Hinterhof-Forscher: "Adieu Scheibenwischer"
Panorama 1 2 Min.09.04.2015

Hinterhof-Forscher: "Adieu Scheibenwischer"

Zwei Jugendliche haben ein System entwickelt, das die Scheibenwischer an Autos überflüssig machen könnte. Sehen Sie im Video, was es mit dem Garagenprojekt "Rain Ban" auf sich hat.

(MF/TJ) - Ein Jahr lang haben die 16-jährigen Nachwuchsforscher Florian Maly und Eric Breuer jede freie Minute in einer Garage verbracht und an ihrem Projekt "Rain Ban" getüftelt.

"Rain Ban" sieht vor, die traditionellen Scheibenwischer an Fahrzeugen durch Windleitbleche überflüssig zu machen. In der Tat leiten eine oder mehrere Lamellen den Fahrtwind so über die Windschutzscheibe, dass Regentropfen wie von Zauberhand weggeblasen werden.

Die Idee brachte den beiden Jung-Forschern bereits Lorbeeren ein. Sie heimsten den ersten Preis des "44. Concours des Jeunes Scientifiques" ein und haben somit das Flugticket zur Intel-International Science and Engineering Fair vom 10. bis 15. Mai in Pittsburgh bereits in der Tasche. Junge Forscher aus 70 Ländern stellen dort ihre Projekte aus.

"Rain Ban" besteht aus Lamellen (am unteren Rand der Windschutzscheibe) die den Fahrtwind gezielt über das Fahrzeug lenken.
"Rain Ban" besteht aus Lamellen (am unteren Rand der Windschutzscheibe) die den Fahrtwind gezielt über das Fahrzeug lenken.
Foto: Maurice Fick

"Wir sind Auto-Afficionados" sagt Florian Maly, "daher wollten wir etwas Neues und für jedermann Nützliches im Automobilbereich entwickeln. Und da sind wir auf die Scheibenwischer gestoßen. Sie sind weder schön noch ökologisch. Zudem müssen sie alle anderthalb Jahre ersetzt werden und verkratzen im schlimmsten Fall die Windschutzscheibe."

Wie also die unschönen Dinger überflüssig machen? 

"Es ging darum, die Regentropfen über einen anderen Weg von der Windschutzscheibe fernzuhalten", so Florian. Die beiden analysierten die Aerodynamik von Flugzeugen und nahmen moderne Händetrocknergebläse unter die Lupe. Ihre Schlussfolgerung: Ein Luftstrom sollte die Regentropfen so anblasen, dass sie gar nicht erst mit der Scheibe in Berührung kommen.

Florian Maly zeigt, wie das Wasser im heimischen Windkanal zerstäubt wird.
Florian Maly zeigt, wie das Wasser im heimischen Windkanal zerstäubt wird.
Foto: Maurice Fick

Doch es gab in diesem Bereich so gut wie keine Forschung und so mussten die beiden Tüftler Faktoren wie die Fallgeschwindigkeit des Regens, die Beschleunigung von Autos, Seitenwind usw. untersuchen und in ihre Idee einfließen lassen.

Es klappt. Kein Tropfen berührt die Scheibe.


Dank der Unterstützung ihrer Eltern konnten die beiden in der heimischen Garage Prototypen und einen Mini-Windkanal einrichten. Nach und nach fanden sie heraus, wie und wo die Aluminium-Leitbleche auf der Windschutzscheibe angebracht werden müssen, damit der Luftstrom gleichmäßig über das Glas hinweg geleitet wird. Sie erkannten, dass ein Regentropfen (der üblicherweise mit 29 km/h vom Himmel fällt) dank ihrer "Erfindung" die Form eines Fallschirms annimmt, wenn er über die Scheibe fliegt.

In ihrem Windkanal simulierten sie ein Fahrzeug, das mit 50 km/h fährt. Im Rohr wird Wasser zerstäubt und simuliert so den Regen. "Es funktioniert", freut sich Florian. Um seitlich auf der Windschutzscheibe sitzende Tropfen wegzublasen, haben die beiden zusätzliche Luftdüsen am 1/18-Modell entwickelt. Das System funktioniert auch mit Schlamm. "Wir haben es getestet", so Florian.

Eric Breuer (links) und Florian Maly haben schon erste Kontakte mit Luxemburger Zuliefer-Unternehmen geknüpft.
Eric Breuer (links) und Florian Maly haben schon erste Kontakte mit Luxemburger Zuliefer-Unternehmen geknüpft.
Foto: Maurice Fick

Jetzt wollen die beiden ihr "Baby" auf der Straße ausprobieren. Doch dazu brauchen sie finanzielle Unterstützung. Erste Kontakte sind bereits geknüpft, doch ganz ohne Hilfe wird es nicht gehen.

Eric und Florian haben weitreichende Zukunftspläne: Die beiden Tüftler träumen davon, ihr eigenes Unternehmen aufzubauen und irgendwann innovative Systeme für die Automobilindustrie zu entwickeln und zu verkaufen. Es gibt sie noch: motivierte Jugendliche!