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Großherzog bei Wiens pompöser Habsburg-Bestattung
Panorama 2 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Großherzog bei Wiens pompöser Habsburg-Bestattung

Die Särge von Otto von Habsburg und seiner Frau Regina, die im Jahr 2010 gestorben war, wurden im Rahmen der Trauerfeiern durch Mariazell getragen.

Großherzog bei Wiens pompöser Habsburg-Bestattung

Die Särge von Otto von Habsburg und seiner Frau Regina, die im Jahr 2010 gestorben war, wurden im Rahmen der Trauerfeiern durch Mariazell getragen.
Foto: ap
Panorama 2 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Großherzog bei Wiens pompöser Habsburg-Bestattung

Die legendäre Donaumonarchie flackert ein letztes Mal auf: Mit der Bestattung des einstigen Kronprinzen wird Österreichs Kaiserzeit an diesem Samstag Geschichte. Der geplante Prunk ist umstritten.

(dpa) - Gekrönte Häupter und viele Politiker aus ganz Europa und ein Trauerzug durch die Mitte der Hauptstadt: Mit viel Pomp trägt Österreich an diesem Samstag in Wien seinen letzten Kronprinzen Otto von Habsburg zu Grabe. Es sei zwar keine Staats- aber sicherlich eine kaiserliche Bestattung, urteilten österreichische Medien am Freitag. Im Vorfeld lösten der Aufwand und die fast zweiwöchigen Trauerfeiern für einen Toten, der eigentlich CSU-Europapolitiker war, scharfe Kritik aus.

Für den Hochadel haben unter anderem König Carl XVI. Gustaf von Schweden samt Königin Silvia, Großherzog Henri von Luxemburg sowie Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein mit Fürstin Marie ihr Kommen angekündigt.

Für die Politik reisen Trauergäste wie der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, Kroatiens Ministerpräsidentin Jadranka Kosor und der georgische Präsident Michail Saakaschwili an. Für Österreich kommen neben Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Werner Faymann zahlreiche Minister und Landeschefs.

Höhepunkt der rund zweiwöchigen Trauerfeiern

Die Zeremonien sind auf Stunden angesetzt und sollen den Höhepunkt der rund zweiwöchigen Trauerfeiern in Deutschland und Österreich bilden: Am Nachmittag wird Kardinal Christoph Schönborn - als persönlicher Vertreter von Papst Benedikt XVI. - vor 1000 geladenen Gästen ein Requiem im Wiener Stephansdom leiten.

Danach zieht der lange Trauerzug aus Klerus, Adel, Ritterorden und Militär über den Ring zur Kapuzinergruft - vorbei an den Symbolen einstiger Habsburg-Größe wie der Hofburg.

In der Kapuzinergruft soll Otto von Habsburg dann neben zwölf Kaisern und 19 Kaiserinnen und Königinnen - darunter Kaiser Franz Joseph I. und seine Sisi - die letzte Ruhe finden.

Sein Herz wird nach Familientradition am Sonntag einzeln bestattet, auf Wunsch Ottos in Ungarn. „Ein quasi Kaiser-Staatsbegräbnis als tief ergreifendes Erlebnis bewältigter Vergangenheit mischt Stolz und Freude in das Leid. Ich träum ja manchmal von Versöhnung sogar in Form von einer Krönung“, dichtete Österreichs großes Boulevardblatt „Kronenzeitung“ am Freitag in sehnsüchtiger Erwartung des Spektakels.

Auch kritische Stimmen

Doch nicht alle ergehen sich in wohliger Vorfreude: Intellektuelle kritisieren beschönigende Nostalgie und die Inszenierung eines Staatsbegräbnisses für eine in Österreich politisch unbedeutende Person. Ihm fehle absolut die kritische Auseinandersetzung mit der Monarchie, sagte der Vorstand des Instituts für Geschichte der Universität Wien, Karl Vocelka, im Radio (Ö1-Morgenjournal).

Habsburg habe in Österreich keine öffentlichen Ämter und Funktionen ausgeübt, daher verwundere es doch, warum höchste Amtsträger der Republik und das Bundesheer an der Beisetzung teilnehmen, bemängelte die zivilgesellschaftliche Vereinigung Republikanischer Club.

In Wirklichkeit gehe es auch gar nicht um die Person Habsburgs, sondern um Nostalgie, urteilten Beobachter. „Es wird eine Zeremonie sein, die in unfreiwillig parodistischer, aber auch in recht würdiger Form alles zusammenfasst, was diese Dynastie für Österreich bedeutet hat“, prognostizierte Armin Thurnher in der Stadtzeitung „Falter“. Die paar hundert Jahre Habsburger kriege die junge Republik Österreich nicht so schnell aus ihrem Rucksack.