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Hauptstadt der Korruption
Panorama 2 Min. 11.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Hauptstadt der Korruption

Vorschläge in Umschlägen. Vieles in Köln wird unter der Hand geregelt. Vor allem von Josef Asch (Rainer Bock, r.), hier mit seinem Baudezernenten Andrea di Carlo (Serkan Kaya, l.).

Hauptstadt der Korruption

Vorschläge in Umschlägen. Vieles in Köln wird unter der Hand geregelt. Vor allem von Josef Asch (Rainer Bock, r.), hier mit seinem Baudezernenten Andrea di Carlo (Serkan Kaya, l.).
Foto: WDR/Frank Dicks
Panorama 2 Min. 11.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Hauptstadt der Korruption

Martin WEBER
Martin WEBER
Der Themenabend „Kölscher Klüngel“ startet mit einer temporeichen TV-Satire über einen Wirtschaftsskandal in Köln.

Es beginnt, wie so oft in Köln, mitten im Karneval: Bei einer närrischen Schunkelveranstaltung, bei der das Kölsch in Strömen fließt, stellt der korrupte Baudezernent Lothar Stüssgen (Joachim Król) seinem Mitarbeiter Andrea Di Carlo (Serkan Kaya) den berüchtigtsten Strippenzieher der Domstadt vor, den ehemaligen Maurerpolier und millionenschweren Investor Josef Asch (Rainer Bock). Die schillernde Figur ist wie einige andere in der hintersinnigen TV-Satire „Der König von Köln“ am Mittwoch Abend im Ersten an ein reales Vorbild angelehnt: Der Baulöwe Josef Esch stand vor einigen Jahren im Zentrum eines gigantischen Wirtschaftsskandals in Köln, bei dem Banken und Firmen in Schieflage gerieten und Milliarden an Steuergeldern vernichtet wurden. 

Auch Josef Asch lässt es in der fiktiven ARD-Komödie zum Auftakt des Themenabends „Kölscher Klüngel“ richtig krachen und reißt die halbe Kölner High Society mit in den Abgrund. Der kleine Baureferent Andrea Di Carlo lässt sich von dem gewieften Strippenzieher bestechen und genießt die Vorteile der Kölschen Korruption – bis ihm die Sache über den Kopf wächst.

Hausdurchsuchungen und Verhaftungen

Der Zuschauer weiß zu diesem Zeitpunkt längst, dass es schlimm für die meisten Beteiligten ausgeht, beginnt die turbulente Mischung aus süffiger Gesellschaftssatire und spannendem Wirtschaftskrimi doch mit Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und der Sicherstellung von Akten und Beweisen, die bei illegal eingefädelten und überteuerten Kölner Bauprojekten eine Rolle spielen. 

Manchmal ist ein Griff ins Klo der Anfang einer Erfolgsgeschichte. Zumindest für Josef Asch (Rainer Bock).
Manchmal ist ein Griff ins Klo der Anfang einer Erfolgsgeschichte. Zumindest für Josef Asch (Rainer Bock).
Foto: WDR/Frank Dicks

Im Rückblick erinnert sich Andrea Di Carlo, wie es dazu kommen konnte: Mit einem vergleichsweise kleinen Gefallen – er hilft ihm beim dringend benötigten Anbau für sein Häuschen – macht sich Asch den Mann von der Behörde gefügig und hievt ihn sogar auf den Sitz des Baudezernenten. Schon bald aber verlangt der Baulöwe seine Gefälligkeit mit mörderischen Zinsen zurück: Andrea Di Carlo soll ihm und anderen Investoren den Bau der neuen Stadtverwaltung am Rande Kölns ohne Ausschreibung zuschanzen. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit und ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Doch dort zählen Schlüsselfiguren ebenfalls zum Kölschen Klüngel, das Projekt wird also durchgewinkt und die junge Staatsanwältin Alina Behrens (Eva Meckbach), die an dem Fall dran ist, kaltgestellt.


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Hauptstadt der Korruption und Vetternwirtschaft

Plötzlich sieht sich der eigentlich anständige Mann vom Baudezernat in einem Sumpf der Korruption versinken, aus dem er schnellstmöglich heraus will. Doch dagegen hat der leutselige Josef Asch etwas, der sich nun von seiner gefährlichen Seite zeigt. Temporeich, mit viel Lokalkolorit und von Vorbildern wie Helmut Dietls Klassiker „Schtonk!“ inspiriert erzählen Drehbuchautor Ralf Husmann und Regisseur Richard Huber eine böse Satire, wie sie sich so angeblich nur in Köln abspielen kann, das häufig als Hauptstadt von Vetternwirtschaft und Korruption geschmäht wird. 

Etliche Figuren sind an reale Vorbilder angelehnt: So spielen unter anderem eine schwerreiche Kaufhauserbin namens Valerie Dickeschanz (Judith Engel) und der abgehobene Manager Tom Middeldorf (Jörg Hartmann) eine wichtige Rolle, die ihre realen Vorbilder in Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz und dem wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilten Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff haben dürften. Im Anschluss zeigt die ARD im Rahmen des Themenabends die Dokumentation „Der Milliarden-Maurer vom Rhein“ (Mittwoch, 10. Dezember um 21.45 Uhr) über den echten Strippenzieher Josef Esch. 


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