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Hans muss sterben
Joachim H. Luger verlässt die ARD-Kultserie auf eigenen Wunsch.

Hans muss sterben

Foto: WDR/Steven Mahner
Joachim H. Luger verlässt die ARD-Kultserie auf eigenen Wunsch.
Panorama 2 Min. 02.09.2018

Hans muss sterben

In der Rolle des Hans Beimer zählte er 33 Jahre zu den wichtigsten Figuren der „Lindenstraße“, doch damit ist jetzt Schluss: Joachim H. Luger steigt auf eigenen Wunsch aus der ARD-Familienserie aus.

Interview: Martin Weber

Seit 1985 spielte der deutsche Seriendarsteller Joachim H. Luger die Rolle des Hans Beimer, eine der Hauptfiguren der „Lindenstraße“. Am Sonntag um 18.50 Uhr ist der 74-Jährige zum letzten Mal in der ARD-Sendung zu sehen.

Joachim Luger, Sie steigen nach 33 Jahren auf eigenen Wunsch aus der „Lindenstraße“ aus. Hat Sie die Rolle als Hans Beimer gelangweilt?

Gelangweilt – nein. Schauspielerisch gab es immer wieder Herausforderungen, aber was meine Rolle betrifft glaube ich, dass eigentlich fast alles erzählt war. Und ich bin ja eigentlich schon zehn Jahre über mein eigentliches Rentenalter hinaus, und irgendwann wuchs das Gefühl in mir, dass ich mich auch mal in andere Gefilde begeben sollte.

Ein Szenenfoto aus der ersten Folge der Fernsehserie "Lindenstraße" mit dem Titel "Herzlich Willkommen" zeigt Tochter Marion Beimer, gespielt von Ina Bleiweiß (1.Reihe, links), Mutter Helga Beimer, gespielt von Marie-Luise Marjan (2.Reihe, links), Vater Hans Beimer, gespielt von Joachim Hermann Luger (2.Reihe rechts), Klausi Beimer, gespielt von Moritz A. Sachs (1.Reihe, Mitte), sein älterer Bruder Benny Beimer, gespielt von Christian Kahrmann (1.Reihe, rechts).
Ein Szenenfoto aus der ersten Folge der Fernsehserie "Lindenstraße" mit dem Titel "Herzlich Willkommen" zeigt Tochter Marion Beimer, gespielt von Ina Bleiweiß (1.Reihe, links), Mutter Helga Beimer, gespielt von Marie-Luise Marjan (2.Reihe, links), Vater Hans Beimer, gespielt von Joachim Hermann Luger (2.Reihe rechts), Klausi Beimer, gespielt von Moritz A. Sachs (1.Reihe, Mitte), sein älterer Bruder Benny Beimer, gespielt von Christian Kahrmann (1.Reihe, rechts).
Foto: Hornung/WDR/dpa

Was wollen Sie künftig machen?

Mehr Theater spielen, das habe ich schon in den letzten Jahren verstärkt getan – vor allem Boulevardtheater. Auch, weil es so ein schöner Kontrast zur häufig sehr problembelasteten Rolle des Hans Beimer war. Es macht mir einfach Spaß, zu zeigen, dass ich auch komische Rollen spielen kann.

Haben Sie auch im Fernsehen noch was vor?

Warum nicht? Wobei ich vermutlich nicht gerade mit Angeboten überschüttet werden dürfte, wenn man, wie ich, so lange eine Serienfigur gespielt hat.

Wie scheidet Hans Beimer eigentlich aus der Serie?

Er stirbt, aber Genaueres darf ich nicht verraten. Nur so viel: Wir haben eine außergewöhnliche Folge gemacht. (lacht) Besonders wird auf jeden Fall sein, dass das WDR-Funkhausorchester die Musik zur letzten Folge mit Hans Beimer live vor Publikum am Ausstrahlungsabend einspielt.

Gab es Reaktionen von „Lindenstraße“-Fans, nachdem der Tod von Hans Beimer angekündigt wurde?

Unglaublich viele. Ich war total überrascht und gerührt, dass so viele Zuschauer traurig darüber sind, dass meine Figur stirbt.

Gehört denn Mut zu Ihrer Entscheidung aufzuhören?

In gewisser Weise schon, denn das, was jetzt kommt, ist ja auch ein völlig unbekanntes Terrain für mich. Wer weiß, vielleicht passiert künftig ja gar nichts und ich sitze dann rum und ärgere mich, dass die Rolle weg ist – das kann auch sein. Aber für dieses und das kommende Jahr habe ich schon Engagements an fünf verschiedenen Theatern.

Sind denn einige „Lindenstraße“-Kollegen zu Freunden geworden?

Freundschaften sind in unserem Beruf eher selten. Aber wir sind sehr vertraut miteinander, besonders wir, die wir von Anfang an dabei waren. An meinem letzten Drehtag hat Marie-Luise Marjan mich heftig umarmt und Irene Fischer, meine langjährige Serienpartnerin, hat mir ein wunderbares Abschiedsgeschenk gemacht. Sie hat ja über viele Jahre Drehbücher für die „Lindenstraße“ geschrieben und irgendwann habe ich zu ihr gesagt: „Schreib doch mal ein Theaterstück“. Das hat sie dann tatsächlich gemacht und mir zum Abschied persönlich gewidmet.

Helga (Marie-Luise Marjan) und Sohn Klaus Beimer (Moritz A. Sachs) stehen am Grab von Hans Beimer - eine Szene aus Folge 1686 "Gute Reise Hans".
Helga (Marie-Luise Marjan) und Sohn Klaus Beimer (Moritz A. Sachs) stehen am Grab von Hans Beimer - eine Szene aus Folge 1686 "Gute Reise Hans".
Foto: Steven Mahner/WDR/dpa

Wird das Stück irgendwann auch aufgeführt?

Das hoffe ich doch – es ist ein sehr scharfzüngiges und witziges Stück und Irene hat auch eine Rolle für mich reingeschrieben. (lacht)

Und wie geht es mit der „Lindenstraße“ ohne Hans Beimer weiter?

Sehr gut, hoffe ich, und möglichst noch viele Jahre.

Werden Sie ab und zu noch am Set auftauchen?

Nee, eher nicht. Wenn man raus ist, ist man raus – und das ist dann auch gut so.


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