Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Herzogin Kate zu Gast in Luxemburg
Panorama 3 Min. 06.05.2017 Aus unserem online-Archiv
150 Jahre Londoner Vertrag

Herzogin Kate zu Gast in Luxemburg

Eine Prinzessin in Luxemburg.
150 Jahre Londoner Vertrag

Herzogin Kate zu Gast in Luxemburg

Eine Prinzessin in Luxemburg.
Foto: REUTERS
Panorama 3 Min. 06.05.2017 Aus unserem online-Archiv
150 Jahre Londoner Vertrag

Herzogin Kate zu Gast in Luxemburg

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Die britische Herzogin Kate besucht das erste Mal Luxemburg. Aus historischem Anlass: Vor 150 Jahren wurde dem Großherzogtum in London seine Unabhängigkeit zugesichert.

(dpa/ps) – Sie kommt. Kate, Herzogin von Cambridge, besucht Luxemburg. Ohne Ehemann William, ohne Kinder, aber im Auftrag der britischen Königin Elizabeth. Die royale Visite am Donnerstag (11. Mai) ist Teil der Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag jenes Londoner Vertrages von 1867, ohne den es Luxemburg in seiner heutigen Form gar nicht mehr gäbe. Daher ist das Erinnerungsfest ein wichtiges Ereignis für das  Großherzogtum, das zum ersten Mal groß gefeiert wird.

Ich glaube, das ist ein Datum, das unterschätzt wir.

„Ich glaube, das ist ein Datum, das unterschätzt wird“, sagt Marie-Paule Jungblut, Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Luxemburg. Vielen sei nicht klar, wie bedeutsam dieser Vertrag sei: Weil mit ihm die Unabhängigkeit des Staates bestätigt worden sei. „Wäre es zu keiner Einigung gekommen, wäre es zu einem preußisch-französischen Krieg gekommen. Und damit wäre auf jeden Fall die Unabhängigkeit flöten gegangen“, sagt sie.

Premierminister Xavier Bettel hat zu dem Gedenktag Vertreter aus neun Ländern eingeladen: Stargast ist Kate (35), die zum ersten Mal nach Luxemburg reist. Sie komme anlässlich des Jahrestages, aber auch, um die „kulturellen und historischen Verbindungen“ zwischen dem britschen Königreich und dem Großherzogtum zu würdigen, teilten Luxemburgs Regierung und der Kensington-Palast mit.

Kultur für Kate

Daher geht Kate in Luxemburg auch auf englische Spurensuche. Im Museum für zeitgenössische Kunst (Mudam) besucht sie eine Ausstellung der zwei britischen Künstler Tony Cragg und Darren Almond. Danach geht sie im radsportverrückten Luxemburg zu einer Veranstaltung, bei der Kinder Tour de France-Trikots entwerfen und Künstler Bilder großer Radfahrlegenden vorstellen: Vom Luxemburger Charly Gaul etwa oder vom unvergessenen Briten Tom Simpson.

Später ist die Herzogin bei den Hauptfeierlichkeiten zum Jahrestag der Unterzeichnung des Londoner Vertrages dabei: Im Festungsmuseum Dräi Eechelen (Drei Eicheln), in dem die Ausstellung „1867. Luxemburg - offene Stadt“ eröffnet wird. Darin wird die Geschichte rund um die Schleifung der einst machtvollen Festung Luxemburg erzählt. Aber auch die neue Dauerausstellung des Luxembourg City Museum wird die Herzogin besuchen.

Luxembourg for sale

Wie kam es zu dem Londoner Vertrag? Er war die Folge eines Konflikts: Zu dieser Zeit rückte Luxemburg mitsamt seiner Bundesfestung als Zankapfel zwischen die Interessen der europäischen Großmächte. Seit Ende des preußisch-österreichischen Kriegs von 1866 war die politische Zukunft des Großherzogtums ungewiss. Napoleon III. forderte als Gegenleistung für seine Neutralität im innerdeutschen Konflikt die Annexion Luxemburgs. Der preußische Kanzler Otto von Bismarck hatte an diesem Deal zu Beginn nichts auszusetzen („Luxemburg hat für uns keinen Wert“), sodass Napoleon III. und der damalige König Wilhelm III. sich auf ein Kaufgeschäft von 5 Millionen Gulden einigten. Done Deal!

Als jedoch der Vorsitzende des Deutschen Nationalvereins, Rudolf von Bennigsen, im Norddeutschen Parlament gegen diesen Kuhhandel interpellierte, ging ein Aufschrei durch die deutsche Öffentlichkeit. Bismarck nahm unter diesem Druck seine Einwilligung zurück. Unterdessen sorgte das Interesse des neutralen Belgiens am Großherzogtum ab April 1867 für zusätzliches Störfeuer. Die „Luxemburger Frage“ entwickelte sich zu einer gefährlichen machtpolitischen Situation. Um einen bevorstehenden europäischen Krieg zu vermeiden, wurde auf russische Initiative hin eine Konferenz in London einberufen. Der Vertrag vom 11. Mai 1867 deeskalierte (vorerst) den Konflikt und bekräftigte die Unabhängigkeit Luxemburgs. Das Abkommen garantierte die Rechte des Hauses Oranien-Nassau in Luxemburg, schrieb den Neutralitätsstatus fest und veranlasste den Abzug der preußischen Garnison sowie die Schleifung der Festung.

Jungblut ist der Ansicht, dass es vor 150 Jahren vor allem Russland war, das die zögernden Briten dazu brachte, einer kollektiven Neutralitätsgarantie für Luxemburg zuzustimmen. „Meine These ist, dass man es Russland zu verdanken hat“, sagt sie. Die Russen wollten einen preußisch-französischen Krieg verhindern, indem man „den Kriegsgegenstand“ - also Luxemburg - neutralisiert. „England war gar nicht so versessen darauf, den Luxemburgern Unabhängigkeit zu garantieren“, meint sie. Aber das ist eine andere, lange Geschichte.

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Neutralitätsfeier in Luxemburg
Kate ist da. Boden schrubben und nach Sprengstoff schnüffeln, das war am Morgen, am Nachmittag hieß es mächtig Winken: Der Kate-Besuch hielt Luxemburg in Atem.
(de g. à dr.) S.A.R. la duchesse de Cambridge ; Xavier Bettel, Premier ministre, ministre d'État, ministre de la Culture ;
Vor 150 Jahren stand Europa vor einer tiefen Krise. Der Grund? Luxemburg – ein kleines von Bauern bewohntes Fleckchen Land – geriet mit seiner Festung zwischen die Interessen zweier Großmächte.
150 Jahre Londoner Vertrag
Vor 150 Jahren sollte Luxemburg an Frankreich verkauft werden. Das hatte nicht nur nachhaltige Konsequenzen für das europäische Mächtegefüge, sondern vor allem für die Luxemburger Gesellschaft.
Herzogin Kate in Luxemburg
Herzogin Kate von Cambridge besucht am Donnerstag Luxemburg. Wir verraten Ihnen, wo sie die hübsche Ehefrau von Prinz William aus nächster Nähe sehen können.
Britain's Catherine, Duchess of Cambridge arrives at the XLP Mobile Recording Studio on March 27, 2015 in south London. In 2008 XLP, EMI, MTV and the Met Police collaborated to create the X-Mobile studio. Converted from an old police riot van as part of MTVs Pimp My Ride TV show this superbly equipped mobile recording studio has since been working in schools, pupil Referral Units and on estates. AFP PHOTO / CHRIS JACKSON / POOL
Jetzt ist es offiziell: Am 11. Mai wird die Herzogin von Cambridge, Ehefrau des britischen Prinzen William, Luxemburg besuchen. Anlass ist der 150. Jahrestag des Londoner Vertrages.
Britain's Kate the Duchess of Cambridge arrives with her husband Prince William and his brother Prince Harry, both not pictured, to attend the inauguration of "Warner Bros. Studios Leavesden" near Watford, approximately 18 miles north west of central London, Friday, April 26, 2013. As well as attending the inauguration Friday at the former World War II airfield site, the royals will undertake a tour of Warner Bros. "Studio Tour London - The Making of Harry Potter", where they will view props, costumes and models from the Harry Potter film series. (AP Photo/Chris Jackson, Pool)