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„Hëllef fir d'Natur 2017“: Kass-Haff: viel mehr als nur ein Bauernhof
Panorama 13 3 Min. 13.02.2018

„Hëllef fir d'Natur 2017“: Kass-Haff: viel mehr als nur ein Bauernhof

Manon KRAMP
Manon KRAMP
Tom Kass und Anja Staudenmayer sehen ihren Hof als Ort des Austauschs und der Begegnungen, der allen offen steht: Verbrauchern, aber vor allem auch Kindern.

von Maurice Fick

Auf ihrem Bauernhof betreiben Tom Kass und Anja Staudenmayer biodynamische Landwirtschaft. Sie sehen ihren Hof als Ort des Austauschs und der Begegnungen, der allen offen steht: Verbrauchern, aber vor allem auch Kindern. 

In idyllischer Lage zwischen Lintgen und Rollingen bietet sich vom Kass-Haff aus eine atemberaubende Aussicht. Um einen herkömmlichen Bauernhof handelt es sich hier allerdings nicht – weswegen der Hof in der vergangenen Woche im „Natur Musée“ auch mit dem Preis „Hëllef fir d'Natur 2017“ ausgezeichnet wurde.

Laut der Jury, die sich aus Vertretern des Museums, der Umwelt- und Kulturministerien sowie der Stiftung Hëllef fir d'Natur zusammensetzt, soll die Auszeichnung, die mit 5 000 Euro dotiert ist, die langjährige Arbeit der Betreiber belohnen, die einen pädagogischen Bauernhof geschaffen haben, der Schulen und interessierten Bürgern offen steht, sich der Schaffung und Instandhaltung natürlicher Lebensräume widmet – ebenso wie der biodynamischen Landwirtschaft und der Integration des Bauernhofs ins Alltagsleben.

Ein Hof für die ganze Gemeinschaft

Der Hof von Tom Kass und Anja Staudenmayer wurde 2013 mit der Unterstützung von Oikopolis Participations und der finanziellen Hilfe von 24 Privatpersonen gegründet. Er funktioniert wie eine der vielen Gemeinschaften, die es mittlerweile in Europa gibt, und die eine Agrikultur mit Nachbarschaftscharakter unterstützen. „Anstatt die Partnerschaft zwischen dem Bauernhof und den Verbrauchern auf eine kleine Gruppe zu begrenzen, wollten wir diese Idee ausweiten und eine sehr große Gemeinschaft von Menschen schaffen, die sich von dem angesprochen fühlt, was wir hier machen“, fasst Tom Kass die Grundidee zusammen.

Tom und Anja – selbst vierfache Eltern – haben ihren Lernbauernhof auch ins Leben gerufen, damit Kinder wieder erd- und realitätsverbundener werden. 2003 sei das „Haus vun der Natur“ in Kockelscheuer auf der Suche nach einem Hof, der die Kindergartenklassen der Hauptstadt empfangen kann, erstmals an sie herangetreten, erklärt Tom Kass. Anfangs seien im Winter rund 60 bis 80 Gruppen gekommen. 15 Jahre später sind es 300 Gruppen und somit rund 6 000 Kinder.

Die Betreiber Tom Kass und Anja Staudenmayer mit Border Collie Lucky.
Die Betreiber Tom Kass und Anja Staudenmayer mit Border Collie Lucky.
Foto:Gerry Huberty

Entdecken, ausprobieren, feiern

Ein genormtes Programm wird den Kleinen aber nicht geboten: Man versucht einfach, den jungen Besuchern Zeit zu lassen, um die Magie des Bauernhofs auf sich wirken zu lassen. Besonders wichtig ist dabei der direkte Kontakt mit den Tieren. Dreißig Kühe der Rasse Montbéliard werden hier von Toms Vater Willy umsorgt. Es gibt auch Ziegen, gefleckte Schwäbisch-Hällische Landschweine, Kälber, rund 200 Hühner und fünf Hähne sowie den Border Collie Lucky, der nie von der Seite des Hofherrn weicht.

Bei ihrem Besuch begleiten die Kinder Tom Kass bei der Arbeit. Sie dürfen alles anfassen und testen, Hühner und Schweine füttern, auf einen Traktor klettern, im Heu spielen, die Kühe auf der Weide besuchen und sich sich von einem Kälbchen die Hand lecken lassen. Laut Aussagen der Betreiber ist die Hälfte der Besucher jedoch nicht nur auf dem Kass-Haff, um zu lernen, sondern auch um zu feiern: Kindergeburtstage machen rund die Hälfte der Besuchergruppen aus. Für 19 Kinder zwischen drei und sechs Jahren gehört das Bauernhofambiente sogar zum Alltag, denn sie besuchen die Waldorfschule, die Teil des idyllischen Mini-Dorfs ist.

Alles Käse

Der einzige Ort, den Besucher nicht betreten dürfen, ist die Käserei, die Wirkungsstätte von Käsermeister Christian. Unter dem Namen „Made in Kass-Haff“ vermarktet der Hof rund 30 seiner Produkte – neben Käse auch Wurst, Joghurt, Bolognese-Soße und Eier – im Bioladen Naturata, der sich ebenfalls auf dem Gelände befindet. Ein Geschäftszweig, der langsam auch Gewinn abwirft, wie Anja Staudenmayer bestätigt, die hier das Sagen hat.

(Aus dem Französischen übersetzt von Manon Kramp.)


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