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Hämmern in päpstlicher Mission
Panorama 4 Min. 06.05.2018

Hämmern in päpstlicher Mission

Mithilfe von Hammer und Meißel nimmt das Muster auf den Helmen Gestalt an.

Hämmern in päpstlicher Mission

Mithilfe von Hammer und Meißel nimmt das Muster auf den Helmen Gestalt an.
Foto: KNA
Panorama 4 Min. 06.05.2018

Hämmern in päpstlicher Mission

Helme, Schwerter, Harnische – die Ausrüstung der Schweizergarde ist ein echter Hingucker. Gefertigt wird sie von einer Traditionsschmiede im oberösterreichischen Molln – ein Jahrhundertauftrag.

(KNA) - Schon von draußen hört man an diesem Morgen die Hammerschläge. Im Innern der Schmiede fallen gleich die unzähligen Werkzeuge wie Zangen und Hämmer ins Auge. Es riecht nach Kohle und Eisen. Georg Schmidberger schüttet Steinkohle in die Esse, in der ein munteres Feuer brennt. Dann hämmert er kraftvoll auf ein glühend rotes Stück Eisen ein.

Was hier in der Traditionsschmiede im 3 700-Einwohner-Ort Molln in Oberösterreich entsteht, ist einmalig auf der Welt: Die Familie Schmidberger fertigt Ausrüstungsgegenstände für die Schweizergarde, die Schutztruppe des Papstes. Erst im Dezember wurde ein Spezialauftrag über 70 Harnische für die Gardisten abgeschlossen und in den Vatikan gebracht. „Außerdem hab' ich das erste Garde-Schwert letztes Jahr runter geliefert. Davon werden wir in Zukunft pro Jahr auch fünf bis zehn fertigen“, zählt Johann Schmidberger auf, der den Betrieb mit seinem Bruder Georg führt.

Im lodernden Feuer der Mollner Schmiede wird das Metall, das zur Herstellung der Ausrüstung dient, gefügig gemacht.
Im lodernden Feuer der Mollner Schmiede wird das Metall, das zur Herstellung der Ausrüstung dient, gefügig gemacht.
Foto: KNA

Auf Empfehlung

Diesmal hat der Vatikan vier Helme geordert. Denn die Schweizergarde besitzt zur Zeit nur 80 Helme – für 120 Gardisten; jeder soll einen eigenen erhalten. „40 Stück von den Gardehelmen werden wir im Lauf der nächsten vier bis fünf Jahre anfertigen“, erzählt Johann Schmidberger, während er an einem halb fertigen Stück weiterarbeitet.

Mit Liebe zum Detail werden die Helme innerhalb von je 100 Arbeitsstunden hergestellt.
Mit Liebe zum Detail werden die Helme innerhalb von je 100 Arbeitsstunden hergestellt.
Foto: KNA

Jedes Exemplar wird von Hand gefertigt, in rund 100 Arbeitsstunden, wie der Schmied erläutert. Zunächst wird dafür das Blech in kaltem Zustand in Form geschlagen. Danach werde das Papstwappen von Julius II., der die Garde 1506 gegründet hat, in den Helm eingraviert, erklärt der 35-Jährige. Weitere Arbeitsschritte sind das Reinmachen der Muster, das Feilen, das Zusammensetzen der Einzelteile und das Anbringen der Halterung für die rot gefärbte Straußenfeder am hinteren Teil der Kopfbedeckung. Gerade ist er dabei, die 18 Zierrosetten zu fixieren. Auch sie entstehen in Handarbeit und dienen dazu, die zwei Helmschalen mit der Krempe zusammenzuhalten und das lederne Innenfutter, das eine Schneiderin aus Molln anfertigt, am Helm zu befestigen.

Schmied Johann Schmidberger steht in der Waffenkammer der Päpstlichen Schweizergarde im Vatikan und prüft bei einem Gardisten die Passform seiner Helme.
Schmied Johann Schmidberger steht in der Waffenkammer der Päpstlichen Schweizergarde im Vatikan und prüft bei einem Gardisten die Passform seiner Helme.
Foto: KNA

Wie sie an diesen außergewöhnlichen Auftrag gekommen sind? Das sei eigentlich eine „ganz einfache G'schicht“, meint Johann Schmidberger: ganz ohne Ausschreibung, sondern einzig auf Empfehlung vom Landeszeughaus Graz, einer der größten Rüstkammern Europas, die die Arbeit der Schmiede von Molln gekannt und an den Vatikan weiterempfohlen habe. Ihren ersten Auftrag für die Schweizergarde bekamen die Schmidbergers schließlich im Jahr 2009. Alle vier Helme, die dieses Mal gefertigt werden, haben eine Standardgröße: für einen Kopfumfang zwischen 57 und 62 Zentimetern. „Es würde ja auch keinen Sinn machen, dass man jedem Gardisten den Helm anpasst, wenn der nach zwei oder drei Jahren ohnehin wieder zurück in die Schweiz geht“, erklärt Johann Schmidberger. Ein fertiger Gardehelm bringt gerade einmal 1,5 Kilogramm auf die Waage. „Die sollen ja extrem leicht sein. Das Problem dabei ist, dass das Blech deshalb sehr, sehr dünn sein muss, nämlich nur 0,6 Millimeter. Da haben wir viel ausprobieren müssen, bis das funktioniert hat“, beschreibt Johann Schmidberger das Tüfteln an der optimalen Vorgehensweise.

Ein fertiger Gardehelm bringt gerade einmal 1,5 Kilogramm auf die Waage.

Die Pflege der Helme sei dagegen relativ einfach: Sie müssen nach Gebrauch nur eingefettet werden – mit einer Mischung aus Waffenöl und Vaseline. Dafür halten die Helme eine halbe Ewigkeit. Natürlich müsse das Innenfutter durch die Schweißbildung nach einigen Jahren ausgetauscht werden, erklärt Johann Schmidberger. „Aber am Helm selber kann eigentlich nichts kaputt gehen“, und auch die Mollner Harnische seien quasi unverwüstlich. „So haben wir uns also für Jahrhunderte verewigt.“

Schmiede mit Tradition

Die Brüder wissen es zu schätzen, dass sie an einem Ort mit Tradition arbeiten: Die Schmiede bestehe seit dem 14. Jahrhundert und werde seit etwa 1800 von ihren Vorfahren betrieben. Sie seien darin quasi aufgewachsen, beschreibt Johann Schmidberger die Verbundenheit mit der Schmiede und dem Handwerk, das sie von ihrem Vater Johann (67) erlernt haben.

Der Transport der Helme über die Alpen ist Chefsache. An einem Freitagmorgen, nach einem langen Arbeitstag für den letzten Feinschliff und einer Nacht auf der Autobahn, trägt Schmidberger eine Kiste mit dem Werk von 400 Stunden in die Kaserne des Papstes – übermüdet, aber stolz.

Wenn man die Ohren reinsteckt, geht's besser."

Waffenmeister Daniele Grandi schlägt die Helme behutsam aus der Noppenfolie und begutachtet sie. Die neuen Stücke passen perfekt zu den Rüstungen, die sich auf den Regalen der Waffenkammer reihen. Unter jedem Harnisch, jedem Helm zeigt ein Schild den Stifter an; auch die Schmiedearbeiten aus Molln sind gesponsert – über den Preis schweigt man diskret. Grandi hat nur noch die rote Pfauenfeder in die vorgesehene Tülle zu stecken, dann sind die Helme einsatzklar. Raphael Egger ist der Erste, der ein Stück der neuen Serie anprobieren darf. Der Vizewaffenmeister schließt die Wangenklappen, kontrolliert den Sitz: „Wenn man die Ohren reinsteckt, geht's besser“, meint er scherzend. Der Test ist bestanden. Für Johann und Georg Schmidberger steht fest: „Die Arbeit für die Schweizergarde ist heutzutage in unserem Beruf das Höchste, was man erreichen kann.“


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