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Harvey Weinstein droht weiteres Gerichtsverfahren
Panorama 1 3 Min. 06.01.2020

Harvey Weinstein droht weiteres Gerichtsverfahren

Harvey Weinstein droht weiteres Gerichtsverfahren

Foto: AFP/Stephanie Keith
Panorama 1 3 Min. 06.01.2020

Harvey Weinstein droht weiteres Gerichtsverfahren

Massive Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Harvey Weinstein lösten vor mehr als zwei Jahren die MeToo-Bewegung aus. Am Montag begann in New York der Prozess gegen den früheren Hollywood-Mogul – und ein zweites Gerichtsverfahren könnte folgen.

(dpa) - Schon die ersten Bilder sorgen für eine Welle der Empörung: Mit einer Art Rollator als Gehhilfe humpelt der 67 Jahre alte Harvey Weinstein am Montagmorgen zum Auftakt seines Prozesses wegen sexueller Übergriffe ins Gericht. Der Körper in schwarzem Anzug und Krawatte gebeugt, die Haare verwuschelt. Das sei doch alles nur Show, werfen ihm kurz darauf Tausende in den sozialen Medien vor. Weinstein wolle Mitleid erregen und sich als gebrochenen alten Mann darstellen.

Vor dem Gericht erwarteten den früheren Hollywood-Mogul bereits Dutzende Frauen, die ihm sexuelle Übergriffe vorwerfen, darunter die Schauspielerinnen Rosanna Arquette und Rose McGowan. „Lieber Harvey, was auch immer du dir selbst für Lügen erzählst - du hast das alles getan“, sagt McGowan vor Journalisten. „Du hast dir das alles selbst zuzuschreiben, weil du so vielen Menschen wehgetan hast.“ Anwältin Gloria Allred, die einige der Frauen vertritt, sagte, der Prozess werde genau beobachtet, „um zu sehen, ob ein reicher, mächtiger, berühmter Mann, dem die sexuelle Misshandlung von so vielen Frauen vorgeworfen wird, vor Gericht wirklich Rechenschaft ablegen muss.“

Weitere Anklage in Los Angeles

Doch für Weinstein kommt es noch dicker: Der frühere Filmproduzent muss sich in einem weiteren Strafprozess in Kalifornien vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles teilte am Montag mit, dass in zwei Fällen Anklage wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung erhoben wurde.

Die Vorwürfe stammen von zwei nicht namentlich genannten Frauen. Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft wurden sie im Jahr 2013 in Hotels in Beverly Hills Opfer von Weinsteins Übergriffen. Im Falle einer Verurteilung drohen dem 67-Jährigen bis zu 28 Jahre Haft.

Harvey Weinstein trifft, gestützt auf eine Gehhilfe, am Manhattan Criminal Court ein. Der 67-Jährige war vergangenen Herbst nach einem Autounfall am Rücken operiert worden.
Harvey Weinstein trifft, gestützt auf eine Gehhilfe, am Manhattan Criminal Court ein. Der 67-Jährige war vergangenen Herbst nach einem Autounfall am Rücken operiert worden.
Foto: AFP/Timothy A. Clary

Zuvor hatte Richter James Burke den Prozess gegen Weinstein am Obersten Gericht des Bundesstaates New York im Süden Manhattans eröffnet. Auf der Tagesordnung standen am Montag aber zunächst nur gerichtliche Formalitäten. Am Dienstag sollte dann die Auswahl der Geschworenen-Jury beginnen, die bei so einem schlagzeilenträchtigen Prozess mehrere Tage dauern kann. Einige Beobachter gehen in diesem Fall sogar von bis zu zwei Wochen aus. Weinstein will einem Gerichtssprecher zufolge aber stets anwesend sein.

Mehr als 80 Frauen, darunter bekannte Stars wie Angelina Jolie, Ashley Judd, Uma Thurman oder Salma Hayek, haben Weinstein in den vergangenen Jahren sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Der Prozess, der bis zu zwei Monate dauern könnte, dreht sich aber nur um die Vorwürfe von zwei Frauen - eine von ihnen soll Weinstein 2006 zum Oral-Sex gezwungen haben, die andere soll er 2013 vergewaltigt haben. Bei Verurteilung droht Weinstein eine lebenslange Haftstrafe.

Ausgang völlig offen

Entscheidend wird sein, ob der Fall, der 2017 die MeToo-Ära der Kritik an einem Muster sexualisierten männlichen Machtmissbrauchs eingeläutet hat, auch vor einem Strafgericht besteht. Der Ausgang ist völlig offen. Die Staatsanwälte müssen juristisch beweisen, dass Weinstein sich der Vergewaltigung, krimineller sexueller Handlungen und räuberischer sexueller Übergriffe schuldig gemacht habe. Der 67-Jährige hat immer wieder betont, jegliche Handlungen seien einvernehmlich gewesen.


NEW YORK, NY - DECEMBER 11: Movie producer Harvey Weinstein arrives at criminal court on December 11, 2019 in New York City. Weinstein returned to court for a ruling on whether he will remain free on bail or if his bail will be raised to $5 million before his trial starts January 6 .   David Dee Delgado/Getty Images/AFP
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Harvey Weinstein humpelt ins Gericht - doch ein Rückenleiden soll den Prozessbeginn im Januar gegen den 67-Jährigen, dem unter anderem Vergewaltigung vorgeworfen wird, nicht gefährden.

Die Anschuldigungen gegen Weinstein, im Herbst 2017 von der „New York Times“ und dem Magazin „New Yorker“ veröffentlicht und später mit dem Pulitzer-Preis gekrönt, traten die MeToo-Bewegung los. Überall auf der Welt erkannten viele Frauen und auch einige Männer ihre eigenen Geschichten in denen der Weinstein-Opfer wieder und begannen, sie unter dem Schlagwort „Me too“ („Ich auch“) zu sammeln.

Aus dem Internet erwuchs daraus zusammen mit der Kampagne TimesUp (Deutsch: Die Zeit ist um) eine mächtige Bewegung gegen Machtmissbrauch, gegen Gewalt gegen Frauen und für Gleichberechtigung. Ihre Ausläufer erreichten die letzten Winkel vieler Branchen und Gesellschaften, zahlreiche auch berühmte Menschen verloren ihre Jobs - wie etwa der Komiker Louis C.K. oder der Schauspieler Kevin Spacey. Als einziger Verurteilter der MeToo-Ära gilt bisher der Entertainer Bill Cosby, der seit 2018 wegen sexueller Nötigung im Gefängnis sitzt. Die öffentlichen Vorwürfe gegen ihn begannen allerdings schon Jahre vor dem Skandal um Weinstein.

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