cocktail-Effekte’ (Auswirkungen bei Kombination verschiedener Schadstoffe, Anm. d. Red)“, so Dr. Feng-Jiao Peng, postdoktorale Mitarbeiterin der HBRU und Erstautorin der Publikation.

Die Produktion und Verwendung vieler der nachgewiesenen Pestizide wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte in den meisten europäischen Ländern verboten, was bedeutet, dass die Studienpopulation diesen Schadstoffen in den Jahren 2007 und 2008 trotz der geltenden Verbote weiterhin ausgesetzt war. Dies ist wahrscheinlich auf Faktoren wie die Persistenz der Chemikalien in der Umwelt, ihre fortschreitende Freisetzung aus Boden und Vegetation sowie ihre Bioakkumulation in der Lebensmittelkette zurückzuführen, die als primärer Expositionsweg für die Allgemeinbevölkerung angesehen wird. Der Verzehr von importierten Lebensmitteln aus Drittländern mit weniger restriktiven Pestizidvorschriften könnte ebenfalls eine Rolle spielen. 

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