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Große Trauer um Karl Lagerfeld
Panorama 12 3 Min. 19.02.2019

Große Trauer um Karl Lagerfeld

Panorama 12 3 Min. 19.02.2019

Große Trauer um Karl Lagerfeld

Der deutsche Stardesigner Karl Lagerfeld ist am Dienstagmorgen im Alter von 85 Jahren gestorben. Dies teilte das Modelabel Chanel am Mittag in seiner Geburtsstadt Hamburg mit. Eine Nachfolgerin steht bereits fest.

(dpa/NW/mij) - Karl Lagerfeld hat königliche Körper in Traumkreationen gehüllt und Outfits für Pop-Stars wie Madonna und Kylie Minogue entworfen. Nun ist der Modezar gestorben, wie der Modekonzern Chanel am Dienstag mitteilte. Nach eigenen Angaben kam Lagerfeld 1935 in Hamburg zur Welt. Als Geburtsjahre kursieren aber auch 1933 und 1938.

Lagerfeld hat mehr als ein halbes Jahrhundert die Mode mitbestimmt. Mitte der 50er Jahre begann er in Paris große Couture-Häuser wie Balmain, Patou, Chloé oder Fendi zum Erfolg zu führen. Er habe sich schon immer für Kleider interessiert, ohne zu wissen, dass man das Mode nenne, sagte Lagerfeld einmal in einem seiner zahlreichen Interviews. Als Kreativdirektor übernahm er 1983 Chanel. Ein Wechsel, der für das französische Modehaus wegweisend war.

Der Modernisierer

Der deutsche Modeschöpfer rüttelte die traditionsreiche Luxusmarke aus ihrem Dornröschenschlaf. Die typischen Tweedstoff-Jacken poppte er mit Bändern und Fransen neu auf, Haute-Couture-Kleider kombinierte er mit Sportschuhen. Treu blieb er dem klassischen Cocktailkleid und dem rosa Kostüm. Kollektionen unter seinem eigenen Namen entwarf er ab Mitte der 70er Jahre. Heute hinterlässt der Wahlpariser ein Modeimperium, dessen Wert auf mehrere Millionen Euro geschätzt wird.

Seine Mode war elegant, minimalistisch und innovativ. Unvergesslich sind das kleine Chanel-Jäckchen, die tiefe Rücken-Dekolletés, seine Wollmäntel mit Gürtelschließe am Kragen. Lagerfeld hat klassische Formen erneuert und „Looks“ geschaffen. Er schickte die schönsten Models über die Laufstege, darunter Claudia Schiffer und Inès de la Fressange.

Zuletzt fehlte er genau da, wo er jedes Mal frenetisch gefeiert wurde - auf dem Laufsteg zum Finale einer Chanel-Show. Die offizielle Begründung: Lagerfeld habe sich müde gefühlt. In Paris, wo er nach dem Tod von Modeschöpfer Yves Saint-Laurent der letzte noch verbliebene Modezar war, war die Sorge groß. Erst im November hatte er noch die berühmte Festtagsbeleuchtung auf der Pariser Prachtmeile Champs-Élysées eingeweiht.


Kein Blatt vor dem Mund

Legendär waren Lagerfelds Aussprüche. Über seine Haut sagte er: „Ich gehe nicht mehr in die Sonne. Schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Ich will nicht aussehen wie eine alte Schildkröte.“ Über seine Ausbildung sagte der Besitzer von 300 000 Büchern: „Ich habe ja im Grunde nie etwas gelernt. Ich habe nicht einmal Abitur gemacht und nix.“ Vernichtend war das Urteil des Modezaren über Freizeitkleidung: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

Lagerfelds unermüdlicher Gestaltungswille beschränkte sich nicht nur auf die Haute-Couture. Für Aufsehen sorgte 2004 seine Ankündigung, kostengünstige Mode für den schwedischen Discount-Modefilialisten H&M zu entwerfen. Lagerfeld war der erste Design-Kooperationspartner. Ihm folgten unter anderem Lanvin und Versace.

Frankreichs Presse nannte den Sohn des Hamburger „Glücksklee“-Kondensmilch-Fabrikanten Otto Lagerfeld wegen seiner rastlosen Kreativität auch „König der Maßlosigkeit“ oder „Karl den Großen“. Eine Anspielung an den gleichnamigen Herrscher, der bis 814 König des Frankenreichs war, das unter ihm zu seiner größten Ausdehnung und Machtentfaltung fand.

Schwarze Sonnenbrille, weißer Mozartzopf, steifer Vatermörderkragen und Ringe an jedem Finger: So kannte Lagerfeld die ganze Welt. Seinen fast schon maskenhaften Stil hat er zu seinem Markenzeichen gemacht.

Virginie Viard, bisher „rechte Hand“ von Karl Lagerfeld bei Chanel, soll dem Modeschöpfer bei dem legendären Pariser Modehaus nachfolgen. Viard solle nun für die Kollektionen verantwortlich sein, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine Mitteilung von Chanel.

Erinnerungen an den großen Karl

Viele Stars posteten im Laufe des Tages bei Twitter, Instagram und Co. ihre Beileidswünsche und Erinnerungen. Die Begegnungen mit dem deutschen Designer waren für viele unvergesslich - so auch für "Luxemburger Wort"-Kolumnist Stéphane Bern, der den Modeschöpfer für einen ganz besonderen Menschen hielt, für einen guten Beobachter und einen guten Freund. Einmal habe Karl Lagerfeld ihm einen Umschlag zugesteckt, mit der Anweisung, ihn erst später zu öffnen. Der Umschlag habe eine Uhr von Kaiser Wilhelm II. enthalten - und ein kurzes Schreiben: "Wen außer Sie und mich würde so etwas wohl noch interessieren?"

Auch das luxemburgische Model Caroline Reuter, die vor wenigen Wochen bei den Haute-Couture-Schauen in Paris für Chanel über den Catwalk gelaufen ist, erinnert sich an ihr Aufeinandertreffen mit dem Designer. "Ich hatte die große Ehre, Karl Lagerfeld noch kurz kennenzulernen", so Caroline Reuter, die sehr dankbar dafür ist, mit seiner Hilfe die ersten Schritte in diesem Metier gemacht zu haben. "Er wird vielen Menschen - auch mir - mit seiner kreativen Art in Erinnerung bleiben."


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