Harrison Ford wird 75

Indy, Han Solo und Umweltschützer

Harrison Ford ist nur noch selten auf der großen Leinwand zu sehen. Ein Wiedersehen mit Indiana Jones ist aber in Planung: Der fünfte „Indy“-Film soll 2020 in den Kinos starten.
Harrison Ford ist nur noch selten auf der großen Leinwand zu sehen. Ein Wiedersehen mit Indiana Jones ist aber in Planung: Der fünfte „Indy“-Film soll 2020 in den Kinos starten.
Foto: Shutterstock

von Rainer Holbe

Indiana Jones ist die Rolle seines Lebens. Als Altertumsforscher gräbt er sich durch monumentale Tempel auf der Suche nach dem Heiligen Gral, findet den gläsernen Schädel des Todes und schlägt sich mit mexikanischen Desperados herum. Als amerikanischer Präsident an Bord der „Airforce One“ hat er bereits eine gute Figur gemacht – jedenfalls eine bessere als der jetzige Amtsinhaber.

Meisterprüfung als Schreiner

Den 1942 in Chicago als Sohn eines irisch-stämmigen Schauspielers und einer weißrussischen Mutter geborenen Ford zieht es schon früh in die Glitzerwelt des Kinokosmos. Nachdem er kurz vor dem Abschluss das College verlässt, nimmt er an einem Nachwuchsprogramm in Hollywood teil und wird bald für eine Nebenrolle besetzt: als Page in „Dead Heat on a Merry-Go-Round“. Der Film wird kein Erfolg, und der von Existenzängsten geplagte Ford versucht es erst einmal mit einem „anständigen Beruf“. Er schafft die Meisterprüfung als Schreiner, stellt Möbel her und bleibt dabei weiterhin auf den Besetzungslisten der Filmemacher.

Nebenbei arbeitet er als Bühnenassistent für die Band The Doors. Die Kasse stimmt, und Ford kann es sich leisten, weniger attraktive Filmangebote abzulehnen. Meisterregisseur George Lucas gibt ihm eine Hauptrolle in dem Klassiker „American Graffiti“, und als Han Solo in dem Science-Fiction-Epos „Star Wars“ gelingt ihm schließlich der internationale Durchbruch.

Nach Hauptrollen in erfolgreichen Liebeskomödien wie „Sabrina“, Thrillern wie „Air Force One“ und Lustspielen wie „Morning Glory“ verwandelt sich Ford immer mal wieder in den Abenteurer Indiana Jones, den er vor knapp 30 Jahren zum ersten Mal in den Urwäldern Südamerikas und den Wüsten Arabiens gespielt hat. „Mr. Jones“ – der Mann mit dem abgewetzten Filzhut und der lässigen Tropenkluft – wird von Frauen verehrt und von Männern geschätzt, weil er auch von Niederlagen profitiert.

Harrison Ford gehört längst zu den ehrwürdigen Haudegen wie Clint Eastwood oder Robert Redford, die in ihren späten Lebensjahren noch einmal zu Hochform auflaufen. Ohne auf die Karriere zu schielen, können sie sich ihre Rollen aussuchen. Das „Guinness-Buch der Rekorde“ führt Ford inzwischen als reichsten Schauspieler des Planeten.

Seine Bekanntheit nutzt Ford auch, um auf das Thema Umweltschutz aufmerksam zu machen, etwa als Vizepräsident der Organisation „Conservation International“. Diesem selbstlosen Einsatz hat der Schauspieler auch eine besondere Ehre zu verdanken: Bislang wurden zwei Spinnen von Wissenschaftlern nach ihm benannt – die Calponia harrisonfordi und die Pheidole harrisonfordi.

Probleme als Pilot und Ehemann

Ford sammelt Oldtimer-Flugzeuge wie andere Leute Briefmarken und hat als Pilot mehr als 10 000 Flugstunden absolviert. Mit seinem Hobby aber macht er auch immer wieder Schlagzeilen. So als er in seinem Kleinflugzeug den Flughafen im kalifornischen Orange County ansteuert und statt der vorgesehenen Landebahn das Rollfeld überfliegt – haarscharf vorbei an einer American-Airlines-Maschine mit 116 Passagieren an Bord. „Ich bin der Trottel, der gerade auf dem Taxiway gelandet ist“, sagt er dem Fluglotsen. Die Flugaufsichtsbehörde leitet Ermittlungen ein, doch Ford darf seinen Pilotenschein behalten.

Gleich zwei Bruchlandungen legt Ford auch in Sachen Ehe hin: Die Verbindungen fürs Leben mit Mary Marquardt (1964-1979) und Melissa Mathison (1983-2001) scheitern. Jeweils zwei Kinder gehen aus den Langzeitbeziehungen hervor.

Ein weiteres Kind, den Adoptivsohn Liam, zieht er mit seiner neuen Frau groß: „Ally McBeal“-Star Calista Flockhart, der er 2010 das Jawort gab. „Calista und ich waren vorher beinahe zehn Jahre zusammen, von daher hat die Hochzeit unsere Beziehung nicht wirklich verändert“, sagt Harrison Ford vor Journalisten. „Ich bin glücklich, verheiratet zu sein. Es war eine gute Idee“. Auch die anderen Ehen wird Ford wohl nicht als komplette Fehlentscheidung einschätzen – denn schließlich hat er diesen bereits drei Enkelkinder zu verdanken.