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Grönland-Expedition: In kalten Gefilden
Panorama 4 Min. 10.07.2019

Grönland-Expedition: In kalten Gefilden

Patrick Peters mit seinem Kite an einem Bilderbuchtag. Von diesem ließ er sich über die endlose weiße Weite ziehen.

Grönland-Expedition: In kalten Gefilden

Patrick Peters mit seinem Kite an einem Bilderbuchtag. Von diesem ließ er sich über die endlose weiße Weite ziehen.
Foto: Patrick Peters
Panorama 4 Min. 10.07.2019

Grönland-Expedition: In kalten Gefilden

Der Escher Orthopäde Patrick Peters hat Grönland in 30 Tagen durchwandert – jetzt ist die Antarktis sein Ziel.

von Frank Weyrich 

Knapp über 20 Grad – über die derzeit herrschenden „kühlen“ Sommertemperaturen kann Patrick Peters nur lachen. Er war noch vor Kurzem in einer ganz anderen Umgebung, wo Eis, Schnee und Kälte auf der Tagesordnung standen. Vor wenigen Wochen hat er innerhalb eines Monats Grönland von Süden nach Norden durchquert. Das wirft natürlich Fragen über Fragen auf. Vor allem: Wie kommt ein Luxemburger dazu, solch eine Expedition in Angriff zu nehmen? Und nicht zuletzt: diese auch noch erfolgreich abzuschließen?

Zuerst die Berge, dann die Arktis

Um dies zu erklären, muss man in die Vergangenheit blicken. Schon im Studium hat Peters Erfahrung in den Bergwelten aller Kontinente gesammelt, wobei die höchste Besteigung ihn in Nepal auf 5 600 Meter Höhe brachte. „Irgendwann waren mir in den Bergen zu viele Leute unterwegs, sodass ich mich nach anderen Möglichkeiten umgeschaut habe, um meine Vorliebe für die kalte Welt weiterhin genießen zu können“, so ein sichtlich begeisterter Patrick Peters über sein Hobby.

„Nein, Hobby kann man das nicht nennen“, unterbricht er, „ich würde mich eher als Polar-Kite-Skier bezeichnen.“ Er erkundet die Polarregionen, indem er auf Skiern unterwegs ist und dabei von einem Kite, also einem Drachen, gezogen wird.


HANDOUT - 13.06.2019, Grönland, Qaanaaq: Das Bild des Kopenhagener Klimaforschers Steffen M. Olsen vom Dänischen Meteorologischen Institut zeigt, wie acht Hunde einen Schlitten an einem außergewöhnlich warmen Tag über das Meereseis ziehen. Statt des Eises ist jedoch nur noch knöchelhohes Schmelzwasser zu sehen, wodurch es erscheint, als würden die Vierbeiner beinahe über dem Wasser laufen. (zu dpa "Foto von Schlittenhunden auf dem Grönlandeis geht um die Welt") Foto: Steffen M. Olsen/Danmarks Meteorologiske Institut/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Foto von Schlittenhunden auf dem Grönlandeis geht um die Welt
Internationale Medien berichteten am Dienstag über das Bild, das der Kopenhagener Klimaforscher Steffen M. Olsen vom Dänischen Meteorologischen Institut aufgenommen hat.

Nach rund 15 Jahren, in denen es der Orthopäde aus Esch-Alzette auch schon mal bis zum Nordpol schaffte, stand vor wenigen Wochen die bisher größte Expedition auf dem Programm: die Durchquerung Grönlands von Süd nach Nord.

Der Start der Expedition fand am 6. Mai in Findel statt. Über Kopenhagen ging es an die Südspitze von Grönland, nach Narsarsuaq. Die Siedlung wurde während des Zweiten Weltkriegs von den US-Streitkräften erbaut, um als Zwischenstation für die Flüge über den Atlantik zu dienen.

„Wir waren zwei Freunde, die mit einem erfahrenen Führer die 2 400 Kilometer bis nach Qaanaaq im Norden in Angriff genommen haben. Unser Material und unser Proviant war vorher nach Grönland geflogen worden und so konnten wir vor Ort unsere Tagesrationen verpacken. Wir hatten für rund 40 Tage Proviant dabei. Daneben galt es auch, unsere Zelte zu verstauen, unsere Kites und nicht zu vergessen eine Flinte – um gerüstet zu sein, falls ein Eisbär uns gefährlich werden würde.“

Der „Roude Léiw“ im Tiefschnee: Kurz vor der Ankunft in Qaanaaq im Norden Grönlands hisste Patrick Peters die Luxemburger Flagge.
Der „Roude Léiw“ im Tiefschnee: Kurz vor der Ankunft in Qaanaaq im Norden Grönlands hisste Patrick Peters die Luxemburger Flagge.
Foto: Frank Weyrich

Als alle Vorbereitungen getroffen waren und das Wetter mitspielte, konnte es losgehen. Am 12. Mai wurden die Abenteurer – begleitet von einem Guide – per Hubschrauber auf die Eiskappe geflogen und dort abgesetzt. Dieser Hüpfer war bewusst geplant, um sofort auf „sicherem“ Eis mit der Expedition beginnen zu können.

Kite vorne, Pulka hinten

Jeder Teilnehmer zog seinen eigenen Schlitten, genannt Pulka, hinter sich her. An einem Beckengurt wurde vorne der Kite befestigt. Mit Wind im Rücken glitt das Gespann mit knapp 30 Kilometern pro Stunde über den Schnee – so konnte Peters pro Tag meist 100 Kilometer in Richtung Norden bewältigen. Wenn die Witterung aber keine sichere Weiterfahrt erlaubte, musste auch mal eine Zwangspause eingelegt werden.

Und wie findet man seinen Weg auf dem weißen Eisschild? „Dafür hatten wir ja unseren Führer dabei“, erklärt der 53-Jährige. „In Zeiten von GPS hatte er seine Wegpunkte eingespeichert, die er aus vergangenen Expeditionen kannte. In der Praxis führen die Strecken durch einen etwa 50 Kilometer breiten Korridor.“ Das klingt alles recht einfach – als könnte das jeder so machen. Das wiegelt Peters aber energisch ab: „Ohne langjährige Erfahrung und ohne das nötige Können läuft da gar nichts. Um das in die richtige Perspektive zu setzen, diese Expedition schaffen jährlich eine Handvoll Leute, mehr nicht.“

Und dass eine Verletzung schnell passieren kann, musste er am eigenen Leib erfahren: „Am letzten Tag bin ich wegen einer Windböe abgehoben und bei der Landung unglücklich aufgekommen. Gott sei Dank war es nicht so schlimm und ich konnte bis zum Schluss weiterfahren.“ Das Trio konnte schließlich am 11. Juni in Qaanaaq auf 77 Grad nördlicher Breite die Eiskappe verlassen.

Der Südpol lockt

Das nächste Abenteuer ist bereits in Planung – und dann will Patrick Peters nochmals richtig zuschlagen. Ziel ist es, die Antarktis zu durchqueren, von der russischen Forschungsstation Novolazarevskaya, kurz Novo, bis zum Südpol und von dort aus zum Union Glacier. Dabei will er lediglich in Begleitung eines Führers in einer sogenannten Eins-zu-eins-Expedition rund 3 600 Kilometer durch die Eiswüste kiten. Innerhalb von zwei Monaten soll das Ziel erreicht sein.

Auch im Sommer gehört körperliches Training zu Peters Alltag.
Auch im Sommer gehört körperliches Training zu Peters Alltag.
Foto: Frank Weyrich

Einen genauen Zeitpunkt für dieses Unterfangen gibt es noch nicht, wobei feststeht, dass der Start Anfang November erfolgen wird. Um die Jahreszeit herrschten die besten Wetterverhältnisse. Die Temperaturen sinken dann „nur“ auf minus 40 Grad, und der Schneefall hält sich ebenfalls in Grenzen. Peters peilt derzeit 2021 oder 2022 an. „Auf jeden Fall muss es sein, bevor ich 58 Jahre alt bin“, unterstreicht er. Bis es so weit ist, müssen noch allerlei Vorbereitungen getroffen werden. Auch Sponsoren möchte der Mediziner finden, da eine solche Expedition äußerst kostspielig ist.

Aufmerksamkeit generieren

Ob am Nordpol, in Grönland oder in der Antarktis – eines möchte Peters aber auf jeden Fall mit seinen Expeditionen erreichen: „Unsere Erde ist sehr empfindlich, und nirgends wird das so deutlich wie in der kalten Welt. Wenn ich meinen bescheidenen Beitrag dazu leisten kann, dass sich die Menschen darüber bewusst werden, dass wir unseren Planeten behutsamer behandeln müssen, dann bin ich zufrieden.“

Dabei ginge es darum zu verstehen, wie sehr die verschiedenen Dinge zusammenhängen, von nachhaltigem Benehmen über Klimawandel bis hin zu Biodiversität. „Wenn die Eisbären verschwinden, dann geht der Mensch kaputt“, so Peters mit Nachdruck. Vor allem die Jugend möchte er ansprechen, um ihr zu zeigen, was alles möglich ist, wenn man eine sorgfältige Vorbereitung mit Wille und Ausdauer verbindet.


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