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Historischer Fund in der Arktis: Russische Forscher entdecken Nazi-Wetterstation
In einer der unwirtlichsten Gegenden der Welt wollte Hitlers Wehrmacht 1943 Wetterdaten sammeln.

Historischer Fund in der Arktis: Russische Forscher entdecken Nazi-Wetterstation

Symbolfoto: Gerd Braune
In einer der unwirtlichsten Gegenden der Welt wollte Hitlers Wehrmacht 1943 Wetterdaten sammeln.
Panorama 2 Min. 26.10.2016

Historischer Fund in der Arktis: Russische Forscher entdecken Nazi-Wetterstation

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Die Arktisstation „Schatzgräber“ sollte Wetterdaten für Hitlers Russlandfeldzug sammeln. Dann kam ein Eisbär dazwischen. Jetzt wurden erstmals Überreste auf der russischen Polarinsel Alexandraland gefunden.

(tom) - Eine russische Polarexpedition hat nach verschiedenen Medienberichten die Überreste einer ehemaligen deutschen Wetterstation in der russischen Arktis entdeckt. Rund 500 Fundstücke, darunter auch Schriftstücke, sollen nach Russland verbracht werden und möglicherweise als Grundstock einer Ausstellung dienen, sagte  Polarforscher Evgeny Ermolov dem "Handelsblatt". Die arktische Kälte habe die Station in gutem Zustand erhalten, so die Berichte.

Streng geheime Datensammlung

Im Kriegsjahr 1943 errichtete die deutsche Kriegsmarine in der russischen Arktis, genauer auf der Insel Alexandraland, eine streng geheime Wetterstation. Unter dem Projektnamen "Schatzgräber" sollte hier, 1000 Kilometer vom Nordpol entfernt,  ein Team aus zehn eilig ausgebildeten Meteorologen Wetterdaten sammeln. Im damals von Deutschland besetzten tschechischen Riesengebirge hatte man den Marinesoldaten im Schnellverfahren beigebracht, was sie zu tun hatten, bevor sie in die Arktis verschifft wurden. Zweck der Übung: Hitlers Wehrmacht wollte Erkenntnisse über den russischen Winter gewinnen, um ihre Truppenbewegungen besser planen zu können. Seit September 1943 lieferte "Schatzgräber" Wetterbeobachtungen, Temperaturmessungen und Windgeschwindigkeiten.

Unrühmliches Ende: Toter Eisbär und fiebriger Kommandant

Doch die Unternehmung fand einen eher unrühmlichen Abschluss: Ende Mai 1944 erlegte die Crew einen Eisbären, der vom Stationskoch zu Hackfleisch verarbeitet und roh als Tatar serviert wurde, um den kargen Speiseplan aufzubessern. Neun von zehn Soldaten erkrankten daraufhin umgehend an einer durch Parasiten aus dem rohen Eisbärfleisch übertragenen schweren Trichinellose. Lediglich dem Stationssanitäter blieben die starken Schmerzen in den Beinen und die Fieberattacken seiner Kameraden erspart - er hatte nichts von dem Bären-Tatar gegessen, weil er Vegetarier war.

Im Juli 1944 wurde die Station, offenbar unter dramatischen Bedingungen, evakuiert. Es kursieren Geschichten über den Stationskommandanten, der im Fieberwahn nicht kooperieren wollte und auf Beschluss des Rettungstrupps erschossen werden sollte, was schließlich doch nicht nötig war. 

Unwirtliche Bedingungen, ein toter Eisbär, ein unvorsichtiger Koch und ein Schießbefehl - es sind Anekdoten wie diese, die den Mythos der Wetterstation "Schatzgräber" begründen. Jahrelang gibt es keine gesicherten Erkenntnisse darüber, dass sich das alles wirklich so zugetragen hat. Nach Kriegsende übernahm zudem die Sowjetunion das Kommando auf Alexandraland - "Schatzgräber" wandert, ohne sich zu bewegen, von einem Sperrgebiet ins nächste. Der Minengürtel, den die Nazis errichtet hatten, blieb bis in die frühen Neunziger intakt. Zu der Station gibt es also jahrzehntelang kein Durchkommen, selbst wenn man von ihrer Existenz wüsste.

Das änderte sich erst vor ein paar Tagen: Mit den geborgenen Fundstücken und Dokumenten könnte die Geschichte der Wetterstation zumindest ein wenig weiter beleuchtet werden.


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