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Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Wohl des Patienten
Panorama 6 3 Min. 02.11.2019

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Wohl des Patienten

Seit nunmehr zehn Jahren besteht die Kooperation zwischen INCCI und der Klinik in der Mongolei.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Wohl des Patienten

Seit nunmehr zehn Jahren besteht die Kooperation zwischen INCCI und der Klinik in der Mongolei.
Foto: privat
Panorama 6 3 Min. 02.11.2019

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Wohl des Patienten

Eric HAMUS
Eric HAMUS
Das nationale Herzzentrum INCCI bildet seit zehn Jahren Herzchirurgen in der Mongolei aus.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts hat Luxemburg eine Vorreiterrolle in der weltweiten Entwicklungshilfe. Weniger bekannt ist in diesem Zusammenhang eine Kooperation zwischen dem Großherzogtum und der Mongolei, die nun ihr zehntes Jubiläum feiert: Die Partnerschaft zwischen dem nationalen Herzzentrum INCCI und dem Chastin-Krankenhaus in Ulan-Bator auf dem Gebiet der Herz- und Kreislaufkrankheiten.

Das Ziel dieser Zusammenarbeit sei rasch zusammengefasst, unterstreicht Dr. Arnaud Charpentier: „Die Patienten in der Mongolei verdienen die gleiche Qualität an Pflege wie Patienten in Luxemburg“, so der Leiter des „Institut National de Chirurgie Cardiaque et de Cardiologie Interventionelle“ (INCCI). Der Herzchirurg ist Teil jener Mannschaft, die sich mehrmals im Jahr in die Mongolei begibt, um das medizinische Personal in dem asiatischen Land weiterzubilden und auf den neuesten Stand der Medizin zu bringen.

Zurück geht die Initiative auf eine Arbeitsvisite des damaligen Premierministers Jean-Claude Juncker Anfang des neuen Jahrhunderts in der Mongolei. Neben anderen bilateralen Abkommen wurde damals auch eine Partnerschaft auf dem Gebiet der Medizin beschlossen. „Dabei wurden zwei Schwerpunkte festgelegt“, erinnert sich Dr. Charpentier. „Die Geburtshilfe einerseits und die Herz- und Gefäßkrankheiten auf der anderen Seite.“ Auf Luxemburger Seite sollte das INCCI die Leitung des zweiten Teils dieser Partnerschaft übernehmen.

Bereits 40 Jahre Erfahrung

Tatsächlich war das nationale Herzzentrum zu diesem Zeitpunkt erst ein paar Jahre alt, hatte aber bereits Erfolge auf dem Gebiet der Kardiologie und Herzchirurgie erzielen können. Eröffnet wurde das INCCI am 1. Juni 2001 auf Betreiben des Chirurgen Dr. Georg Wendt und des Kardiologen Dr. Jean Beissel. Zu den Gründungsinstituten gehörten das „Centre Hospitalier du Luxembourg“ (CHL) und das Sankt-Elisabeth-Krankenhaus, das 2014 in die Gruppe der „Hôpitaux Robert Schuman“ überging. Kurze Zeit später erfolgte der erste Besuch in Ulan Bator, bei dem die Lage sondiert und medizinische Einrichtungen unter die Lupe genommen wurden. Offiziell wurde die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Herzchirurgie und Kardiologie erst im Oktober 2009 eingeläutet.

Als Partner wurde das „staatliche Krankenhaus Nummer 3“ in der Hauptstadt Ulan Bator festgehalten. Das sogenannte Chastin-Krankenhaus war ein halbes Jahrhundert zuvor unter sowjetischer Führung eröffnet worden und konnte bereits auf 40 Jahre Erfahrung in der Herz- und Gefäßchirurgie zurück blicken. Ein Vorteil, der sich auch als Nachteil herausstellen sollte: Nach dem Zusammenfall der Sowjetunion waren die Gelder aus Moskau ausgeblieben.

„Als wir 2009 zum ersten Mal nach Ulan Bator flogen, fanden wir Zustände wie im Luxemburg der 1950er-Jahre vor. Während 40 Jahren wurde keine einzige Modernisierung vorgenommen“, erinnert sich Dr. Charpentier. Somit galt es vorerst, die Einrichtungen auf den neuesten Stand zu bringen: „Unser Ziel war es, dass die Mediziner mit dem gleichen Material arbeiten können, wie in Europa. Die Verhandlungen, die Sanierung, die Anschaffung und Einrichtung der medizinischen Geräte … all das hat vier Jahre in Anspruch genommen“.

Die zweite Herausforderung bestand in der Ausbildung der Fachkräfte, die bis dahin nur in der Mongolei und in benachbarten Ländern an ihren Beruf herangeführt wurden. „Die Ausbildung war ganz klar das längste und schwierigste Unterfangen dieser Partnerschaft“, betont Dr. Charpentier. Tatsächlich bedarf es rund zehn Jahre, um einen Herzchirurgen auszubilden. „Allerdings braucht man nicht nur einen Chirurgen, sondern ein Team mit Kardiologen, speziell ausgebildeten Krankenpflegern, einem Anästhesisten und einem Bio-Ingenieur“, so der Herzchirurg weiter.

Zwei bis drei Reisen pro Jahr

Also habe man sich entschlossen, die Ausbildung im Chastin-Krankenhaus selbst vorzunehmen. Die jungen Kollegen in Ulan Bator seien auch entsprechend lernfreudig gewesen. „Eine Ausbildung in Luxemburg hat sich aber als unpraktisch herausgestellt. So gab es Probleme bei den Zulassungsscheinen“, so der Mediziner.


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Zwei bis drei Mal im Jahr reist eine ganze Mannschaft um Dr. Charpentier nach Ulan Bator, um die Kollegen in der Mongolei auszubilden. Das Team besteht aus einem Herzchirurgen für Erwachsene, einem Chirurgen für Kinder, einem Anästhesisten, einem Spezialisten für Kardiologie und Wiederbelebungstechniken, drei spezialisierten Krankenpflegern und einem Bio-Ingenieur. Dabei behandelt das Team jedes Mal zwischen zehn und zwölf Patienten, in der Regel junge Erwachsene mit Gefäßkrankheiten oder Kinder und Neugeborene mit Herzfehlern.

Herzkrankheiten gehören weltweit zu den führenden Todesursachen. In der Mongolei sei die Rate noch höher. Deshalb sei das Projekt auch so wichtig für das Land und habe großen Einfluss auf die Bevölkerung. Arnaud Charpentier ist entsprechend stolz auf diese Partnerschaft, unterstreicht aber auch, dass die Lorbeeren dem gesamten Team gebühren.

Es freue ihn, dass man den jungen Kollegen nicht nur etwas beibringt, sondern selbst auch etwas lernt „Zum Beispiel wie man mit Erkrankungen umgeht, die in unseren Regionen kaum noch vorkommen“, so der Herzchirurg. Am meisten aber freue ihn, Patienten wieder mehr Lebensqualität zu bieten. „Eine sehr bereichernde Erfahrung.“


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