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Gotthilf Fischer wird 90: Singen als Therapie
Panorama 1 2 Min. 11.02.2018

Gotthilf Fischer wird 90: Singen als Therapie

Auch im Fernsehen war Gotthilf Fischer häufig zu sehen – vor allem als Gast in Volksmusik-Sendungen. Die von ihm initiierte ARD-Reihe „Straße der Lieder“ wurde 2008 nach zwölf Jahren eingestellt.

Gotthilf Fischer wird 90: Singen als Therapie

Auch im Fernsehen war Gotthilf Fischer häufig zu sehen – vor allem als Gast in Volksmusik-Sendungen. Die von ihm initiierte ARD-Reihe „Straße der Lieder“ wurde 2008 nach zwölf Jahren eingestellt.
Foto: Shutterstock
Panorama 1 2 Min. 11.02.2018

Gotthilf Fischer wird 90: Singen als Therapie

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Gotthilf Fischer ist der lebende Beweis, dass Musik gesund erhält. Kein anderer Dirigent brachte solche Massen zum Singen wie der Mann aus dem Schwäbischen, der weder Noten lesen kann noch eine musikalische Ausbildung genoss.

von Rainer Holbe

Wo man singt, da lass dich ruhig nieder! Wer dem rüstigen Jubilar einmal begegnet ist, der wundert sich über den Elan, mit dem er seine Botschaft von der Freude am Gesang vermittelt. „Das Singen ist die beste Therapie“, sagt er im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“. „Die Menschen kommen gestresst zu den Proben, aber nach ein paar Liedern sind sie befreit vom Alltag. Sie atmen wieder richtig und in ihren Gesichtern vollzieht sich eine wunderbare Verwandlung – sie lächeln.“

Fischer verstellt sich nicht, er ist ein durch und durch positiver Mensch, der seine Umgebung zu begeistern weiß. Doch Gotthilf Fischer wäre kein perfekter Schwabe, hätte er nicht stets auch das eigene Glück im Auge. 16 Millionen Schallplatten, unzählige Fernsehsendungen und die zahlreichen öffentlichen Auftritte seiner Chöre machten ihn zu einem vermögenden Mann. Dies gilt freilich nicht für die Chor-Mitglieder: Gagen werden keine gezahlt.

Rund 1 500 Menschen zwischen acht und 90 Jahren werden noch immer Fischers musikalischer Bewegung zugeordnet: als Kinder- und Jugendchöre, als Interpreten für sakrale Musik, Schlager, Oper- und Operette. „Jeder Mensch hat eine Stimme und kann damit auch singen“, sagt er. „Ich schicke niemanden weg, weil er unmusikalisch ist. Da stelle ich ihm halt einen begabten Solisten zur Seite.“ Ein Glücksfall sei es, wenn jemand zusätzlich zu seinen Sängerqualitäten auch noch musikalisch ist. „Das ist dann ein Geschenk des Himmels.“

Gotthilf Fischer mag es bodenständig. Nach dem Tod seiner Frau bewohnt er noch immer einen geräumigen Bungalow im idyllischen Remstal bei Stuttgart, nicht weit von Plochingen, wo er am 11. Februar 1928 als Sohn eines Zimmermanns geboren wurde, einem Mann, der gerne sang und von dem der kleine Gotthilf wohl die Freude an der Musik übernommen hat.

Und noch eine Geschichte erzählt Fischer gern: der Taxifahrer, der seine Mutter einst zur Entbindung ins Krankenhaus brachte, hatte unterwegs einen schweren Unfall, das Leben der Mutter und des ungeborenen Kindes stand auf der Kippe. Doch beide überlebten. Auf Drängen der Krankenschwestern bekam der Junge den Vornamen Gotthilf. Fischer glaubt, dass ihm der Name auch später half – er überlebte drei Flugzeugunglücke.

Erfolg bereits nach 14 Tagen

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm der Autodidakt seinen ersten Chor. Mit zehn Sängern fing er an, nach 14 Tagen hatte er 80 Chormitglieder. „Weil da was los war“, sagte er einmal dem Südwestrundfunk. Dort wurden auch die frühen Schallplatten der Fischer-Chöre aufgenommen. Bereits das erste Lied machte deutlich, um was es ging: „Happy Birthday – Alles Gute“.

Von da an war keine Komposition vor Fischer sicher. Die sangesfreudige Schar nahm sich der aktuellen Schlager ebenso an wie den Klassikern der Oper. Beethovens „Ode an die Freude” oder Verdis „Gefangenenchor“ aus „Nabucco“ gehörten ebenso zum Repertoire wie die Ohrwürmer aus Musical und Operette. Der mediale Durchbruch gelang ihm nach der Trauerfeier zum Grubenunglück von Lengede. Für die verstorbenen 29 Bergleute trat Fischer erstmals mit einem Chor aus 200 Sängern im Fernsehen auf. Gotthilf Fischer war Initiator und Moderator der Fernsehreihe „Straße der Lieder“, die immerhin zwölf Jahre über die Bildschirme flimmerte.

Für das eigene Ende hat Fischer bereits vorgesorgt: im Flur seines Hauses hängt ein Grabkreuz aus dem Bregenzer Wald, das einst seinen letzten Platz auf Erden schmücken wird. Doch bis es soweit ist, wird erst einmal gefeiert. Wo und wann? Der Jubilar will sich überraschen lassen.

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